Spezial

Das Volksvelo für Berg und Tal

Seit seiner Erfindung vor etwas mehr als zwanzig Jahren hat sich das Mountainbiken vom Freak- zum Volkssport gewandelt. Die Bikes selber zeigen sich inzwischen in einer fast unübersichtlichen Vielfalt. velojournal hat sich mit drei Biketypen ins Gelände gewagt. Marius Graber / Marcel Kaufmann (Text und Fotos)

Waren es am Anfang die Jungen und Wilden, die mit dem Mountainbike durch den Wald rasten, sind heute alle Bevölkerungsgruppen auf dem Bike anzutreffen. MTB-Events boomen, spezielle Routen werden ausgeschildert – wie keine andere Trendsportart läuft Mountainbiken auf hohem Niveau weiter.
In technischer Hinsicht haben sich die Mountainbikes stark gewandelt: Sie sind nicht mehr nur grell und bunt wie in den Anfangszeiten, und sie orientieren sich nicht mehr einzig an den Wettkampfbikes wie in den Neunzigerjahren. Denn ein Mountainbike ist schon längst nicht mehr einfach nur ein Mountainbike. Es gibt grosse Modellunterschiede: Das Downhillbike taugt mit den riesigen Federsystemen und den gut und gerne zwanzig Kilo Gewicht wirklich nur zum Runterbolzen (bergauf geht es mit der Bahn oder per Auto). Auf der anderen Seite der Skala liegen die hochgezüchteten Race- und Marathonbikes mit geringem Gewicht, bei denen man aber im Gegenzug auf einigen Komfort verzichten und teilweise auch bei der Lebensdauer Abstriche machen muss. Dazwischen liegen Enduro-, All-Mountain-, Tour- oder Allround-Mountainbikes. Immer neue Begriffe werden für die Bergräder erfunden, gemeint sind damit Modelle, mit denen man gut den Berg hochkommt, die dank komfortablen Federsystemen aber auch bei der Abfahrt Spass machen und eine bequeme Sitzposition zulassen.

Ohne Federgabel geht nichts mehr

Bikes ohne Federgabel sind heute kaum mehr anzutreffen. Wenn das Hinterrad ebenfalls eine Federung aufweist, spricht man von einem «Fully», wenn nicht von einem «Hardtail». Entgegen der landläufigen Meinung eignen sich Fullys nicht nur für fortgeschrittene Fahrer. Die Vollfederung bietet mehr Komfort, während Vorder- und Hinterrad immer in gutem Kontakt mit dem Boden stehen. Deshalb lässt sich ein Fully besser bremsen, lenken – und es zeigt Vorteile beim bergauf Radeln. Der Federweg bei Allround-Mountainbikes liegt vorne und hinten bei 100 bis etwa 130 Millimetern. Die Federung lässt sich meist blockieren, ein Vorteil bei langen Aufstiegen auf Asphaltstrassen. Nahezu komplett ausgestorben sind heute wippende kraftfressende Hinterbauten.
Nachteile der Fullys sind das höhere Gewicht und der höhere Preis. Eine Alternative – wenn auch eine, die unter echten BikerInnen verpönt ist – ist ein Hardtail mit einer gefederten Sattelstütze. Das bringt zwar nichts für die Fahrsicherheit, aber einiges an Komfort.

Top-Bremsen gefragt

Die zweite grosse Frage, die sich beim Bike-Kauf stellt, ist diejenige nach dem geeigneten Bremssystem. Grundsätzlich sind Scheibenbremsen für ein Bike das bessere System, weil sie präziser zu dosieren sind, weil keine Gefahr einer überhitzten Felge besteht und weil Scheibenbremsen in der Regel weniger Kraft in den Händen voraussetzen. Allerdings kann, wer gerne selber werkelt, daran kaum mehr etwas selber nachstellen oder reparieren. Bei einem guten Scheibenbremssystem sollte es aber – ausser beim Auswechseln der Bremsklötze – nichts mehr zu tun geben. Die neuen Systeme sind im Vergleich zur alten Felgenbremse etwas teurer und schwerer. Wer akustisch sensibel unterwegs ist, sollte davon die Finger lassen: Bei der Scheibenbremse ist ab und zu mit Nebengeräuschen zu rechnen.

