Spezial

Wolle – ein Werkstoff mit Zukunft

Wer Wollenes trug, war lange Zeit out. Die selbst gestrickten Socken wurden nur heimlich getragen, dazu bekannt hat sich nie jemand. Doch nun wird die Wolle neu entdeckt und zu trendig-tragbarer Kleidung verarbeitet. Denn: Wolle ist längst nicht mehr kratzend oder unangenehm. Béatrice Gaudenzi

In der Modebranche hat die Wolle, vor allem in feiner Qualität, schon lange ihre Existenzberechtigung. Geschmeidiges Cashmere, ultraleichte Merinowolle, aber auch feinmaschige Lambswool fanden und finden in verschiedenen Ausführungen ihre Kundinnen und Kunden – seit ewigen Zeiten. Wer die feine Wolle kennt, schwört auf diese kuscheligen Fasern und lässt sich davon nicht abbringen.

Alternative zur Synthetikfaser
Auch die Freizeit-Bekleidungsbranche hat mit diesem Material Erfahrung, doch die technisch hoch entwickelten synthetischen Fasern fanden in den letzten Jahren mehr Anklang. Wie diese Entwicklung weiter verläuft, bleibt spannend. Das Thema Natur- versus Synthetikfaser wird uns jedenfalls weiter beschäftigen. Die Sportbekleidungsbranche liefert sich nach wie vor ein regelrechtes Wettrennen um beste Beschichtung und Tauglichkeit der Kleidungsstücke. Softshells zum Beispiel sind weiterhin häufig im Gespräch und bei praktisch allen Marken zu sehen. Das ist verständlich, denn diese Membran deckt drei Viertel der Funktionen vollständig ab. Man spart damit eine oder mehrere Schichten, was bedeutet, dass man weniger Gewicht auf dem Körper trägt. Trotzdem hat sich auch die Wolle inzwischen ihren festen Platz auch in der Sportbekleidung erobert, und innovative Anwendungen haben zu eleganten und trendigen Kleidungsstücken geführt. Marken wie Icebreaker oder Smartwool setzen Zeichen, die in der übrigen Branche bestimmt bemerkt werden.
Sollen wir uns jetzt alle in Wolle hüllen? Die
Vielfalt der Materialien und der erhältlichen Kleidungsstücke liesse dies eigentlich zu. Denn Tatsache ist, dass sich Wolle in raffinierter Verarbeitung der eigenen Körpertemperatur ohne Einschränkungen anpasst – auch im Sommer. Dies erhöht den Tragekomfort und ist angenehm. Inzwischen sind Oberteile in allen Schichten und lange Unterhosen in feiner Wolle genau so leicht wie atmungsaktive Teile aus Kunstfasern. Kommt hinzu, dass die Kleidungsstücke aus Naturfasern nicht so geruchsempflindlich sind. Mit anderen Worten: Die Gefahr, dass man nach einem sportlichen Einsatz übel riecht, verringert sich mit wollenen Bekleidungsstücken merklich.

Natur hat ihren Preis
Für fein verarbeitete Naturmaterialien zahlt man mehr. Das ist eine Tatsache, die den Kaufentscheid beeinflussen kann. Doch wer kauft sich ein Kleidungsstück, das zwar lange hält, den nächsten Trend aber nicht überlebt? Diese Überlegung beschäftigt die Hersteller und Weiterverarbeiter von kostbarer Wolle und Baumwolle. Vielleicht entscheiden wir uns als KonsumentInnen primär fürs Wohlgefühl und damit für ein Stück, das wir lange tragen können und das deswegen «im Trend» bleibt.
Ihren Platz hat die Wolle im Freizeit-Bekleidungsbereich auch, wenns um den fairen Handel geht. Dazu haben sich inzwischen einige Marken bekannt. Dieser Fair Trade basiert auf einem ökologisch-ökonomischen Fair Play und bedeutet, dass für die Woll- und Baumwollproduktion und
-Ernte gerechte Preise und Löhne bezahlt werden. Fair Trade bedeutet aber auch, dass die Rohstoffe vor Ort zu verschiedenen Exportprodukten verarbeitet werden, ebenfalls zu gerechten Löhnen.
Die Sportbekleidungs-Branche ist glücklich: Ein wunderbarer Winter hat ihr ausserordentlich gute Geschäfte beschert. Für die Sommermode hoffen wir auf gute Beratung in den Geschäften. Vielleicht entscheiden wir uns trotz bevorstehender Wärme dann für ein einmaliges Körpergefühl – für wohlig wollig.

WEBLINKS

Interessante Informationen zum Thema Fair Trade finden sich auf folgenden Websites:
www.cleanclothes.at (Hier lohnt sich ein Blick in das Aktionsbuch. Es enthält einen Shopping-Guide und listet verschiedene Marken auf, deren Engagement geprüft worden ist).
www.fairtrade.net, www.ethicaltrade.org

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