
Dem Radfahrer peitscht der Regen ins Gesicht. Trotzig kämpft er
gegen das missliche Wetter an. Plötzlich stoppen Regen und Wind. Ein
Mann steigt vom Hometrainer, öffnet die Glastüre und entledigt sich der
Regenbekleidung.
Wir befinden uns nicht unter freiem Himmel,
sondern in einem Fachgeschäft. Und bei der Anlage, welcher der
Testfahrer eben entstiegen ist, handelt es sich um das so genannte
«Monsun Labor». Es dient zum Testen wasserdichter Bekleidung und steht
fix installiert in Emmenbrücke, nahe Luzern. Hier hat VeloPlus Mitte
März sein neustes Ladenlokal eröffnet. Der Velozubehörspezialist führt
am jüngsten Standort mit sechs Mitarbeitenden 7000 Velo- und
Trekkingartikel. Seit der Gründung der Firma im Jahr 1987 durch Martin
Wunderli und Theo Weilenmann ist VeloPlus kontinuierlich gewachsen.
Selbst ist der Mechaniker
Die
Geschäftsphilosophie von VeloPlus ist so etwas wie ein «Sonderfall»: Es
gibt nicht viele Unternehmen, die ihr Firmen- und Ökoleitbild nicht nur
als Absichtserklärung verstehen, sondern auch glaubwürdig danach
handeln. Das oberste Ziel von VeloPlus, die Förderung von ökologisch
vertretbaren Verkehrsmitteln, ist dabei offensichtlich. Ein Blick auf
die Produktepalette genügt hier. «Die Schaffung von menschenwürdigen
Arbeitsplätzen unter sozial fortschrittlichen Bedingungen» haben sich
die Inhaber zum Motto gemacht. Hinter den Verkaufsräumen finden sich
beispielsweise Duschen für die MitarbeiterInnen. Damit fährt es sich
mit dem Fahrrad auch sportlich rasant zur Arbeit – und die Spuren
verschwinden danach unter entspannenden Wasserstrahlen.
Wunderli
und Weilenmann sind aber in erster Linie Geschäftsleute. Wer vierzig
Menschen beschäftig, müsse «gewinnorientiert Denken und Handeln» und
die «Marktnähe durch permanente Trendanpassung» erreichen, wie es im
Leitbild heisst. Letzteres scheint ihnen nicht schwer zu fallen.
VeloPlus ist bekannt für bestechende Ideen. In Emmenbrücke haben sich
Wunderli und Weilenmann neben bereits Bekanntem auch Neues einfallen
lassen. So lernen angehende Hobby-MechanikerInnen beim Technik-Parcours
im Selbststudium an sechs Stationen, wie man ein Rad zentriert oder
Ritzel und Kette auswechselt. Gleich daneben findet man die
Velowerkstatt. Die BesucherInnen können hier gratis und selbständig
ihre Velos in Ordnung bringen. Ein paar Schritte weiter finden sie die
grosse Sattelauslage, die von der Bedeutung dieser Produktesparte
zeugt.
Die beiden Firmengründer sehen den neuen Shop als
«Erlebniswelt». Hier kann man verweilen und ausprobieren. Es gibt
einiges zu entdecken, und nach so viel Technik und Produkten darf man
sich in der Sofaecke eine Pause gönnen. Man genehmigt sich einen Kaffee
und heckt gleich die nächste Velotour aus.