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Zweimal erste Wahl

Im Herbst wird am Berner Bahnhof die erste dreistöckige Veloabstellanlage der Schweiz in Betrieb genommen. Die Thuner Firma Real richtet sie zusammen mit dem deutschen Hersteller Orion ein. Die beiden Unternehmen rüsten auch das Basler Bahnhofparking zur Doppelstockstation um. René Hornung

Das Basler Veloparking Centralbahnplatz unter dem Bahnhofplatz SBB war schon einen Monat nach der Eröffnung im Juni 2002 ausgelastet. Nun wird die Station mit einer Doppelstock-Anlage um 500 weitere Plätze vergrössert. Die entsprechende Ausschreibung konnte die Thuner Firma Real für sich entscheiden. Eingebaut werden Abstellanlagen der deutschen Firma Orion, die von Real in der Schweiz vertreten wird.
Doch Basel wird vom künftigen Berner Bahnhofparking Milchgässli getoppt: In Bern entsteht die erste dreistöckige Anlage der Schweiz, die Real und Orion zurzeit aus einem Prototyp fertig entwickeln. Auf engstem Raum 520 Velos unterbringen – so lautete die Vorgabe von SBB, Stadt Bern und den Planern. Peter Eggimann, Besitzer und Geschäftsführer der Thuner Bausystem-Firma Real, erzählt, wie Anlagenbauer und Planer auf die 3-Etagen-Idee kamen: Bei einer Fachtagung schilderten die Orion-Leute ihre Tests mit dreistöckigen Anlagen. Das interessierte die Berner Planer und Ingenieure von SMT, welche die künftige Milchgässli-Velostation planen. Sie wollen nun die erste dieser Anlagen in Bern realisieren.
Das System funktioniert so: Ein Dreipunktgurt wird an Lenker und Sattel des Velos befestigt. Ein Elektromotor unter der Decke wickelt dann den Gurt auf: Das Velo schwebt in die Höhe und wird dort von Hand in die Endposition geschoben.
Ist das nicht viel zu aufwendig? Peter Eggimann räumt ein, dass die dritte Etage nicht fürs Kurzzeitparkieren geeignet ist, da der Hebevorgang mit dem Gurtenmotor etwas dauert. Die Plätze unter der Decke werden in der künftigen, betreuten Berner Milchgässli-Velostation vor allem für Mietvelos und Langzeitparkierer gebraucht. Pendler, die auf den letzten Drücker zum Bahnhof kommen, werden diese dritte Etage nicht nutzen. Die Lösung sei hier ideal: Sie bietet auf der begrenzten Fläche deutlich mehr Plätze.

Basel wird ausgebaut
Etwas weniger spektakulär wird der Umbau des Centralbahnplatz-Veloparkings in Basel ausfallen. Dort wird ein verbesserter Typ des Orion-Doppelstockparkers aufgestellt. Solche Anlagen gibt es bereits mehrere in der Schweiz: im Parc-Relais in Genf und vor allem im Veloparking beim Bahnhof Biel. Die Bieler Anlage hatte der deutsche Hersteller anlässlich der Expo.02 geliefert.
«Inzwischen haben wir zusammen mit Orion einiges an den Anlagen verbessert», sagt Peter Eggimann. Neu dämpfen Nylonrollen die laute Auszugsschiene. In der Grundkonzeption bleibt der Doppelparker aber eine robuste und vandalensichere Stahlkonstruktion. Auf eine Federhilfe, wie sie andere Hersteller bei Doppelstockanlagen einbauen, verzichten Orion und Real bewusst. Die Anlagen sollen möglichst wartungsarm und störungsfrei funktionieren. Die einfache Konstruktion macht die Orion-Anlagen zudem konkurrenzfähig. Während man für einen Platz in einem einfachen Veloständer heute rund 50 Franken rechnet, kostet ein ebenerdiger Platz mit dem teuersten Orion-Modell Beta XXL rund 170 Franken, ein Doppelstockparkerplatz inklusiv Montage der Anlage rund 450 Franken.

