Spezial

Was tun, wenns uns friert?

Wenn das Thermometer sinkt, drohen einem Kuhnagel und Co. den Spass am Velofahren und Draussensein zu verderben. Kennt man die verschiedenen möglichen Quellen für das Frieren, lässt sich den tiefen Temperaturen leicht ein Schnippchen schlagen. Urs Rosenbaum (Text), Eric Huber/Veloplus (Fotos)

 Eisig, frostig, kühl und kalt. Nicht umsonst nutzt die Sprache dieselben Worte für tiefe Temperaturen wie für distanzierte Zwischenmenschlichkeit. Beides wird als ähnlich unangenehm wahrgenommen. Doch während der Mensch die Möglichkeit hat, die Frostigkeit im Kontakt direkt zu beeinflussen, ist er der meteorologischen Kälte mehr oder weniger ausgeliefert. Hier hilft nur ein wirkungsvoller Schutz. Mit dicken Socken und Handschuhen ist es aber in der Regel nicht getan. Ein langfristig erfolgreicher Kampf gegen Kuhnagel und Co. ist nur möglich, wenn man sich bewusst wird, wann man friert und weshalb. Erst wenn das geklärt ist, lässt sich auch die passende Ausrüstung gegen die Kälte finden.
Jeder Mensch beginnt zu frieren, wenn die Aussentemperatur zu stark von der körpereigenen Wärme abweicht. Von Person zu Person unterschiedlich ist hingegen die Frage, wie rasch sich das Fröstelgefühl einstellt. Bei der individuellen Kältesensibiliät spielt das Geschlecht eine geringere Rolle als landläufig angenommen. «Aus der Praxis lässt sich nicht generell bestätigen, dass Frauen früher frieren als Männer», schätzt Remo Bischof, Experte bei Jugend und Sport im Bereich Winter-Trekking, die Temperaturempfindlichkeit der Geschlechter ein. Es gibt eben auch Männer, die sensibel auf Kälte reagieren. Bischof rät, diese Empfindungen in jedem Fall ernst zu nehmen. Als Schweizer MittellandbewohnerIn muss man nicht gleich wie die SportalpinistInnen den Tod durch Unterkühlung fürchten, aber bereits eine Erkältung, die sich vermeiden lässt, ist Grund genug, sich gegen die Kälte zu schützen.
Wenn es uns fröstelt, hat das immer dieselbe Ursache: Der Körper verliert mehr Wärme, als er im Moment  produzieren kann. Weil der Organismus zuerst den Rumpf und den Kopf mit all den überlebenswichtigen Organen mit Wärme versorgt, frieren wir zuerst an den Extremitäten. Kalte Hände und Füsse sind also nicht in erster Linie ein Zeichen dafür, dass sie selbst besser eingepackt werden müssen, sondern dass der Körper als Ganzes zu viel Wärme verliert. Dies geschieht, weil entweder nicht genügend Wärme produziert werden kann oder zu viel von ihr abfliesst. Ersteres kommt vor allem vor, wenn der Körper nicht voll leistungsfähig ist. Solche Leistungsbremser sind z.B. Unterzuckerung, Erschöpfung sowie Alkohol oder Nikotin. Diese Ursachen fürs Frieren lassen sich mit etwas Voraussicht und einem angepassten Verhalten leicht bekämpfen.

