Kultur

Späte Ehre für den «Pédaleur de Charme»

Obwohl Hugo Koblet neben Ferdy Kübler der erfolgreichste Schweizer Radrennfahrer aller Zeiten war, gerät er allmählich in Vergessenheit. Er ist seit über vierzig Jahren tot und wäre dieses Jahr achtzig geworden. Jetzt ist eine Hommage in Buchform erschienen. Pascal Meisser
Die fünziger Jahre des Schweizer Radsports standen ganz im Zeichen von K und K: Auf der einen Seite Hugo Koblet, der eitle Beau, der sich mitunter noch kurz vor einer Zieldurchfahrt kämmte, um gepflegt auf den Siegerbildern zu erscheinen, auf der anderen Seite Ferdy Kübler, dessen Markenzeichen seine Adlernase war. Unvergessen sind die Duelle an der Tour de Suisse. Zusammen gewannen sie zwischen 1947 und 1955 fünf der neun Austragungen. Damit trugen sie hierzulande dazu bei, dass der Radsport eine später nie mehr erreichte Popularität erlangte. Während Ferdy Kübler noch heute ein Publikumsliebling ist, verschwand Hugo Koblet nach kurzer Zeit aus dem Gedächtnis der Sportinteressierten. Er starb 1964 an den Folgen eines bis heute nicht gänzlich geklärten Autounfalls – gewissermassen ein James Dean des Schweizer Radsports.
Heutzutage erinnert an Koblet nicht mehr viel: Einzig ein Stein am Rande der Radrennbahn Oerlikon trägt seinen Namen. Dabei handelt es sich aber nicht um einen offiziellen Gedenkstein. Es ist vielmehr das Grabmal von Koblets Mutter, unter dem auch Sohn Hugo seine letzte Ruhe fand. Koblet-Fans retteten diesen Grabstein nach der Auflösung des Grabs im Zürcher Friedhof Rehalp und überdeckten den Namen von Koblets Mutter mit einer Metallplatte. «Ob Hugo das gewollt hätte?», fragt Hanspeter Born im Vorwort des eben erschienenen Buchs «Hugo Koblet – Der Pédaleur de Charme».
Es ist kein Zufall, dass Koblet gerade dieses Jahr mit einem Buch die Ehre erwiesen wird. Der Zürcher, am 7. März 1925 geboren, wäre achtzig Jahre alt geworden. «Dies schien uns ein geeigneter Zeitpunkt für die Veröffentlichung dieses Werks zu sein», so Mitautor Martin Born, Radsport-Journalist beim «Tages-Anzeiger» zu velojournal. Die Idee sei schon lange in den Köpfen herumgegeistert.

Hugo Superstar

«Heutzutage ist es nicht mehr vielen bewusst, aber man muss sich vor Augen halten, dass Hugo Koblet in den fünfziger Jahren ein Superstar war. Und in Frankreich zählte er sogar zu den mythischen Figuren», weiss Martin Born. Interessant sei auch das Ansehen, das Koblet bei Freunden und sportlichen Gegnern genoss. Bei den Recherche-Arbeiten habe niemand auch nur ein schlechtes Wort über ihn verloren. Born, der in seiner Kindheit die Zeiten Koblets miterlebte, erstaunten diese einstimmigen Sympathiebekundungen.
Faszinierend sind die Geschichten um Koblet, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte und dank dem Radsport zu Geld und Vermögen kam. Er hatte stets den Ruf der Grosszügigkeit, während Kübler als der Sparsame galt. Es waren auch solche Gegensätze, die das «K und K»-Duo zu Spitzenleistungen anspornten und die Radsportfans in zwei Lager aufteilte, wie man dies heute vor allem vom Fussball her kennt.
Die Entstehung des Koblet-Buchs war für die Autoren auch eine Reise in Zeiten, als die Strassen noch nicht überall geteert waren und für den Sieg lediglich ein knappes Dutzend Fahrer in Frage kam, deren Namen in der breiten Öffentlichkeit bekannt waren. Gespräche mit Zeitzeugen haben viele Anekdoten und zeitgeschichtlich Interessantes ans Licht gebracht. Etwa die Geschichte, wie die Rennfahrer in der Nachkriegszeit Collés beschafften, die damals Mangelware waren. Ein Rennfahrer, der als Grenzwächter arbeitete, kannte die Schmuggelrouten. Gegen das Versprechen, dass die Schmuggler ihm das nächste Mal Schlauchreifen mitbringen müssten, liess er sie passieren. Tatsächlich gelangte er so in den Besitz der benötigten Collés, die er mit einem netten Gewinn an seine Rennfahrerkollegen weiterverkaufte. Viele weitere Berichte von Koblets Weggefährten runden das grosszügig bebilderte Buch ab.

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Das Buch

Peter Schnyder (Hrsg.), Martin Born, Hanspeter Born, Sepp Renggli. «Hugo Koblet – Der Pédaleur de Charme», AS-Verlag, 232 Seiten, 173 Abbildungen, 88 Franken.
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