
Michel Péclard gesteht es gleich zu Beginn des Gesprächs und lacht:
«Das Velofahren hat mir eigentlich meine Frau verschrieben, die Frau
Doktor.» Der umtriebige Zürcher Gastronom, Geschäftsführer der
Pumpstation Gastro GmbH und in dieser Funktion Herr über sieben
Gasthäuser in der und um die Stadt Zürich entdeckt die interessanten
Orte für seine künftigen Restaurants gesundheitsfördernd auf zwei
Rädern. So ist er auch zu seinem neusten Projekt gekommen, einer
Kombination von Bäckerei und Gartenrestaurant, die in den nächsten
Monaten direkt am Fluss auf Höhe der Badeanstalt Unterer Letten
entstehen soll. Auf einem seiner Velostreifzüge durch die Limmatstadt
fiel ihm dieses Fleckchen Zürich auf, und in seinem Kopf entstand
langsam, aber unaufhaltsam das neue Projekt. Stunden könne er dann
jeweils vor einem Gebäude stehen und im Geiste den Umbau vorzeichnen,
erzählt er.
«Für mich bedeutet das Velo Freiheit», sagt der 38-jährige Péclard. Und
wenn er diesen Zustand der Freiheit erreiche, dann könne er sich auch
in seine – künftigen – Gäste hineinversetzen. Er stellt sich dann
jeweils vor, was es braucht, damit sich diese in der Umgebung
wohlfühlen können. «Ein Restaurant muss den Gästen zwei Stunden Ferien
bieten», umschreibt Péclard seine Gastro-Philosophie, und das ist auch
der Grund, weshalb er seine Restaurants mit Hilfe von Bühnenbildnern
ausstatten lässt. Nichts verabscheut er mehr als die unterkühlte,
trendige Innenarchitektur, die heute in jedem beliebigen In-Lokal
anzutreffen sei. Seine Lokale möchte er auch nach seinem Geschmack
einrichten können, was eben mit Architekten nicht möglich sei. Doch die
Bühnenbildner, «weisch, die kann ich ein bisschen formen, aber sie
formen auch mich».
Zufrieden in Zürich
Zürich ist für Péclard, «Entschuldigung, das muss ich so sagen», die
genialste Stadt der Welt. Der gelernte Hotelfachmann kennt sich aus auf
diesem Globus, aber so wohl wie hier würde er sich nirgends fühlen –
zumindest nicht auf dem Velo. In New York Velofahren? Bei dem Verkehr?
Niemals! Oder gar im Iran (seine Frau ist Iranerin) – dort würde er nie
den Schwung auf den Sattel wagen, «so wie die dort Auto fahren». Er ist
zufrieden mit Zürich. Und Zürich scheint zufrieden mit ihm.