
Das Erfreuliche vorweg: «Walk21», eine internationale Konferenz, die im
kommenden Herbst in Zürich stattfinden wird und die sich dem
Fussverkehr und der damit verbundenen Attraktivität von Lebensräumen
widmet, bekommt vom Bund 120 000 Franken. Das ist zwar ein durchaus
respektabler Beitrag, doch ein Klacks, wenn man den Vergleich anstellt:
Für den motorisierten Individualverkehr (mIV) gibt der Bund jedes Jahr
über 4 Milliarden Franken aus, der öffentliche Verkehr (öV) bekommt
jährlich rund 3,5 Milliarden – und der Fuss- und Langsamverkehr gerade
mal 2,5 Millionen.
Moritz Leuenbergers Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und
Kommunikation (Uvek) und das ihm unterstellte Bundesamt für Strassen
(Astra) mit der Fachstelle Langsamverkehr wollen mit der Unterstützung
von Anlässen wie der «Walk21» die Sensibilisierung für den
Langsamverkehr «im Rahmen der Agglomerationsverkehrspolitik» fördern.
Das verbesserte Wissen soll helfen, aktuelle Verkehrsprobleme in den
Agglomerationen gesamtheitlicher anzugehen. Der Fokus liegt hier auf
dem Fussverkehr. Im Expertenbericht zum Leitbild Langsamverkehr fanden
das alle prima – bis hin zum Touring Club – doch das war vor vier
Jahren.
Inzwischen hat der Wind gedreht. Ob das Thema Langsamverkehr von den PolitikerInnen überhaupt als Bundesaufgabe akzeptiert wird, ist im Moment offen. Die SVP wehrt sich bekanntlich vehement gegen «neue Staatsaufgaben» und wetzt die Messer für den Kampf gegen das Leitbild Langsamverkehr. Nicht zuletzt deshalb hüllen sich zurzeit alle Bundesstellen in Schweigen und verweisen auf die bundesrätliche Botschaft, die im April im Rahmen des Agglomerationsprogrammes endlich veröffentlicht werden soll (siehe vj 1/05). Aber auch dann wird der Langsamverkehr noch nicht zur Debatte stehen, denn inzwischen wurde bekannt, dass das Leitbild Langsamverkehr erst Ende 2005 publiziert und Mitte 2006 im Parlament behandelt wird. «Die Stunde der Wahrheit» lässt also weiter auf sich warten.
In der Zwischenzeit geht es der kleinen, jungen Fachstelle
Langsamverkehr an den Kragen. Allen wohlklingenden Beteuerungen zum
Trotz wurden ihr auf das laufende Jahr hin die personellen Ressourcen
um rund 30 Prozent gekürzt.
So bleibt nur die Hoffnung, dass sich
längerfristig jene Kräfte durchsetzen werden, die im Langsamverkehr
auch eine Chance für eine zukunftsgerichtete integrierte
Verkehrspolitik sehen. Und nicht zuletzt damit auch den traditionell
hohen Stellenwert des Wirtschaftsstandortes Schweiz sichern.