
«Wie nur gelingt es einem kleinen Betrieb wie dem unseren, ein neues Produkt, für das wir nichts als Lob bekommen, breit bekannt zu machen?» Diese Frage treibt Erhard Senn um. Er leitet seit über zwanzig Jahren die Bonanza Velo AG in Frick, die er seit den späten neunziger Jahren auch besitzt. Erhard Senn ist als gelernter Konstrukteur ein Mann der Innovationen. Sein jüngstes Kind ist das Bike n’Board, die Kombination von Trottinett und Velo: Beim Rahmen des Trottinetts sitzt am Sattelrohr das Tretlager. Ausgerüstet ist das Gefährt mit 20-Zoll-Rädern und wahlweise als Eingänger oder mit einer Shimano-Nexus-Dreigang-Übersetzung. Die Prototypen waren noch mit Stahlrahmen ausgerüstet, doch jetzt hat Erhard Senn mit einem Partner in Taiwan einen Alurahmen konstruiert. Die Taiwanesen haben dafür schon drei Preise bekommen: Sie vertreiben das Gefährt in verschiedenen Ländern unter dem Namen Skuby. Bike n’Board wurde in Taipeh Champion of Complete Bicycles sowie als innovativstes Zweirad (The Best Latest Fashion Award) ausgezeichnet und belegte in der Kategorie Runner-Up of Complete Bicycles den zweiten Platz.
Das Bike n’Board bleibt aber bei aller Innovation vorerst ein
Nischenprodukt. Bonanza als kleiner Hersteller baut zwischen 800 und
1000 Velos pro Jahr. Die À-la-carte-Citybikes mit Stahlrahmen verkaufen
sich vor allem im Fachhandel in der Region Basel. «Da ist ein
Unterschied zu Zürich im Kaufverhalten deutlich zu spüren», stellt
Erhard Senn fest. Ein zweites Standbein sind die Industrievelos für den
internen Transport. Die Basler Chemieindustrie, aber auch Betriebe
überall im Land zählt Bonanza hier zu seinen Kunden. Es gibt solche
Fahrräder mit Rücktritt oder Rollerbrake, mit unterschiedlichsten
Gepäckträgern, als Damenversion und mit vielen Spezialausrüstungen. In
der Geometrie sind sie an die Citybikes mit den 26-Zoll-Rädern
angelehnt, aber mit hochwertigen MTB-Komponenten ausgerüstet.
Schliesslich montiert Bonanza auch die Räder der Marke Trekking Fox und
vertreibt sie exklusiv für die Deutschschweiz.
Insgesamt vier volle
Stellen bietet der kleine Betrieb in Frick an, besetzt sind sie mit
Teilzeitern und Teilzeiterinnen. Hier werden Räder in Handarbeit
zusammengebaut und Komponenten montiert. «Made in Switzerland» im
aktuellen Sinn: Der Rahmenbau erfolgt aufgrund der in Frick erstellten
technischen Zeichnungen in Taiwan, Komponenten stammen von bekannten
Herstellern, doch das Schluss-Outfit stammt aus Frick.
Jetzt
müssten nur noch die Fachhändler etwas mutiger sein, wünscht sich
Erhard Senn und schildert eine typische Verkaufssituation: Da kommt
eine Frau ins Fachgeschäft und will ein neues Velo. Der Händler sieht,
dass sie mit einem alten Dreigänger angefahren ist und führt die Kundin
sofort zu den Tiefeinsteigermodellen. Dabei wäre gerade für diese
Frauen vielleicht ein Bike n’Board für die täglichen Einkäufe ideal.
Aber das zu empfehlen, traute sich leider bisher noch kaum ein Händler.