Auch wenn die sonntägliche Sonne versöhnlich stimmte, so war leider auch dieses Jahr das nasskalte Wetter an den ersten beiden Tagen dominierendes Thema der Bike Days. Dass nun das OK zum zweiten Mal von den verfrühten Eisheiligen bitterkalt erwischt wurde, hängt freilich nicht mit der Sturheit der Organisatoren, sondern mit Sachzwängen zusammen (Anschluss ans Gardasee-Festival; Wunsch zur Saisonlancierung; keine Bewilligung für den Pfingsttermin).
Das beeindruckendste an den Bike Days ist gewiss die fast lückenlose
Branchenpräsenz, denn bis auf eine Hand voll Firmen waren alle
Velomarken vertreten. Doch damit beginnen gleich auch die Widersprüche
in Biel: Sollen die Bike Days wirklich eine Kopie des viel zitierten
Gardasee-Festivals sein? Oder vielmehr ihre eigene Ausprägung suchen?
In der jetzigen Wahrnehmung erscheinen sie unzweifelhaft als
Biker-Festival, an den garstigen Freitagen und Samstagen gar als
Hardcore-Event; daran konnte auch der rege Passantenzulauf am Sonntag
nichts ändern. Nur: Eine (Mountain-)Bike-Party brauchts eigentlich
nicht mehr – für diese Gruppe gibts fast an jedem Wochenende schon
genug Rennen.
Das Patronat über die Bike Days hat Velosuisse
inne, und diese Organisation hat eine verbindliche Verpflichtung
übernommen, Biel-Bienne zu einer Plattform für die gesamte Branche zu
machen. Doch das nicht sportive Segment, insbesondere die
Alltagsradler, kommt bis jetzt zu kurz – sowohl was die fehlende
Beteiligung der für sie relevanten Marken wie Aarios, Mondia, Simpel,
Tigra und Villiger betrifft, als auch vom Programm her.
Offenbar
herrschen bei den Firmen die unterschiedlichsten Auffassungen davon,
was die Bieler Bike Days sollen und was nicht. Bestes Beispiel liefern
die beiden Marktführer: Während Intercycle mit Truck, Liveband und
Gulaschkanone alle Register zog, sorgte Trek-Villiger mit seiner
bescheidenen Aufwartung bei den Mitbewerbern für Häme. Doch steckt
dahinter Kalkül? Trek weiss offensichtlich seine Marketingfranken
anderswo erfolgversprechender einzusetzen. Einen anderen Auftritt
wählte Komplettanbieter Tour de Suisse: unter seinem Dach präsentierten
sich auch Veloland Schweiz und Rent a Bike und sorgten damit für einen
Schwerpunkt und deckten das Interesse der Freizeitradler ab.
Nach der zweiten Auflage stehen die Bike Days bereits am Scheideweg.
Wenn sie nicht definitiv zu einem Hardcore-Event werden wollen, müssen
sie eine breitere Ausrichtung anstreben. NewRide oder die IG Velo
müssten für einen prominenten Auftritt gewonnen werden (statt nur den
Kindergarten zu betreuen). Die Losung kann aber nicht einfach «grösser,
grösser!» heissen. Bereits jetzt ist bei der Werbung nämlich ein
gewisser Overkill auszumachen. Vor lauter Werbeflaggen sah man die
Velos fast nicht mehr.
Wichtig wäre ein klarer Höhepunkt – der
neu integrierte Swisspower-Cup war eher ein Fremdkörper denn ein
Highlight. Das Zeug dazu hätte der Wettbewerb «Ugly becomes beautiful»
– doch diese «Pimp my Ride»-Version ging daneben. Erstens wurde die
Wahl des am meisten vernachlässigten Bikes einem bierseligen
Partypublikum überlassen, das dann auch prompt eine siebzigjährige
zivile Ordonnanzrad-Antiquität zum Sieger erkor statt einer wirklichen
Rostlaube. Zweitens erfolgte die Verwandlung in aller Ruhe bei BMC
anstatt in einer attraktiven «Feldschlosserei» auf dem Festivalgelände.
Zudem litten die Bike Days noch unter organisatorischen Mängeln wie
mangelhafter Beschilderung ab Bahnhof oder fehlenden WC-Wagen.
Mögen dieses Jahr auch doppelt so viele BesucherInnen wie bei der
Premiere nach Biel gepilgert sein, vielleicht sogar 10000 – dies ist
bei aller Euphorie der Veranstalter noch längst nicht jene Zahl, die
die Zürcher 2-Rad einst ausweisen konnte. Doch vielleicht ist es
tatsächlich so, dass sich die Schweizer Velobranche gar nie mehr unter
einen Hut bringen lässt, und dass die Bikerszene lieber unter sich
bleibt, die Familienanbieter sich besser an den slowUps präsentieren
und die urbane Bewegung womöglich an einem neuen Indoor-Anlass nach
Muster des deutschen Fahrradmarktes auftritt.