Szene

Fahrräder als Entwicklungsprojekt

Im südafrikanischen Sambia bauen die Mitarbeiter eines von der Bethlehem Mission betriebenen landwirtschaftlichen Ausbildungs- und Beratungszentrums auch Velos und lösen damit ein wichtiges Problem: die Transporte zum Markt und zu den Schulen. Ueli und Anna Schäli Renggli
Im südlichen Afrika liegt auf 1200 Meter über Meer der Ort Mpima. Hier wird an einem kirchlichen Seminar Philosophie unterrichtet. Zur Schule gehört ein 680 Hektar grosser Landwirtschaftsbetrieb, der die Eigenversorgung sichert. Die Bevölkerung im und um den Ort kämpft mit den gleichen Problemen wie ganz Sambia: Armut, Aids, Hunger, Abwanderung guter Arbeitskräfte, Arbeitslosigkeit, Korruption, Verschuldung und mangelhafte Energieversorgung. Die Bildung steckt in der Krise, und die Landwirtschaft bietet kaum Anreize, über die Selbstversorgung hinaus zu produzieren. Vor allem Aids hat gesellschaftlich und wirtschaftlich verheerende Folgen – ein grosser Teil der aktiven Generation der 20- bis 40-Jährigen droht wegzusterben. Seit Jahrzehnten steht zudem rund um den Ort Mpima die Entwicklung still.

Velos lösen Transportprobleme

Um diesen Problemen zu begegnen, engagiert sich unter anderem die Bethlehem Mission Immensee mit einem Ausbildungs- und Beratungszentrum für Bauern und Bäuerinnen. Hier wird die Bevölkerung darin unterrichtet, ihre Ernährung zu verbessern und nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. In der ersten Phase wurde ein an die örtlichen Verhältnisse angepasster Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. Nun erfolgt die Vernetzung der Kleinbauern sowie die Ausbildung der SchülerInnen des Seminars zu Multiplikatoren.
Ein grosses Problem auf der Hochebene von Mpima ist der Transport. Die Staubpisten sind in schlechtem Zustand. gegen den während der Regenzeit nicht einmal der Vierradantrieb weiterhilft. Viele legen deshalb die Wege zum Markt oder in die Schule – oft mehr als zwanzig Kilometer – zu Fuss zurück. Und an den Mangobäumen verrotten die Früchte, weil sie nicht transportiert werden können. Zwar trifft man immer wieder voll beladene Velos an, aber meistens werden sie gerade repariert. Der Kauf eines Velos ist in Sambia ausserdem teuer, und die meist aus China importierten Vehikel sind von zweifelhafter Qualität. Sie kosten zwischen 250000 und 450000 Kwacha – bei einem Monatslohn eines Angestellten von etwa 150000 und dem eines Taglöhners von 80000 Kwacha.
Ein solch teuer gekauftes Velo brach auf der von der Bethlehem Mission betreuten Farm schon nach hundert Metern Testfahrt auseinander: Das Tretlager fiel samt Kugellager heraus, die Kette war überdehnt, und das Hinterrad hatte eine Acht. Gestützt auf diese Erfahrung bauen die Mitarbeiter der Farm nun selber Velos: Für den Rahmen und das Lagergehäuse werden Wasserleitungsrohre verwendet, die übrigen Teile werden auf dem Markt zugekauft. Samt einem kleinen Profit verkauft die Farm inzwischen ihre selbstgebauten Velos – für 400000 Kwacha. Und für den gleichen Preis gibt es auch einen robusten Veloanhänger. Ziel des Projekts ist es, dass ein junger Mechaniker bald einmal seine eigene Velowerkstatt eröffnen kann.

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Die Autoren

Ueli und Anna Schäli Renggli absolvieren zurzeit einen Landwirtschafts-Einsatz in Sambia. Im Landwirtschaftsbetrieb werden Velorahmen und Veloanhänger aus Wasserleitungen hergestellt, weil die Qualität der importierten China-Velos schlecht ist.  
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