Dr. V. Love
Dr. V. Love
Ein Missionar geht in Stellung
Sehr geehrter Herr Dr. V. Love
Ich setze schon lange auf das Velo als Transportmittel. Bis vor kurzem
wurde ich von meinem Arbeitgeber, der Stadt Zürich, dabei unterstützt
und konnte meine Fahrspesen abziehen, wie die Kollegen es mit ihren
Dienstfahrten mit dem Auto auch können. Nun wurden diese Auslagen
kürzlich gestrichen. Von der Stadt Bern hab ich Ähnliches gehört.
Gleichzeitig wird der Umstieg auf «umweltgerechte» Autos gefördert und
belohnt. Ich halte dies in der aktuellen Klimadiskussion für verfehlt,
um nicht zu sagen: pervers.
Sabine M. aus Z.
Liebe Frau Marter
Pervers? Sie sind wohl ein wenig verquer. Was interessiert Ihren
Arbeitgeber denn das Klima? Höchstens das Arbeitsklima! Und das leidet,
wenn Sie morgens verschwitzt und erschöpft von der langen Velofahrt ins
Büro kommen. Die Stadt braucht Ihre gesamte Energie und ist
logischerweise nicht bereit, diese mit dem Velo zu teilen. Sie werden
jetzt fragen: Und was ist mit der Energieeffizienz?
Schauen wir uns diesen Begriff doch einmal ohne ideologische und
politische Scheuklappen an: Effizienz definieren wir deshalb als
Energie, die einem möglichst allen zugute kommenden Zweck dient.
Entsprechend ist das Auto das effizienteste Transportmittel. Fahren Sie
mit dem Auto vor! So sind Sie fit, weil Sie ja nur ein bisschen aufs
Gaspedal drücken müssen und Ihr Körper sonst keinen Anstrengungen
unterworfen war. Ein Auto kennt keinen Egoismus, treu und duldsam
transportiert es seine Passagiere. Sie hingegen verfolgen mit Ihrer
Energie möglicherweise allerlei eigennützige Zwecke. Sie verpufft
ungenutzt.
Das einzige Problem des Autos ist, dass es Erdöl braucht, und diese
Energiequelle begrenzt ist. (Wir ignorieren an dieser Stelle die
esoterische Luftverpestungs-diskussion). Doch – heureka! – das Problem
ist gelöst! Wir verfüttern dem Auto nun unsere Nahrungsmittel. Wie
früher den Pferden, einfach effizienter. Sie sind im Auto sowieso
besser aufgehoben als in unseren Bäuchen, die nur runder werden. Keine
Diskussion um genmanipulierte Nahrungsmittel, das Auto ist ein
Allesfresser. Und wir sind produktiver, ausgeruhter und haben erst noch
ein sauberes Gewissen, da Bio-Kraftstoffe sauber sind. Auto und
Biokraftstoffe = Effizienz und Sauberkeit.
In letzter Konsequenz hiesse dies eigentlich auch, dass wir uns selbst
dem Auto verfüttern sollten, da der Mensch als König der Nahrungskette
am effizientesten genutzt werden könnte. Aber dafür ist die Zeit wohl
noch nicht reif.
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