
Das Postauto feiert sein hundertjähriges Jubliäum: gelb wie eh und
je, erfolgreich wie nie zuvor. Was 1906 mit einer Linie begann, ist
heute ein nationales Transportunternehmen mit knapp achthundert
Verbindungen und jährlich über hundert Millionen Fahrgästen. Das
Postauto steht für Zuverlässigkeit, die gelbe Farbe und den
Tü-Ta-Do-Dreiklang. Weniger bekannt, aber nicht minder interessant ist
die Tatsache, dass es beim Postauto auch ein Konzept zur Velomitnahme
gibt.
Grundsätzlich ist der Velotransport im Postauto möglich,
Voraussetzung ist allerdings, dass genügend Platz vorhanden ist und die
übrigen Reisenden nicht gestört werden. Spontane Umsteiger riskieren
daher, dass sie dann doch nicht vom Sattel in den Polstersitz wechseln
können. Aber auch wenn das Velo Platz findet, ist beim ungeplanten
Wechsel der schadlose Transport noch nicht garantiert. In den meisten
Postautos haben Velos nur im Gepäckraum unter der Fahrgastkabine Platz.
Eine Sicherung der liegenden Velos mit Spannriemen ist nicht
vorgesehen. Während der Fahrt kann das Velo daher unkontrolliert durch
den Gepäckraum rutschen, was im Lack und an Teilen Spuren hinterlassen
kann. Für solche Schäden lehnen die Postautobetriebe die Haftung ab –
mit dem Verweis, dass für sämtliches Gepäck die Haftung ausgeschlossen
wird.
Flexibel transportieren
Richard
Pfister, Mediensprecher der Schweizerischen Post, empfiehlt
Velofahrenden, immer einen Platz fürs Velo im Bus zu reservieren: «Auf
vielen Linien sind an den Postautos Heckträger für Velos montiert»,
weiss er. Und in der Regel könnten sich die Linien auf den
Velotransport vorbereiten, wenn diese 24 Stunden im Voraus angemeldet
werden. Diesen Service lässt sich Postauto Schweiz bezahlen: Die
Reservation ist zwar gratis, doch das Ticket kostet mindestens sechs
Franken pro Fahrt und Velo. Ermässigungen gibt es keine, denn anders
als im Personentransport fehlt für den Velotransport eine
Tarifvereinbarung mit den SBB. Velotageskarten und Velo-GA sind im
Postauto deshalb nicht gültig. Für den Velotransport in einer
Velo-Gepäcktasche gibts im Postauto keine einheitlichen Regeln.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass es im Ermessen der
Buschauffeure liegt, die verpackten Velos als kostenlose Gepäckstücke
zu akzeptieren.
Wo Nachfrage besteht – hauptsächlich in
touristischen Gebieten – kommt die Post den VelofahrerInnen entgegen.
In den Bündner Alpen oder im Berner Oberland sind an zahlreichen Bussen
Heckträger montiert. Sehr gut ist das Angebot auch auf den Buslinien
entlang der Veloland-Routen. Im Toggenburg beispielsweise fährt die
Post mit speziellen Anhängern für den Velotransport. Wegen der grossen
Nachfrage ist entlang der nationalen Radwanderwege die Reservation
eines Veloplatzes im Bus aber obligatorisch. Diese Angebote zeigen,
dass die Post an VelofahrerInnen interessiert ist. Die Kosten für den
Mehraufwand müssen aber gedeckt werden können, und anderen KundInnen
darf daraus kein Nachteil entstehen. Ist dies der Fall, reagiert das
hundertjährige Transportunternehmen flexibel und entgegenkommend.