Mit drei MTBs ins Gelände

Aus dem riesigen Angebot an Bikes hat velojournal exemplarisch drei Modelle in verschiedenen Prisklassen getestet: ein leichtes Hardtail, ein Fully mit 100 sowie eines mit 130 Millimetern Federweg.

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1| Giant xtc2

Vom Bike-Hersteller Giant wurde mit dem Modell XtC2 eine richtige Bergziege getestet. Die Marzocchi-Federgabel lässt sich blockieren und gleichzeitig absenken: So kommen alle besonders leicht den Berg hoch, selbst wenn es richtig steil wird. Bergab zeigt sich die Gabel dann von der angenehm soften Seite. Vom Komfort, den der Carbonhinterteil des Rahmens bringen sollte, war subjektiv nichts zu spüren, doch die edle, handgefertigte Kohlenfaser-Oberfläche ist optisch sehr reizvoll. Die komplette Shimano-LX27-Schaltung sowie die Scheibenbremsen sind Garanten für eine zuverlässige Funktion.
Gewicht: 12,2 kg; Preis: 2599 Franken
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2| bmc fourstroke

Die «Fourstroke»-Serie von BMC umfasst vollgefederte Allroundbikes mit rund 10 Zentimetern Federweg vorne und hinten. Das System bewirkt, dass das Hinterrad immer Bodenkontakt hat. Damit fährt man leichter bergauf und sicherer bergab, nimmt groben Abfahrten schon mal den Schrecken und vereinfacht in technisch schwierigen Passagen das Fahren. Das Tretlager bleibt trotzdem noch angenehm nahe am Boden, sodass man bei einem überraschenden Stopp immer noch problemlos beide Füsse auf die Erde bekommen kann. Gefahren wurde das knallrote Frauenmodell (welches aber auch klein gewachsenen Herren bestens passt), daneben bietet BMC weitere Modelle mit verschiedenen Schaltungen, Federgabeln und Bremsen an.
Gewicht: 13,1 kg; Preis: 2999 Franken
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3| mtb cycletech opium

Keine Angst vor viel Federweg: Als Beispiel für ein Fully mit 130 Millimetern Federweg fuhr das Opium von MTB Cycletech über die Testrunde. Gerade knifflige Abschnitte beim bergab Fahren meistert man damit wesentlich sicherer und einfacher. Das Plus an Komfort war deutlich spürbar, ohne dass man bei diesem Velo auf gute Klettereigenschaften verzichten muss. Zum sicheren Gefühl trägt auch die aufrechte Sitzposition bei. An sehr steilen Rampen verliert dabei das Vorderrad aber leicht den Bodenkontakt. Besonders gefallen haben die FOX-Federgabel vorne, die über ein kluges Lockout verfügt, sowie das Federelement der selben Firma hinten, das mit einem kleinen Hebelchen von kontrollierter Federung (Aufstieg) auf vollen Komfort (Abfahrt) umgestellt werden kann.
Gewicht: 13,4 kg; Preis: 4599 Franken


Individuell und schön: Es gibt sie noch, die feinen Stahlbikes mit der filigranen Optik. Die jungen Rahmenbauer Wiesmann oder Ruchti fertigen aus edlen Stahlrohren Hardtails und Fullys nach Mass, wobei die persönlichen Wünsche bezüglich Rahmengeometrie, Fahreigenschaften und Federwege erfüllt werden können. Mit etwas Wartezeit bekommt man so sein Traumvelo. Die junge Deutsche Firma Nicolai hat sich mit sehr funktionalen Velos und schönen Schweissnähten einen Namen gemacht. Gegen einen moderaten Aufpreis werden bei allen Rahmen Sonderwünsche in der Geometrie berücksichtigt, wodurch auch besonders kleine oder grosse Menschen zu einem passenden Velo kommen.

Links:

www.komenda.ch
www.bmc-racing.com
www.velo.com
www.wiesmann-bikes.de
www.ruchtibicycle.ch
www.nicolai.net

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