Szene

Bike Days für die ganze Branche?

Bereits mit der zweiten Auflage haben die Bike Days Biel-Bienne eine hohe Industriebeteiligung vorzuweisen. Trotzdem müssen die Veranstalter punkto Termin und Konzept über die Bücher, soll der Nachfolger der Zürcher 2-Rad wirklich zur nationalen Branchenplattform avancieren. Peter Hummel

Auch wenn die sonntägliche Sonne versöhnlich stimmte, so war leider auch dieses Jahr das nasskalte Wetter an den ersten beiden Tagen dominierendes Thema der Bike Days. Dass nun das OK zum zweiten Mal von den verfrühten Eisheiligen bitterkalt erwischt wurde, hängt freilich nicht mit der Sturheit der Organisatoren, sondern mit Sachzwängen zusammen (Anschluss ans Gardasee-Festival; Wunsch zur Saisonlancierung; keine Bewilligung für den Pfingsttermin).

Branchenschau oder Firmenshow?

Das beeindruckendste an den Bike Days ist gewiss die fast lückenlose Branchenpräsenz, denn bis auf eine Hand voll Firmen waren alle Velomarken vertreten. Doch damit beginnen gleich auch die Widersprüche in Biel: Sollen die Bike Days wirklich eine Kopie des viel zitierten Gardasee-Festivals sein? Oder vielmehr ihre eigene Ausprägung suchen? In der jetzigen Wahrnehmung erscheinen sie unzweifelhaft als Biker-Festival, an den garstigen Freitagen und Samstagen gar als Hardcore-Event; daran konnte auch der rege Passantenzulauf am Sonntag nichts ändern. Nur: Eine (Mountain-)Bike-Party brauchts eigentlich nicht mehr – für diese Gruppe gibts fast an jedem Wochenende schon genug Rennen.
Das Patronat über die Bike Days hat Velosuisse inne, und diese Organisation hat eine verbindliche Verpflichtung übernommen, Biel-Bienne zu einer Plattform für die gesamte Branche zu machen. Doch das nicht sportive Segment, insbesondere die Alltagsradler, kommt bis jetzt zu kurz – sowohl was die fehlende Beteiligung der für sie relevanten Marken wie Aarios, Mondia, Simpel, Tigra und Villiger betrifft, als auch vom Programm her.
Offenbar herrschen bei den Firmen die unterschiedlichsten Auffassungen davon, was die Bieler Bike Days sollen und was nicht. Bestes Beispiel liefern die beiden Marktführer: Während Intercycle mit Truck, Liveband und Gulaschkanone alle Register zog, sorgte Trek-Villiger mit seiner bescheidenen Aufwartung bei den Mitbewerbern für Häme. Doch steckt dahinter Kalkül? Trek weiss offensichtlich seine Marketingfranken anderswo erfolgversprechender einzusetzen. Einen anderen Auftritt wählte Komplettanbieter Tour de Suisse: unter seinem Dach präsentierten sich auch Veloland Schweiz und Rent a Bike und sorgten damit für einen Schwerpunkt und deckten das Interesse der Freizeitradler ab.

Spagat oder Auftrennung?

Nach der zweiten Auflage stehen die Bike Days bereits am Scheideweg. Wenn sie nicht definitiv zu einem Hardcore-Event werden wollen, müssen sie eine breitere Ausrichtung anstreben. NewRide oder die IG Velo müssten für einen prominenten Auftritt gewonnen werden (statt nur den Kindergarten zu betreuen). Die Losung kann aber nicht einfach «grösser, grösser!» heissen. Bereits jetzt ist bei der Werbung nämlich ein gewisser Overkill auszumachen. Vor lauter Werbeflaggen sah man die Velos fast nicht mehr.
Wichtig wäre ein klarer Höhepunkt – der neu integrierte Swisspower-Cup war eher ein Fremdkörper denn ein Highlight. Das Zeug dazu hätte der Wettbewerb «Ugly becomes beautiful» – doch diese «Pimp my Ride»-Version ging daneben. Erstens wurde die Wahl des am meisten vernachlässigten Bikes einem bierseligen Partypublikum überlassen, das dann auch prompt eine siebzigjährige zivile Ordonnanzrad-Antiquität zum Sieger erkor statt einer wirklichen Rostlaube. Zweitens erfolgte die Verwandlung in aller Ruhe bei BMC anstatt in einer attraktiven «Feldschlosserei» auf dem Festivalgelände. Zudem litten die Bike Days noch unter organisatorischen Mängeln wie mangelhafter Beschilderung ab Bahnhof oder fehlenden WC-Wagen.
Mögen dieses Jahr auch doppelt so viele BesucherInnen wie bei der Premiere nach Biel gepilgert sein, vielleicht sogar 10000 – dies ist bei aller Euphorie der Veranstalter noch längst nicht jene Zahl, die die Zürcher 2-Rad einst ausweisen konnte. Doch vielleicht ist es tatsächlich so, dass sich die Schweizer Velobranche gar nie mehr unter einen Hut bringen lässt, und dass die Bikerszene lieber unter sich bleibt, die Familienanbieter sich besser an den slowUps präsentieren und die urbane Bewegung womöglich an einem neuen Indoor-Anlass nach Muster des deutschen Fahrradmarktes auftritt.

Mehr zum Thema im Web unter:

www.bikedays.ch

 
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