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Bonanzas Bike n’Board: Kicken und Treten

In Frick tüftelt Erhard Senn vom Velo- und Trottinett-Hersteller Bonanza an immer neuen Lösungen. Die jährlich gegen 1000 Touren-, Trekking-, City- und Industrievelos und Trottinetts werden über den Fachhandel verkauft. René Hornung, Fotos: Gian Vaitl

«Wie nur gelingt es einem kleinen Betrieb wie dem unseren, ein neues Produkt, für das wir nichts als Lob bekommen, breit bekannt zu machen?» Diese Frage treibt Erhard Senn um. Er leitet seit über zwanzig Jahren die Bonanza Velo AG in Frick, die er seit den späten neunziger Jahren auch besitzt. Erhard Senn ist als gelernter Konstrukteur ein Mann der Innovationen. Sein jüngstes Kind ist das Bike n’Board, die Kombination von Trottinett und Velo: Beim Rahmen des Trottinetts sitzt am Sattelrohr das Tretlager. Ausgerüstet ist das Gefährt mit 20-Zoll-Rädern und wahlweise als Eingänger oder mit einer Shimano-Nexus-Dreigang-Übersetzung. Die Prototypen waren noch mit Stahlrahmen ausgerüstet, doch jetzt hat Erhard Senn mit einem Partner in Taiwan einen Alurahmen konstruiert. Die Taiwanesen haben dafür schon drei Preise bekommen: Sie vertreiben das Gefährt in verschiedenen Ländern unter dem Namen Skuby. Bike n’Board wurde in Taipeh Champion of Complete Bicycles sowie als innovativstes Zweirad (The Best Latest Fashion Award) ausgezeichnet und belegte in der Kategorie Runner-Up of Complete Bicycles den zweiten Platz.

Flott im Trott «Die Entwicklung des Bike n’Board entstand eigentlich aus einer Notsituation heraus», schildert Erhard Senn. Bonanza hatte zuvor sowohl ein Mini- bzw. ein Campingvelo, als auch ein Erwachsenen-Trottinett im Sortiment. «Weil es aber immer schwieriger wurde, einen Hersteller für diese Rahmen zu finden, keimte die Idee, aus den beiden Rahmen einen einzigen zu machen, um die Stückzahlen für den Hersteller zu erhöhen.» Die ersten Prototypen – noch ohne Pedalantrieb – waren bei den Sanitätsleuten an der Expo.02 im Einsatz, inzwischen hat Bonanza gegen 200 Bike n’Board verkauft, vor allem an Industriebetriebe und Spitäler. Aber auch von der Bergbahn Gamplüt in Wildhaus und in der Weissen Arena in Laax/GR werden Bonanza-Trottinetts (ohne Pedalausrüstung) für Downhill-Fahrten vermietet.
«Klar», räumt Senn ein, «ist ein Trotti mit Pedalen gewöhnungsbedürftig», doch dank der schmalen Pedalen – auf Wunsch auch klappbare – und mit dem Trick, diese bei der Trottinett-Fahrweise senkrecht zu stellen, kämen die Fahrerinnen und Fahrer gut zurecht. Gefahren werde das Kombi-Fahrzeug normalerweise als Velo: «Zuerst zwei, drei Trottinett-Kicks, dann aufsitzen und weiterpedalen», so das Fahrrezept das Erfinders. Er empfiehlt es Industriebetrieben oder Spitälern für den internen Transport, aber auch für den Kurzstrecken-Einkauf. «Doch selbst vierzig Kilometer am slowUp lassen sich problemlos damit bewältigen», weiss Senn aus eigener Erfahrung.

Vehikel für den Innendienst

Das Bike n’Board bleibt aber bei aller Innovation vorerst ein Nischenprodukt. Bonanza als kleiner Hersteller baut zwischen 800 und 1000 Velos pro Jahr. Die À-la-carte-Citybikes mit Stahlrahmen verkaufen sich vor allem im Fachhandel in der Region Basel. «Da ist ein Unterschied zu Zürich im Kaufverhalten deutlich zu spüren», stellt Erhard Senn fest. Ein zweites Standbein sind die Industrievelos für den internen Transport. Die Basler Chemieindustrie, aber auch Betriebe überall im Land zählt Bonanza hier zu seinen Kunden. Es gibt solche Fahrräder mit Rücktritt oder Rollerbrake, mit unterschiedlichsten Gepäckträgern, als Damenversion und mit vielen Spezialausrüstungen. In der Geometrie sind sie an die Citybikes mit den 26-Zoll-Rädern angelehnt, aber mit hochwertigen MTB-Komponenten ausgerüstet. Schliesslich montiert Bonanza auch die Räder der Marke Trekking Fox und vertreibt sie exklusiv für die Deutschschweiz.
Insgesamt vier volle Stellen bietet der kleine Betrieb in Frick an, besetzt sind sie mit Teilzeitern und Teilzeiterinnen. Hier werden Räder in Handarbeit zusammengebaut und Komponenten montiert. «Made in Switzerland» im aktuellen Sinn: Der Rahmenbau erfolgt aufgrund der in Frick erstellten technischen Zeichnungen in Taiwan, Komponenten stammen von bekannten Herstellern, doch das Schluss-Outfit stammt aus Frick.
Jetzt müssten nur noch die Fachhändler etwas mutiger sein, wünscht sich Erhard Senn und schildert eine typische Verkaufssituation: Da kommt eine Frau ins Fachgeschäft und will ein neues Velo. Der Händler sieht, dass sie mit einem alten Dreigänger angefahren ist und führt die Kundin sofort zu den Tiefeinsteigermodellen. Dabei wäre gerade für diese Frauen vielleicht ein Bike n’Board für die täglichen Einkäufe ideal. Aber das zu empfehlen, traute sich leider bisher noch kaum ein Händler.

Weblink

www.bonanza-velo.ch

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Das Velo aus der Milchzentrale

rhg. Die Velomarke Bonanza wurde vor gut dreissig Jahren gegründet und hatte ihren Sitz damals in Münchwilen/AG. 1981 stieg der Miba (Milchverband Nordwestschweiz) ein und wollte für den Milchkonsum mit sportlichen Tätigkeiten werben – auch mit siegreichen Velorennfahrern. Doch eine eigene Mannschaft kam nie zustande. Auf den Verpackungen der Miba-Produkte wurde allerdings für Bonanza-Velos geworben. Fünfzehn Jahre später stieg Miba wieder aus, und Erhard Senn, der seit den frühen achtziger Jahren den Betrieb bereits leitete, übernahm die Firma. Bonanza stellte früher das gesamte Velosortiment her, vom Kindervelo bis zum teuren Sportvelo, dem berühmten «Halbrenner», der schon damals bis zu 2000 Franken kostete. In den besten Jahren baute Bonanza gegen 4500 Velos pro Jahr, davon rund 3000 Citybikes mit 26- und 28-Zoll-Rädern auf selbst entwickelten Stahlrahmen. Allerdings liess Bonanza diese Rahmen immer schon im Ausland produzieren – früher in Italien, heute in Taiwan. Aktuell stellt Bonanza noch 800 bis 1000 Velos pro Jahr her.

Bonanza-Besitzer Erhard Senn hat in Frick das Bike n’Board entwickelt.
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