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| Gesteigerte Spannung: Die auf 200 Meter verkürzte Bahn. | Unterwegs zum Sieg: Bruno Risi und Franco Marvulli. |
Olé! Nun wirbeln die Wädli wieder, stundenlang rattern die 28 Fahrer
über die Holzplanken – wie früher, als das Sechstagerennen noch zum
jährlichen Veranstaltungskalender des Hallenstadions gehörte. Trotzdem
fühlte man sich in den Tagen des Jahreswechsels nicht an vergangene
Zeiten erinnert. Die Bahn, angenehm beleuchtet, fügt sich zwar schön in
den ovalen Grundriss des renovierten Hallenstadions ein. Dennoch öffnen
sich baulich bedingte Abstände zu den ZuschauerInnen. Die Tribünen
grenzen nicht mehr nahtlos an die Bahn, und die Sicht vom Innenraum aus
bietet wegen der im Vergleich zu früher tiefer liegenden Piste nicht
mehr den angenehmen Überblick über die ganze Runde.
Das war bei der jüngsten Ausgabe, dem 50. Zürcher Sechstagerennen, aber
auch nicht weiter schlimm. Denn mit dem ersten Rennen nach der
fünfjährigen Pause war sowohl optisch als auch planerisch der Sprung in
die Neuzeit vorgesehen. Die um 50 auf 200 Meter verkürzte Rundbahn
bringt mehr Spannung und Spektakel. Das gegenüber früher deutlich
gestraffte Rennprogramm mehr Erholungszeit für die Fahrer und der in
der Schlussnacht für 23 Uhr geplante finale Sprint (der beim alten
Sechstagerennen in den frühen Morgenstunden stattfand) die
Voraussetzung dafür, dass nicht nur die Zuschauer noch am selben Abend
die Heimreise mit den öffentlichen Vekehrsmitteln antreten konnten,
sondern dass auch die Zeitungen am Morgen danach über die spannende
Entscheidungs-Américaine berichten konnten.
Im Verlauf der Austragung sollte sich ein Schlachtruf besonder
einprägen: «Olé!» Mit seinem Lieblingswort pflegte Veranstalter Max
Hürzeler die Sieger der einzelnen Prüfungen jeweils auf die Ehrenrunde
zu schicken. Dass Hürzeler als Wahl-Mallorquiner – der mit seinen
Veloreisen auf der Balearen-Insel zum Millionär geworden ist – damit
einen typisch andalusischen Ausdruck aus dem Stierkampf verwendet, war
ihm wohl nicht bewusst. Ganz so wild ging es auf der Bahn auch nicht zu
und her – abgesehen von einer in Zürich in den vergangenen fünfzig
Jahren noch nie gesehenen Faustkampf-Einlage zwischen Bruno Risi und
Dany Stam nach Rennschluss am zweitletzten Abend. Zusammen mit seinem
Partner Franco Marvulli rehabilitierte sich Risi dann in der
Final-Américaine. Hier gelang den beiden in einer spektakulären
Entscheidung kurz vor Schluss der entscheidende Rundengewinn. Sie
fuhren als jubelnde Sieger über den Zielstrich.
Einen Sieg erzielten auch die
Veranstalter. Ihnen gelang es, das Sixdays-Spektakel wieder zu einem
Volksevent zu machen. Erschwingliche Eintrittspreise und ein
abwechslungsreiches kulinarisches Angebot (inkl. der traditionellen
«Güggeli») waren ein Erfolgsfaktor. Die kürzeren Nächte und das
modernisierte Hallenstadion zwei weitere. Im Gegensatz zu früher kann
man nun auch mal die Bahn verlassen und bleibt dank zahlreichen
Monitoren trotzdem über das Renngeschehen informiert.
Positiv herauszustreichen bleibt auch die Lernbereitschaft von
Hürzelers Team. Von Anfang an zeigten sich die Organisatoren offen
gegenüber konstruktiver Kritik. Einzelne Verbesserungen wurden gar
sofort umgesetzt. Kospeaker Kurt Betschart versuchte am ersten Abend
noch, den deutschen Hauptspeaker Christian Stoll auf Hochdeutsch zu
unterstützen. Als er dann ab dem zweiten Abend in seinen Urner Dialekt
wechselte, kamen die Analysen beim Publikum deutlich besser an.
Verbesserungsfähig bleiben allerdings die «Side Events». Beim Anlass
der Velokuriere etwa war für die Zuschauenden nicht ganz ersichtlich,
was Sinn und Zweck dieses Contests sein sollte. Der Event war für die
Beteiligten bestimmt unterhaltsam, für das zahlende Publikum hingegen
kaum. Dessen ist sich Hürzeler bewusst. Man sei hier bewusst
Experimente eingegangen, sagt er.
Die Premiere des neuen Sechstagerennens ist gelungen, und mit 29 000
ZuschauerInnen wurde das Minimalbudget um fast zwanzig Prozent
übertroffen. Bis Redaktionsschluss blieb aber offen, ob das
Sechstagerennen 2007 weitergeführt wird. Während sich Urs Freuler
begeistert über die Veranstaltung äusserte, gab sich Geldgeber Hürzeler
zurückhaltender: «Meine Bilanz fällt zwiespältig aus.» Vieles sei nach
seinem Kopf gelaufen, vieles aber auch nicht. Nun will er sich über die
Sixdays-Zukunft Gedanken machen.