Dr. V. Love

Dr. V. Love

Rat und Tat vom Freund und Helfer

Liebster Dr. V. Love
Kürzlich wurde ich Zeugin, wie Polizeibeamten auf der Quaibrücke in Zürich einen Autofahrer zur Kontrolle auf einen Velostreifen lotsten und dort Veloverkehr und Fussgänger behinderten. Ich bin klar der Meinung, dass es unfair ist, dem Langsamverkehr nun auch noch seine hart erkämpften Randgebiete streitig zu machen. Was ist zu tun?
Frau Ruth G., Zürich


Sehr geehrte Frau Grosjean
Das Eidgenössische Strassenverkehrsgesetz besagt in Artikel 43, Absatz 2: «Das Trottoir ist den Fussgängern, der Radweg den Radfahrern vorbehalten.» Gleichzeitig besagt Artikel 54, Absatz 54: «Befindet sich ein Fahrzeugführer in einem Zustand, der die sichere Führung ausschliesst (...), so verhindert die Polizei die Weiterfahrt.» Aber auch: «Der Fahrzeugführer hat jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenützern (...) zu unterlassen.»
So weit die Buchstaben des Gesetzes. Wie in vielen Fragen der grossen Politik sehen wir uns auch hier mit der Diskrepanz zwischen Sicherheit und Recht konfrontiert. Und die Polizei entscheidet sich einseitig für die Sicherheit des motorisierten Verkehrs. Ein Sprecher der Verkehrsabteilung der Stadtpolizei Zürich bestätigt dies: «In einem solchen Moment muss man eben sehen, dass man den Verkehr so wenig wie möglich gefährdet.» Er fügt hinzu, dass Autofahrende oft auch nervös werden, wenn die Polizei sie von hinten anhält. «Dann halten die halt an den dümmsten Orten.» Ausserdem habe sich noch nie ein Radfahrer beschwert.
Es ist vor allem dieser letzte Satz, der uns besorgten BürgerInnen zu denken geben sollte. Ich würde mich auch nicht beschweren, wenn mir zwei Autos den Weg versperrten, vor denen Uniformierte mit Pistolen neben einer nervös dreinblickenden, möglicherweise gemeingefährlichen Person stehen. Da fährt man «ruhig» weiter. Die Bürgerrechte, die von einer funktionierenden Verkehrs- und Gewaltentrennung abhängen, zählen da wenig. Es gilt das Recht des Stärkeren. Aber zum Glück sind Radfahrer wenigstens in der Lage, einen weiten Bogen um eine solche Situation zu machen. Diese Bögen sind zwar eleganter, eine gezielte Kollision aber interessanter. Entscheiden Sie.

Ihr Dr. V. Love
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