Film
Leben nach der Atombombe
In der Fernsehserie «Dark Angel» arbeitet die Hauptakteurin tagsüber als Velokurierin und geht in der Nacht einer finsteren Tätigkeit nach. Verkörpert wird die Heldin Max von der attraktiven Jessica Alba, was für die Serie nicht von Nachteil ist. Bruno Angeli
Die Idee zu «Dark Angel» stammt von James Cameron. Der
Oscar-Preisträger und Regisseur von «Titanic» und «Aliens – Die
Rückkehr» entwickelte die Serie zusammen mit Charles H. Eglee und
amtete zudem als Mitproduzent. Die Serie «Dark Angel» war seine erste
Arbeit für das Fernsehen. Der Start erfolgte im Jahre 2000 in den USA
furios und erhielt sogar den Zuschauerpreis «Peoples Choice Award».
Doch nach 43 Folgen war Schluss. Die Studiobosse von 20th Century Fox
Television entschieden, den Stecker zu ziehen, da die Einschaltquoten
ihren Erwartungen nicht entsprachen. Es wurde keine dritte Staffel mehr
gedreht.
Sucht und Flucht
Die Story: Im Jahr 2009 explodiert in den USA eine Atombombe. Dabei
legt der freigelegte elektromagnetische Impuls alle Satelliten, die
Justiz, das Bankensystem und die gesamte Infrastruktur des Landes lahm.
In dieser Zukunft herrschen Chaos und das Gesetz des Stärkeren. Max
Guevara (Jessica Alba) kann sich dank ihrer aussergewöhnlichen
Fähigkeiten in dieser gewalttätigen Umgebung behaupten. Sie ist stärker
als Normalsterbliche, und ihre Reflexe sind aussergewöhnlich. Der Grund
dafür nennt sich Projekt «Manticore» – ein Gen-Experiment, das in einem
geheimen Labor irgendwo in Wyoming stattfand. Ziel dieser Experimente
war es, den perfekten Soldaten zu schaffen. Daraus wurde nichts, denn
den Kids gelang es, auszubrechen. Einige der wertvollen Prototypen
wurden geschnappt, andere tauchten unter.
Zehn Jahre später: Max arbeitet tagsüber als Velokurierin, in der Nacht
geht sie einer noch gefährlicheren Tätigkeit nach: Sie stiehlt und ist
auf der Suche nach ihren Kameraden, die ihr Schicksal teilen und damals
aus den Klauen des Militärs entkamen. Erschwerend kommt hinzu, dass
sie, um überleben zu können, auf eine Droge angewiesen ist – eine
unangenehme Nebenerscheinung der Gen-Experimente. Ohne die Droge
Tryptophan leidet Max an spastischen Krämpfen, wird schwach und bekommt
Fieber. Die Droge ist natürlich illegal und nur sehr schwer zu
bekommen. Und dann ist ihr auch noch Colonel Donald Lydecker auf den
Fersen. Er war verantwortlich für die Aufsicht der Probanden des
Projekts «Manticore» und verfolgt die zwölf Entflohenen nun
unerbittlich, um sie zu eliminieren.
Für die verwöhnte MTV-Generation
«Dark Angel» schien alle Ingredienzien für einen Kassenschlager zu
haben. Warum die Serie in den USA dennoch floppte, ist nicht klar.
Vielleicht hat die Vorstellung, dass in Zukunft ein paar Terroristen
die Überhand gewinnen, eine Atombombe zur Detonation bringen, und das
ganze Land in Anarchie verfällt, dem amerikanischen Publikum nicht sehr
behagt. Kann sein, dass die ganze Ausgangslage und der Plot zu
überfrachtet ist. Dazu wirken die Episoden so, als müsse alles
«unheimlich cool» herüberkommen. Das ist oft angestrengt und
aufgesetzt. Weniger wäre mehr gewesen.
Eine Fernsehserie, deren Handlung sich um einen Fahrradkurierdienst
dreht und sich darauf konzentriert, könnte funktionieren und fände
bestimmt ein Publikum. Ob sich bald ein Produzent an einer «Emergency
Room»-Serie auf Fahrrädern versuchen wird? Bleibt zu hoffen, dass sich
die Macher eine Anbiederung an die MTV-Generation – wie in «Dark Angel»
– verkneifen könnten.
Empfehlenswert sind die «Dark Angel»- Episoden einem jugendlichen
Publikum. Sie sind kurzweilig, und Jessica Alba ist eine Augenweide.
Die Fahrradszenen sind zwar eher Kulisse, doch es gibt auch schöne
Einlagen zu sehen. So zum Beispiel, wenn einer der Kuriere ein paar
Trial-Tricks aufs Parkett legt.
«DARK ANGEL» – DIE DVDs
Season 1 und 2 als Box-Sets (43 Episoden)
Regisseure:
James Cameron, Stephen Williams, Kenneth Biller, D.J. Caruso, David
Nutter, David Jackson, James A. Contner, Paul Shapiro, Sarah Pia
Anderson, Jefery Levy, Jeff Woolnough, Terrence O’Hara. USA 2000–2002.
Darsteller: John
Savage, Lawrence Pressman, Jessica Alba, Jamie Bell, Martin Cummins,
Kevin Durand, J.C. MacKenzie, Ashley Scott, Valarie Rae Miller, Jensen
Ackles, ReyPhillip Santos, Alex Zahara, Kris Pope, Philip MacHale,
Michael Weatherly, Alimi Ballard, Stephen Lee, Jennifer Blanc, Richard
Gunn, William Gregory Lee.
Idee: James Cameron, Charles H. Eglee.
Produktion: Cameron/Eglee Productions und
20th Century Fox Television.
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch.
Special Features: 1.
Box: Interviews mit James Cameron, Charles Eglee, Jessica Alba, Michael
Weatherly und John Savage, Video-Game-Trailer, 24-seitiges Booklet.
2. Box: Featurette – Seattle Ain’t What It Used To Be, Trailer.
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