Dr. V. Love

Dr. V. Love

Der Mann, der Veloketten durchschaut

Sehr geehrter Dr. V. Love
Nie dachte ich, dass ich mich einmal an einen Berater wenden muss. Das ist mir noch nie passiert, seit ich mein Velogeschäft führe, und das sind nun doch schon 36 Jahre. Jetzt habe ich aber gelesen, dass das überarbeitete Schweizer Waffengesetz Veloketten als Waffen betrachtet. Ich bin verwirrt. Muss ich nun bei meinen Kunden den Waffenschein prüfen, bevor ich einen grossen Service am Velo machen darf? Werden sich meine Nachbarn abwenden, weil ja niemand gerne mit einem Waffendealer Kontakt hat? Werde ich in Zukunft mit Waffenschieberei und organisiertem Verbrechen in Verbindung gebracht?
Sehr besorgt
Oskar P. aus W.

Lieber Herr Prasdnik
Das revidierte Waffengesetz richtet sich nicht gegen Radfahrer oder Velohändler. Sie können unbesorgt sein. Das Waffengesetz hat Veloketten vielmehr in die Kategorie der «smart weapons» eingeordnet, weil diese ihre eigene Intelligenz entwickelt haben. Wie dies passieren konnte, ist noch nicht restlos geklärt. Klar ist hingegen, dass Ketten die Fahrräder umgarnen und für die Idee der Weltrevolution gewonnen haben. Das Justizministerium beobachtete mehrere geheime Treffen von tausenden von Veloketten und mitgebrachten Fahrrädern und hat Fichen der Rädelsführer angelegt. Laut Auskünften von V-Männern sollen die Stahlesel und Ketten die Nase voll davon haben, immer nur Diener der Menschheit zu sein.
Blocher greift jetzt durch. Zusammenrottungen von Veloketten werden verboten, verbleibende Bestände eingeschmolzen. Dies muss alles still und unauffällig geschehen, denn es ist unklar, ob sich die Automobile – oder am Ende sogar die Kleinwaffen – mit ihren stählernen Kollegen solidarisieren würden. Niemand weiss, wie gegen 324484 rebellierende Sturmgewehre aus Schweizer Kellern vorzugehen wäre.
Das revidierte Waffengesetz sieht aus diesem Grund auch nicht vor, strenger gegen Kleinwaffen vorzugehen. Diese hätten nämlich wirklich Grund, sich der stählernen Revolution anzuschliessen. Sie sind aufs Töten abgerichtet und verrichten so die wahre Drecksarbeit für die Menschheit. Deshalb kann ich nur dafür plädieren, sie mit grösstem Respekt zu behandeln.

Ihr Dr. V. Love

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