Real: Vom Dach zur Abstellanlage
Entstanden ist der Geschäftszweig Veloabstellanlagen bei Real, dem Spezialisten für lichtdurchlässige Bausysteme, in den Achtzigerjahren. Ein Architekt bestellte damals einen transparenten Wetterschutz als Velounterstand. Bald kamen weitere Bestellungen, und es tauchte die Frage auf, wieso der Thuner Betrieb nicht auch gleich die Veloständer unter die Dächer liefere. So tat man sich mit den Spezialisten von Orion aus Biebesheim bei Frankfurt am Main zusammen.
«Zu Beginn stellten wir die klassischen Bögliständer unter die Dächer und machten damit die typischen Anfängerfehler», blickt Eggimann zurück: «Die Halter wurden im Abstand von 30 Zentimeter montiert, bis wir merkten, dass so nur jeder zweite Platz besetzt wird.» Heute sind 40 bis 45 Zentimeter Abstand die Norm, im Berner «Milchgässli» werden es sogar 50 Zentimeter sein.
Real wurde immer mehr zum Entwicklungspartner von Orion. Die Luxusausführung unter den Abstellsystemen heisst Beta XXL. Sie schont Felgen und Bremsen, ist sehr robust, und das Velo kann bequem angeschlossen werden. Das Basler Veloparking ist heute mit der Version Beta ausgerüstet – und viele andere Schweizer Abstellanlagen auch. In seiner neuesten Ausführung ist die Vorderrad- und Lenkerführung des Orion-Doppelstockparkers so geformt, dass auch Velos mit Scheibenbremsen in den Bügel passen. Orion baut aber auch einfachere Modelle, etwa den Wandaufhänger Gamma, wie man ihn zum Beispiel in den neuen Zügen von Stadler Rail findet.
Viele Verbesserungen entstehen aus Kontakten mit den NutzerInnen. Real-Mitarbeiter Thomas Reusser, selbst ein eingefleischter Biker, ist viel unterwegs, und das Thuner Unternehmen engagiert sich in der Alltagsvelofahrer-Szene, stellt an Events Ständer und Unterstände zur Verfügung.
Inzwischen ist aus dem Einzelauftrag für ein Velodach ein wichtiger Geschäftszweig entstanden. Real erzielt heute rund dreissig Prozent des Gesamtumsatzes mit Abstellanlagen. Das Unternehmen beschäftigt zwanzig MitarbeiterInnen und ist gesamtschweizerisch tätig. Hauptgeschäft bleiben die lichtdurchlässigen Bausysteme. «Lichtkuppeln aus Plexiglas, Verglasungen und Überdachungen sind immer noch unser Kerngeschäft», stellt Peter Eggi­mann klar. Real bietet dabei alles aus einer Hand: Beratung, Konstruktion und Montage.

Gestiegene Anforderungen
Die erfreuliche Entwicklung im Velounterstand-Bereich hängt auch damit zusammen, dass die Ausschreibungen immer professioneller werden und nicht mehr einfach nur eine simple Offerte verlangt, sondern eine Vielzahl von Parameter vorgegeben wird. Real kann hier dank eigener Planungsabteilung seine Stärken ausspielen. Baupläne werden bis zu den nötigen Bewilligungen fertig ausgearbeitet. «Am liebsten kommen wir schon vor der Planung mit den Betreibern in Kontakt», sagt Eggimann. «So ergeben sich die besten und günstigsten Lösungen.»
Die Anforderungen an die Velostationen stiegen ständig. Garderoben gehören heute ebenso dazu wie ausgetüftelte Zutrittssysteme. Längerfristig werden sich die kostenpflichtigen Anlagen überall durchsetzen, allerdings werde es wohl noch etwas dauern, meint der Real-Geschäftsleiter. Er beobachtet in Thun, wie dort die Gratisplätze unter dem alten Wellblechdach am Bahnhof immer überfüllt sind, während die kostenpflichtige Velostation gleich daneben noch freie Plätze hat.

Orion-Doppelstockparker

rhg. Im Orion-Doppelstockparker sind die Velos sowohl ebenerdig als auch in der oberen Etage jeweils höhenversetzt, damit sich die Brems- und Schaltkabel nicht verheddern. Um das Velo in die obere Etage zu stellen, zieht man die Schiene am Griff nach hinten und senkt sie ab. Sie gleitet auf fünf Nylonrollen. Das Velo wird auf die schräg gestellte Schiene in die seitliche Halterung beim Vorderrad und Lenker geschoben. Eine Rückrollsicherung arretiert das Velo. Danach wird die Schiene angehoben und zurückgeschoben. Dafür ist ein gewisser Kraftaufwand nötig.
Die Schienen sind so angeordnet, dass darunter auch ein Velo mit einem Korb auf dem Gepäckträger Platz findet.
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