
Der Name klingt unauffällig und verspricht vorerst nichts Aufregendes:
EOG Association for Conservation. Die «Europäische
Naturschutzvereinigung» wurde im letzten Sommer gegründet. Zweck der
Organisation ist es, Naturschutzprojekte von gemeinnützigen und
karitativen Vereinigungen zu fördern und zu realisieren, finanziert aus
Mitteln der Outdoor-Industrie. Die Branche hat erkannt, dass es nicht
reicht, vom boomenden Outdoor-Lifestyle zu profitieren, sondern dass
der Schutz der Umwelt immer wichtiger wird. Oder wie es Rolf G. Schmid,
Präsident der European Outdoor Group (EOG) und Geschäftsführer von
Mammut, formuliert: «Es geht um Fürsorge, Schutz und Verbesserung
dieser Umwelt.» Obwohl es bereits viele Umwelt- und
Naturschutzorganisationen in Europa gibt, ist die EOG die erste
europaweit koordinierte Initiative.
Ausbau geplant
Die bei der Outdoormesse 2006 lancierte Initiative ist erfolgreich
angelaufen, wie Geschäftsleiter Mark Held bestätigt: «Mit 170 000 Euro
an Unterstützungsbeiträgen wurde unser Budget übertroffen.» Dieses soll
nächstes Jahr auf eine Viertelmillion Euro erhöht werden; mit
ausserordentlichen Fundraisingmitteln könnte eine entlöhnte Stelle
betrieben werden. Vorläufig betreibt Held den Aufbau ehrenamtlich im
Teilzeitpensum – neben seiner Geschäftsleitertätigkeit von EOG. Davor
war er viele Jahre für die Outdoorfirmen Berghaus und Loewe Alpin
tätig. Geleitet wird die EOG Association for Conservation von Hervé
Chabert vom Bekleidungshersteller Patagonia Europe. Im ersten
Vereinsjahr sind vierzehn Projekte eingegangen, über die der Rat
demnächst entscheiden wird. Darunter sind zwei Projekte aus der
Schweiz: Die Vereinigung Pro Mont Blanc will am Massiv Klimaforschung
betreiben. Mountain Wilderness wiederum plant mit einem DVD-Projekt
Freerider für die Bedürfnisse von Natur und Tierwelt zu
sensibilisieren.s
Sensibilisierung steht zuvorderst
Die aktive Erziehung von Outdoorsportlern und der übrigen Bevölkerung,
die Notwendigkeit des Naturschutzes zu erkennen – dies steht bei der
EOG Association for Conservation ganz weit vorne. «Wir wollen den
Outdoor-Sportlern und der Bevölkerung klar machen, dass die Umwelt
durch Verschmutzung, Industrie und Übernutzung bedroht wird und
Umweltschutz deshalb notwendig ist», präzisiert Held im Gespräch. Und:
«Wir wollen der Umwelt einen grossen Teil zurückgeben.» Auf die Frage,
wo denn die Grenzen zur PR seien, beteuert Held, dass mit den
unterstützten Projekten keine Werbung betrieben wird.
Will die Vereinigung in Europa in die Fussstapfen des
North-Face–Gründers und Multimillionärs Douglas Tompkins treten, der in
Südamerika riesige Landstriche aufgekauft hat, um sie vor Überbauungen
und Spekulation zu retten? Inzwischen gilt er ja als der grösste
Landbesitzer der Welt. Held verneint dies mit dem Hinweis darauf, dass
dies im dicht bevölkerten Europa gar nicht möglich wäre. Aber es
bestehen gute internationale Beziehungen mit ähnlich ausgerichteten
Non-Profit-Organisationen. Mit der renommierten schottischen
John-Muir-Stiftung wird eine enge Zusammenarbeit gepflegt, um besondere
Gebiete der Öffentlichkeit zu erhalten und sie vor Spekulation zu
bewahren. Gerade in England und Schottland würden sonst viele
alteingesessene Familien ihre aufwendig zu bewirtschaftenden Güter an
Spekulanten und Wirtschaftsmagnaten verkaufen.
Demokratische Spielregeln
Die Mitgliedschaft in der EOG Association ist vergleichsweise
demokratisch geregelt. Sie steht jeder in der Outdoor-Branche tätigen
Firma offen, die gewillt ist, den Zweck der Organisation zu
unterstützen und deren Regeln einzuhalten. Der jährliche Beitrag
beträgt je nach Umsatz zwischen 500 und 4000 Euro. Die Auswahl der
eingegangenen Projekte erfolgt nach einem streng geregelten Verfahren
durch die Mitglieder der EOG Association for Conservation. Je nach dem
Stand der Gesuche und der Projekte soll in Zukunft zusätzliches
Fundraising betrieben werden.
Der Start scheint geglückt zu sein, man darf gespannt sein auf die
ausgewählten Projekte und die weitere Zukunft. Und nicht zuletzt fragt
man sich: Warum gibt es nicht mehr Branchenvereinigungen, die
gleichermassen innovativ und engagiert in ihrem Umfeld karitativ tätig
sind?
www.eogconservation.org