
Es ist eine alte Liebesgeschichte. Sie
begann vor dreissig Jahren. Eines Tages ging mir die Überheblichkeit
der Älpler, die so taten, als hätten sie die Berge selber erfunden und
aufgestellt, auf den Geist. Obwohl (oder weil) ich selber auch ein
Älpler bin. Dann kamen diese verrückten Béliers aus dem Jura, die sich
mitten im 20. Jahrhundert auflehnten gegen die fetten Doppelrahm-Berner
und eine eigene Republik forderten. Die Schweiz spitzte die Ohren, die
Rebellen sprengten den Fritz in die Luft und klauten den
Unspunnenstein. Der Liebe Gott hatte den Jura weniger verwöhnt als die
Alpen gleich gegenüber. Der Jura wird nicht einmal im Wetterbericht
erwähnt, obwohl ja fast alles Mittelland-Wetter von dort her kommt.
Mit dem Tourismus fiel den Älplern der Wohlstand in den Schoss. Den
Jurassiern fällt nichts in den Schoss, sie müssen die Welt und sich
selber immer wieder neu erfinden. Kaum haben sie eine Welt erfunden,
kracht sie zusammen, und sie müssen sich etwas Neues einfallen lassen.
Noch vor sechzig Jahren stammte jede zweite Uhr aus dem Jura, aus Le
Locle, Biel, Grenchen oder La Chaux-de-Fonds. Heute sind, von der
Swatch einmal abgesehen, bloss noch ein paar Luxusmarken übrig
geblieben. A propos La Chaux-de-Fonds: 1794 brennt die Stadt nieder,
und man entwirft auf tausend Metern Höhe eine Stadt der Zukunft, in
nordamerikanischer Manier wie ein Schachbrett, mit breiten Strassen,
viel Luft und Licht. Ein Klima für Anarchisten und Sozialutopisten.
Hier kommen der Dichter Blaise Cendrars und der Architekt Le Corbusier
zur Welt, etwas früher auch Louis-Joseph Chevrolet, der schon als
Schulbub Pumpen für jurassische Schnapsbrenner konstruiert. Er bastelt
auch an Velos herum und gewinnt die ersten Radrennen im Jura. Dann wird
das Fahrrad zu langsam für seine Träume, er wird Autorennfahrer, stellt
Weltrekorde auf und übersteht dabei wundersam unverletzt die
irrwitzigsten Unfälle. 1911 wird ihm der Jura zu eng, er gründet in den
USA die Chevrolet Motor Company, und der Rest dieses Märchens unserer
Zeit ist bekannt. C’est ça, le Jura!
Der Jura, man weiss es, erstreckt sich von Basel bis nach Genf, er ist wie die eine Schulter der Schweiz, doch den Jura gibt es nicht. Er hat verschiedene Gesichter: die Falten, Klusen und Krachen in dem Teil, der zu Basel-Landschaft gehört, die lieblichen Freiberge im Kanton Jura, die gehörigen Gugelhupfe Chasseral und Chasseron, die rauen Hochtäler des Neuenburger Juras, die sanften Anhöhen im Kanton Waadt, die seltenen Seen bei La Brévine und in der Vallée de Joux. Der Radler muss nicht emigrieren wie der kühne Monsieur Chevrolet, denn der Jura hat genug Himmel und Hügel für unsere Träume auf zwei Rädern. Wer aber je die Jura-Route von Veloland Schweiz unter die Räder genommen hat, weiss, dass die Träume nicht gratis zu haben sind. Ganz im Gegenteil! Nur an wenigen Orten ist der Jura flach, meistens geht es auf- oder abwärts. Wenn schon, dann richtig. Also: Vom Bözberg im Osten bis zum Col de La Faucille bei Genf ganz im Westen hat der Jura ein gutes Dutzend attraktive Pässe zu bieten. AnfängerInnen müssen sich ja nicht gleich am schlimmsten, dem Weissenstein oberhalb von Solothurn, den Herzkasper holen. Zum Einstieg sind die Waadtländer Pässe Mollendruz und Marchairuz von Süden, aber auch die beiden Hauensteine bei Olten geeigneter. Doch dann kommt man garantiert auf den Geschmack, und man kann mit dem oben erwähnten Blaise Cendrars sagen: L’aventure, c’est du boulot.
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Im Internetwww.myvalleedejoux.ch www.tourenguide.ch www.drei-seen-land.ch www.ausflieger.ch www.swiss-inline-cup.ch
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