Film

Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund

«E. T. – Der Ausserirdische» gilt als einer der erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten. In Steven Spielbergs Klassiker aus dem Jahr 1982 treffen wir auf schöne Fahrradszenen, einen niedlichen Verschrumpelten und grosse Gefühle. Ein Rückblick auf ein wegweisendes Werk. Bruno Angeli
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Auf der Flucht: Elliott, seine Freunde und E.T. kämpfen mit BMX-Velos gegen Bundesagenten.
Foto (c) 2004 Universal Studios. All Rights Reserved.
«Nach Hause telefonieren» – das Zitat, gehört zu den berühmtesten der Filmgeschichte. Ein kleines, schrumpeliges Wesen mit teleskopartigem Hals löste vor bald 24 Jahren einen gewaltigen Wirbel aus. Die E.T.-Manie breitete sich damals rasend schnell aus. Überall sah man Puppen und Produkte mit dem E.T.-Sujet. MCA/Universal soll mehr als 200 Lizenzen für Merchandising vergeben haben. Die Kasse klingelte permanent, und der Film verbreitete nicht nur beim Publikum gute Laune. «E.T.» spielte bis heute über 700 Millionen US-Dollar ein. Dies bei Produktionskosten von 10,3 Millionen. Dazu heimste er diverse Auszeichnungen ein, wenngleich ihm der Oscar versagt blieb.
Regisseur Steven Spielberg hatte die Idee zu «E.T.» während der Dreharbeiten zu «Jäger des verlorenen Schatzes». Irgendwo in der tunesischen Wüste sitzend, ist ihm das Konzept für den Film durch den Kopf geschossen. Er gab Melissa Mathison den Auftrag, das Drehbuch zu verfassen. Die Idee eines friedlichen Aliens führt Spielberg auf eine Ansicht seines Vaters zurück. Der Sciencefiction-Liebhaber gab dem Sohn die Theorie mit, dass die Aliens nicht aggressiv seien: «Sie reisen, um ihr Wissen mit anderen Spezies zu teilen. Wenn es etwas da draussen gibt, dann ist es nicht böse», habe der Vater Steven Spielberg erzählt.

Ein Ausserirdischer im Körbchen
Spielberg erzählt denn auch die Geschichte eines friedfertigen Forschers aus einem anderen Sonnensystem. Dieser verpasst seinen Rückflug und strandet auf der Erde. Das Wesen versteckt sich in einem Geräteschuppen. Elliott, ein zehnjähriger Junge, begegnet dem kleinen Ausserirdischen und versteckt ihn nach anfänglichem Unbehagen in der Wohnung. Elliotts Geschwister werden eingeweiht, und das nach menschlichem Massstab gesehen nicht sehr attraktive Wesen schliesst mit Elliott eine innige Freundschaft. E.T. lernt die Sprache seiner Gastfamilie und kommt mit der neuen Umgebung schnell zurecht. Nach einer Weile aber plagt E.T. das Heimweh. Er bastelt sich ein Funkgerät, um nach Hause zu telefonieren. Doch die Nasa ist ihm auf der Spur. Bald wird Elliotts Haus von Agenten und Forschern besetzt. Das fremde Wesen soll der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden. Elliott verstaut E.T. in einem Fahrradkorb und flieht, begleitet von seinen Freunden. Auf ihren BMX-Rädern preschen die Kids in Richtung Landeplatz los, denn dort soll E.T. von seinen Raumfahrtkollegen abgeholt werden. Agenten kommen Elliott und seinen Freunden immer näher. Auf einmal heben die Fahrräder vom Boden ab. Sie entfliegen – dank der magischen Kräfte von E.T. – den Verfolgern.
Diese Flugszene hat etliche Regiekollegen beeindruckt. Spielberg soll den Streifen vor dem Kinostart George Lucas gezeigt haben. Als die Szene der fliegenden Velos kam, soll Lucas zu Spielberg gesagt haben: «Okay, du kannst für eine Weile die Nummer eins sein.» Spielberg hakte nach, da er es genauer wissen wollte, und Lucas soll präzisiert haben: «E.T. wird der grösste Kinoerfolg aller Zeiten werden. Er wird Star Wars schlagen.» Lucas hat – beinahe – Recht behalten. Je nach Quelle wird «E.T.» als vierterfolgreichster Film aller Zeiten gewertet. «Star Wars» liegt auf Platz drei, «Der Weisse Hai» auf dem zweiten und «Vom Winde verweht» auf dem ersten Platz der All-Time-Liste. Erfolgreich war auch der Relaunch anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums.

Restaurierung zum Jubiläum
Mit der digitalen Renovation wurde in der Neuauflage selbst der «Besucher aus dem All» in vielen Szenen mit einem Digital-Double aufgebessert. Eine bemerkenswerte Änderung betrifft die Verfolgungsszene. Die Agenten wurden neu mit Funkgeräten ausgestattet. In der Originalfassung hatten diese noch Schusswaffen in den Händen!
Die Szene, in der Elliott und E.T. mit dem BMX-Rad vor dem Vollmond vorbeifliegen, ist ins kollektive Bewusstsein eingesickert. Spielberg war sich im Klaren darüber, dass er damit eine filmische Ikone geschaffen hatte. Das Sujet wurde denn auch zum Firmensignet von Amblin Entertainment.
Über die Deutungen des Films kann man geteilter Meinung sein. Interessant ist die Meinung von Pop-Pabst Diedrich Diedrichsen, die anlässlich der Wiederaufführung in der «Zeit» erschien: «Ein Amerika, das Aliens wie Minderheiten mit allerlei Projektionen überzieht und instrumentalisiert, ist natürlich immer noch angenehmer als eines, das gegen fremde Planeten zu Felde zieht und dort diverse dunkle Ritter bekämpft. Insofern ist «E.T.» allen Star-Wars-Episoden vorzuziehen. Aber gegen die hat er visuell keine Chance».

«E.T. DER AUSSERIRDISCHE – SPECIAL EDITION» – DIE DVD

Originaltitel: E.T. The Extra-Terrestrial – The 20th Anniversary. USA, 1982.
Regie: Steven Spielberg.
Mit: Peter Coyote, Drew Barrymore, C. Thomas Howell, Henry Thomas, Dee Wallace-Stone.
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch.
Special Features: Hauptfilm; überarbeitete Version von 2002; Soundtrack, Making-of.


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