Dr. V. Love
Dr. V. Love
Lieber Dr. V. Love
Kürzlich passierte ich die
Monday-Night-Skate-Tour in der Stadt Zürich. Unter den TeilnehmerInnen
waren auch einige uniformierte Polizisten auf Rollerblades, die den Zug
begleiteteten und genervte Autofahrende höflich, aber bestimmt in die
Schranken wiesen. Mir sind auch Patrouillen hoch zu Ross bekannt. Warum
gibt es nicht mehr velofahrende Polizisten, die unsere Probleme auch
mal aus einer anderen Perspektive sehen?
Rita K. aus B.
Liebe Frau Körte
Zuerst einmal eine Klarstellung: Velo-Polizisten sehen die Dinge nicht
zwingend aus der Velofahrerperspektive, denn auch autofahrende
Polizisten büssen Autofahrer, und Polizisten zu Fuss haben auch nicht
den Ruf, fussgängerfreundlicher zu sein als die Pferdepolizisten. Wie
das mit den Rollerbladern ist, weiss ich nicht, aber die versteht
sowieso keiner. Welchen Sinn also sollen solcherart ausgerüstete
Polizisten haben? Sollen sie den Leuten zeigen, dass Velofahrende die
Gesetze nicht nur respektieren, sondern auch noch vollstrecken? Das
nimmt doch niemand ernst. Oder sind Sie vielleicht eine dieser
Ordnungsfanatikerinnen? Keine Randgruppe ohne eigene Polizei? Oder
meinen Sie, Selbstkontrolle sei die beste Kontrolle? Dann sollten Sie
vielleicht der SVP beitreten, die fordert ja neuerdings auch
Velopolizisten.
Eine Antwort auf die Frage, wieso es keine
Velopolizisten gibt, liegt sicher in deren Statusproblem: Sie haben
einfach zu grosse Angst, von den harten Jungs an der Langstrasse
ausgelacht zu werden, wenn sie einem Velodelinquenten mit
Schweissflecken nachjagen. Da nimmt man doch lieber das Auto und funkt
dem Kollegen an der nächsten Strassenecke. So gehört man zur Mehrheit
statt zur Randgruppe.
Sie werden einwenden, dass Polizisten auf
Rollerblades noch blöder aussehen. Das ist wohl wahr, aber Rollerbladen
ist wenigstens ein richtiger, mittelständischer Massensport (denken Sie
nur an Joseph Deiss und Ruth Metzler). Ausserdem sind Polizisten an
Rollerblade-Skate-Tours wenigstens unter ihresgleichen.
Aber zurück
zu den Fahrradcops. Die könnte man natürlich einsetzen, um Velodemos zu
begleiten. Aber da will sich wohl kein aufrechter Zürcher Polizist bei
der Veranstaltung «Critical Mass» sehen lassen. Skate Parades sind da
schon sympathischer und bequemer, zumal die meisten Polizisten eigene
Rollerblades zuhause stehen haben.
Und überhaupt: In den letzten
Jahren sind uns schon so viele Feindbilder abhanden gekommen
(Kommunisten, Junkies, Hell’s Angels), da sollten doch wenigstens die
Velofahrer und Polizisten noch das Recht haben, sich gegenseitig zu
verteufeln.
Mit amtlich rollenden Grüssen
Ihr Dr. V. Love
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