Der Körper kennt kein Celsius
Mit Weitsicht lässt sich auch verhindern, dass der Körper nicht zu viel Wärme verliert. Isoliert man sich selbst gegen die Kälte, bewirkt die Regel «viel bringt viel» oft das Gegenteil. Wer zu warm angezogen ist, kommt so oft erst recht ins Frösteln. Schweiss, der nicht gut vom Körper weggeleitet wird, führt zu einem Nässegefühl. Feuchtigkeit auf der Haut, egal ob Schweiss oder Regen, entzieht dem Körper viel mehr Wärme als Luft, da Wasser die Temperaturen um ein Mehrfaches stärker leitet als Luft. Um nicht zu warm angezogen zu sein, empfiehlt Remo Bischof die Faustregel, wonach man sich bei körperlichen Aktivitäten in der Kälte etwa so warm anziehen soll, als betrüge die Temperatur zehn Grad Celsius mehr. Ein weiterer grosser Wärmeräuber ist der Wind. Er sorgt dafür, dass die aufgewärmte Luft nahe am Körper ständig durch kalte Umgebungsluft ausgetauscht wird. Je stärker der Wind bläst, desto stärker wirkt sich dieser sogenannte «Windchill»-Effekt aus. Ein Wind von 60 km/h bei einer Thermometer-Temperatur um den Gefrierpunkt fühlt sich am Körper beispielsweise etwa gleich an wie minus zwanzig Grad Celsius bei Windstille.
Mit der passenden Kleidung kann man sich gut gegen solche Wärmeverluste schützen. Das Zwiebelprinzip mit einer feuchtigkeitswegführenden Schicht direkt am Körper, einer isolierenden Schicht darüber und einer Aussenschicht als Wind- und Wasserschutz hat sich am besten bewährt. Je nach Temperatur, Witterung und Aktivität steigt oder sinkt die Bedeutung der einzelnen Schichtfunktionen. Es empfiehlt sich, ein besonderes Augenmerk auf den Kopf und den Hals zu werfen. Über diese Körperteile verliert der Mensch bis zur Hälfte seiner Wärme; hier zeigt eine Isolierung mit einer Mütze und Schal besonders grosse Wirkung.
Wer – so vorbereitet – den Körper warm halten kann, behält auch eher ein angenehmes Gemütsklima. Dieses dient wiederum den sozialen Kontakten in der Gruppe bei Outdoor-Aktivitäten, und so schliesst sich der Kreis um die Ähnlichkeiten von meteorologischer und zwischenmenschlicher Temperatur wieder.

Gut eingepackt und ausgerüstet

Wenn die kühle Jahreszeit naht, ist dies noch lang kein Grund, das Velo in den Keller zu stellen.
Dank immer besserer Ausrüstung steht einem komfortablen Ganzjahresradeln nichts mehr im Wege. Ob in der Stadt oder für Touren. Wir stellen einige ausgewählte Produkte vor.

