Schwerpunkt

Lysser Velokonzept überzeugt nicht

Mit dem BfU-Preis erhielt die Gemeinde Lyss vor zwei Jahren viel Anerkennung für ihr Velokonzept. Doch viel Neues hat die Gemeinde in der Zwischenzeit nicht auf die Beine gestellt. Ein kurzer Blick auf die Problemzonen.
Image Image
Begegnungszonen verhelfen Lyss zu einem guten Ruf. Mit gelber Markierung allein wird das Velo noch nicht gefördert.

jwy. «Die Gründlichkeit, die sinnvollen Massnahmen und der konsequente Umsetzungsplan haben restlos überzeugt», begründete die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) ihren Entscheid, als sie vor zwei Jahren ihren Sicherheitspreis der Gemeinde Lyss verlieh. Auch die grossen Anstrengungen der Gemeinde, die Strassen für Schüler sicherer zu machen, trugen dazu bei.
Der Auszeichnung vorausgegangen war im Jahr 2002 das Velokonzept der Gemeinde. Es sah vor, den Veloverkehr zu fördern und den motorisierten Verkehr zu reduzieren. Für die Ausarbeitung des Konzepts wurden ein Ingenieurbüro zugezogen und eine Arbeitsgruppe gegründet. Die gröbsten Mängel des Ist-Zustandes ermittelten die Projektverantwortlichen mittels Analysen der  Velorouten, Umfragen in Schulen und Firmen, Auswertungen von Unfallstatistiken sowie Feldaufnahmen. Darauf basierend wurde ein Katalog zusammengetragen, der alle Gefahrenstellen zeigte und in einen Umsetzungsplan mündete. Dieser sollte fortan bei künftigen Verkehrsprojekten zu Rate gezogen werden.
Gemeindepräsident Martin Kuster er-klärte bei der Preisverleihung 2004, dass «das Konzept erst dann verwirklicht ist, wenn sämtliche Schwachpunkte beseitigt sind», und versprach, dass der Preis weiteren Schritten neuen Schwung verleihe. Doch was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Noch viel Arbeit

Ursprünglich war auch die IG Velo in die Planung des Velokonzeptes involviert. Sie ist dann aber in den Hintergrund getreten und hat das Zepter der Gemeinde überlassen. Lyss gehört zum Einzugsgebiet der IG Velo Biel-Seeland. Geschäftsleiterin Denise Schiffmann aber weiss: «Von Biel aus ist es schwierig, in Lyss etwas zu bewirken, deswegen soll in Zukunft eine Ortsgruppe in Lyss gegründet werden.»

Schulwegsicherung ungelöst

Verantwortlich für die neue Ortsgruppe ist Sonja Gerber-Kälin. Seit sie vor drei Jahren nach Lyss gezogen ist, habe sie keine wirklichen Veränderungen und Neuerungen festgestellt. Leider gehe es auch mit der neuen Ortsgruppe nicht vorwärts. Sie sieht deshalb noch viel Handlungsbedarf. Als Beispiele nennt sie die ungenügenden Veloabstellplätze beim Bahnhof und die fehlende Vernetzung der Tempo-30-Zonen. «Speziell für Schülerinnen und Schüler ist es beim dichten Verkehr schwierig und gefährlich auf der Strasse», stellt sie fest.
Alltagsvelofahrerin Maya Bühler-Gäumann fährt in Lyss seit zwölf Jahren. «Es wurde hier nur das Nötigste gemacht, nichts extra für die Velofahrenden», stellt sie fest, lobt aber die Gemeinde, weil die Bauabteilung immer an die Velos denke, wenn Strassen oder Trottoirs saniert werden. Deshalb geniesse Lyss wohl immer noch den Ruf, als Kleinstadt in Sachen Velopolitik vorbildlich zu sein. Aber «richtige» Veloprojekte seien ihr in den letzten zwei Jahren keine aufgefallen. Die wichtigen Errungenschaften seien alle früher realisiert worden. Die Gründe liegen auf der Hand: «Das Budget ist halt nicht mehr so grosszügig wie auch schon, daher werden nur noch Projekte mit hoher Priorität realisiert.» Die BfU, die 2004 den Preis an Lyss verlieh, verfolgt das Geschehen vor Ort nicht weiter. Natalie Rüfenacht, BfU-Mediensprecherin, hält fest, dass der Sicherheitspreis in erster Linie für bereits realisierte Projekte vergeben werde.

80 Prozent ausgeführt

Ueli Hermann von der Bauabteilung Lyss kontert die kritischen Stimmen: «Das Velokonzept wird sukzessive umgesetzt. 80 Prozent der Massnahmen sind ausgeführt oder als Daueraufgabe im Pflichtenheft fixiert.» Der Umsetzungsplan mit den Prioritäten wird jedes Jahr auf den neusten Stand gebracht. Dabei stelle sich die Gemeinde jeweils die Frage: «Was wurde letztes Jahr nicht realisiert? Was wird dieses Jahr ausgeführt?» Hermann räumt ein, dass grössere Anlagen wie die Veloabstellplätze beim Bahnhof erst im Zusammenhang mit grösseren Bauprojekten ausgeführt werden können. Dass man den Eindruck erhalte, es passiere nichts, hängt seiner Meinung nach damit zusammen, dass die Umsetzungen teils unspektakulär seien. «Es muss nicht nur genügend Veloabstellplätze haben, sie müssen auch gut erreichbar sein.» Er ist deshalb weiterhin vom Konzept überzeugt: «Der Langsamverkehr ist seither besser in unserem Bewusstsein verankert. Der BfU-Preis ist für uns auch heute noch Motivation und Verpflichtung.»
Abo
Kein Flash-Player installiert.

Nachrichten

15.05.2012:
11.05.2012:
8.05.2012:
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
© 2011 velojournalImpressum