
Die Statistik des Schweizer Branchenverbandes Velosuisse zeigt es:
Mit 277000 verkauften neuen Velos (ohne Kinderräder) blieb der
Schweizer Markt im Jahr 2005 ziemlich stabil. Die Verkaufszahlen liegen
nur 2000 Stück unter denen des Vorjahrs. Bei den Preisen gab es
grössere Ausschläge: Der Fachhandel verzeichnete bei teuren Bikes über
2000 Franken ein Plus von 23 Prozent, die Grossverteiler legten im
Segment unter 1000 Franken um 30 Prozent zu.
Mit 135000 verkauften
Mountainbikes machten diese Modelle auch 2005 den grössten Anteil am
Kuchen aus. Citybikes, ausgerüstet mit Lichtanlage, Kettenschutz und
Gepäckträger, liegen deutlich zurück. Der Grund: Viele Mountainbikes,
die zwar oft auch nur in der Stadt gefahren und deshalb nachträglich
mindestens mit Schutzblechen bestückt werden, werden in der Statistik
aufgrund ihres optisch-technischen Profils noch immer zu den Mounties
gezählt.
Dass das Mountainbike zunehmend als echtes Fitnessgerät
eingesetzt wird, beweist die Tatsache, dass das Segment der
hochwertigen MTBs über 2000 Franken um fast ein Viertel zulegen konnte,
nach dem Motto: Gute Qualität sorgt für mehr Fahrspass, und
gesteigerter Fahrspass bringt wiederum mehr Fitness!
Grossverteiler holen auf
Ein
weiterer Indikator für die zunehmende Fitnesslust sind die steigenden
Verkaufszahlen von Rennvelos. Vor allem die Tatsache, dass viele
ambitionierte MountainbikerInnen als Alternative das Rennvelo
entdecken, sorgte für einen Zuwachs von fast 20 Prozent: 14 000 Flitzer
wurden letztes Jahr verkauft. Vom guten Absatz hochwertiger Renner und
Mountainbikes profitiert natürlich der Fachhandel. Dieser Kanal konnte
seine starke Stellung halten: Mit 72 Prozent Anteil am Gesamtmarkt hält
der Schweizer Fachhandel neben jenem in Holland international immer
noch eine einsam hohe Position. Eine dichte regionale Abdeckung mit
noch rund tausend Geschäften und eine treue Kundschaft, die bereit ist,
für gute Produkte und Dienstleistungen etwas tiefer in die Tasche zu
greifen, ermöglichten dieses Ergebnis. Dafür stellen Schweizer
KonsumentInnen punkto Beratung, Design und Service höhere Ansprüche als
der durchschnittliche Kunde in den umliegenden Staaten.
Im
Preisbereich unter 1000 Franken zieht die Kundschaft die bekannten
Grossverteiler den qualitativ minderwertigen Billigstangeboten von
reinen Discountern oder Rampenverkäufern vor; Migros, Coop und Ochsner
konnten ihren Marktanteil in diesem Preisbereich um ganze 30 Prozent
ausbauen, gemäss Interpretation von Velosuisse auf Kosten der
Billigstanbieter. Migros hatte letztes Jahr mit dem M-Budget-Bike einen
überaus erfolgreichen Versuchsballon gestartet. Nachdem sich die
ursprünglich auf 777 Stück limitierte Startauflage mitten im Winter wie
frische Weggli verkauft hatte, wurde das knallgrüne Kultbike für 299
Franken inzwischen fest ins Sortiment aufgenommen (ergänzt um ein
Kindermodell für 199 Franken). Allerdings gilt es den Erfolg der
Grossverteiler zu relativieren: Dem Zuwachs bei den Mountainbikes
standen Minderverkäufe in andern Kategorien wie Cross oder Jugend
gegenüber, so dass ihre Verkaufsposition mit 77000 Velos gesamthaft
unverändert blieb. Dieses Resultat erzielten die Grossverteiler
praktisch ausschliesslich mit Eigenmarken. Die sind zwar sehr gut
eingeführt, doch der Lieferboykott der Markenhersteller geht nicht
spurlos an den Grossverteilern vorbei. Inzwischen verdichten sich die
Anzeichen, dass dieser «Anachronismus» im Sportfachhandel in absehbarer
Zeit auch in der Schweiz verschwinden dürfte. Im Zubehörbereich bieten
die Grossverteiler ja bereits erfolgreich bekannte Fremdmarken an. Wenn
es einmal so weit kommt, dürften die lange Zeit kaum veränderten
Absatzzahlen der wichtigsten Anbieter endlich wieder in Bewegung
geraten.
«Unscharfe» Verbandszahlen
So
schön und aufgeschlüsselt die Zahlen von Velosuisse auch präsentiert
werden, so irritierend ist doch ein Schönheitsfehler, der sie
begleitet: Die Zahlen weichen nämlich erheblich von der offiziellen
Zollstatistik ab. Diese weist eine Inlandanlieferung von 374000 Velos
aus. Davon sind rund 50000 Kindervelos. Rund 15000 Velos werden
«privat» eingeführt (zum Beispiel von Internet-Käufern). In der Schweiz
selbst werden 40000 Velos montiert – und zum grössten Teil auch hier
verkauft. Diese Rechnung ergibt ein Total von 349000 Velos – rund 70000
Einheiten, die in der Aufstellung des Verbandes Velosuisse nicht
auftauchen.
Einen Unsicherheitsfaktor stellen die mehreren Dutzend
kleinsten bis mittleren Fahrradlieferanten dar, die nicht Mitglieder
des Verbands sind und deshalb keine Zahlen abliefern, sondern
eingeschätzt werden. Branchenkenner mutmassen freilich, dass die
grösste Unterschätzung bei den Billigkanälen wie Conforama, Jumbo,
Otto’s und Auktion Z geschieht, die im Gegensatz zu den Grossverteilern
Migros, Coop und Ochsner keine Zahlen melden.