Image
1| Allzeit-Helm
Bell hat entdeckt, dass Stadtvelopiloten nicht nur bei Sonnenschein unterwegs sind, und mit einem eigens für sie entwickelten Helm darauf reagiert. Zubehör wie atmungsaktiver Regenüberzug, direkt ansteckbares Batterielicht und Rückspiegel für das Helmvisier machen den Metropolis zu einem bedürfnisgerechten Sicherheitsaccessoire für Alltagsfahrer. Technisch ist der Helm auf dem neusten Stand der Entwicklungen in Sachen Lüftung und Sicherheit. Der Metropolis und das passende Zubehör sind einzeln oder im kostensparenden Set erhältlich. Drei Grössen stehen in je drei Farben zur Auswahl
Preis: ab 160 Franken
www.chrissports.ch
Image
2| Anti-Windkanal
Über den Hals und den Kopf verliert der Mensch am meisten Körperwärme. Einen vielseitigen Kälteschutz für diese Körperteile bieten die Schlauchtücher von Buff, die sich sowohl als Schal, Mütze oder Gesichtstuch verwenden lassen. Das Modell Cyclone Buff ist mit einer atmungsaktiven Windstopper-Membran ausgestattet, welche die auskühlende Zugluft vom Körper fernhält. Der Überstoff besteht aus Microfasertuch und ist ohne scheuernde Nähte gefertigt. Das Cyclone Buff ist in verschiedenen Mustern erhältlich.
Preis: 54 Franken
www.contactbuff.ch
Image
3| Wetterfester Komforttreter
Für Velofahrer, die bei jedem Wetter in die Klickpedale treten wollen, bietet Shimano mit dem SH-MT90 einen widerstandsfähigen Tourenschuh an. Anders als bei den meisten Veloschuhen für Systempedale ist die Sohle gegen das Fussbett komplett abgeschlossen. So kann über den Cleat keine Kälte an die Füsse dringen, und Feuchtigkeit hat keine Chance, einzudringen. Unter dem Nubukleder-Überzug schützt eine Goretex-Membran bis über die Knöchel gegen eindringendes Wasser und sorgt für ein angenehmes Tragklima. Dank der stossdämpfenden Vibram-Sohle eignet sich der Schuh auch für längere Ausflüge zu Fuss.
Preis: 279 Franken
www.shimano.com
Image
4| Energiesparend Liegen
Wer auf dem Boden schläft, verliert mehr Wärme durch die Kälte des Untergrunds als durch die Abstrahlung gegen den Himmel. Eine gute Isolationsmatte ist deshalb geradeso wichtig wie ein warmer Schlafsack. Die Synmat 7 von Exped bietet einen beinahe doppelt so hohen Isolationswert wie herkömmliche aufblasbare Schaummatten. Dank sorgfältiger Verarbeitung bleibt die Matte lange prall gefüllt und über Jahre voll funktionsfähig. Dafür wurde sie heuer mit dem silbernen Outdoor Industry Award ausgezeichnet.
Preis: 149 Franken
www.exped.ch
Image
5| Stylische Beinkleider
Wer den ganzen Tag auf den Beinen ist, schätzt gut sitzende Kleidung in bewegungsangepassten Schnitten. Die Outdoor-Spezialisten von Arc’Teryx haben für Damen und Herren funktionale und modische Hosen für unterwegs entwickelt. Für Frauen gibt es die Palisade Pant mit integriertem Gürtel, die aus schnell trocknendem Kunstfasermaterial gefertigt ist. Das strapazierfähige Material ist elastisch und atmungsaktiv. Die Männerhose Alibi Pant sieht aus wie eine modische Jeans, ist aber dank einem Mix aus Kunst- und Baumwollfasern perfekt für die Freizeit unter dem offenen Himmelszeit geeignet.
Preis: 169 Franken (Palisade Pant), 139 Franken (Alibi Pant)
www.transa.ch
Image
6| Wärme auf Knopfdruck
Wenn man bereits friert, hilft eine externe Wärmequelle, die verlorene Körpertemperatur wieder zurückzubringen. Praktisch sind die mehrfach verwendbaren Wärmebeutel Magic Heat. Wenn man ein schwimmendes Metallplättchen im Beutel durchdrückt, kristallisiert die Flüssigkeit und gibt dabei für rund eine Stunde wohlige Wärme ab. Um den Beutel wieder mit Wärme zu «laden», muss er einfach für rund zehn Minuten ins kochende Wasser gelegt werden. Magic Heat lässt sich so mehrere hundert Male verwenden.
Preis: 12.50 Franken
www.veloplus.ch
Image
7| edler Schwede
Haglöfs kommt aus Schweden, und neue Jacken der Outdoor-Schneider müssen erst einmal den Härtetest im skandinavischen Wetter bestehen. Die Telis ist eine Mischung aus Rolls-Royce in Sachen Tragkomfort und Schweizer Armeetaschenmesser punkto Einsetzbarkeit. Ihre Reissverschlüsse sind laminiert, damit Wind und Wasser nicht eindringen können. Dank verlängertem Rücken hält die Telis auch auf dem Velo die Nieren warm und trocken. Rucksackträger schätzen die nahtlose und damit scheuerfreie Schulterpartie der Jacke, Helmträger die abnehmbare Kapuze. Mit gerade mal 560 Gramm ist die wasserfeste Allwetterjacke ein Leichtgewicht.
Preis: 599 Franken
www.transa.ch
Image
8| Heisse Getränke
Wer im Winter mit dem Velo unterwegs ist, kennt es: Man friert und sehnt sich nach einem wärmenden Getränk. Dieser Wunsch lässt sich nun stilvoll erfüllen. Die elegante Metro Mug von Sigg passt genau in den Bidonhalter am Velo  (Durchmesser des Bodens: 6 cm). Sie hat eine handliche Form, ist aus  hochwertigem Edelstahl gefertigt und fasst 380 ml Flüssigkeit. Ideal für unterwegs – und wer keinen Bidonhalter hat, verstaut die Flasche einfach im Rucksack.
Preis: 30 Franken (erhältlich in Silber und Dunkelblau)
www.sigg.ch
Abo
Kein Flash-Player installiert.

Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
© 2011 velojournalImpressum