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Ethisch korrekt statt billig

Die Diskussion um ethisch korrekt hergestellte Güter wird wichtiger. In einem globalisierten Markt wollen immer mehr KonsumentInnen wissen, woher ihre Waren kommen und wie sie produziert werden. Der Veloriese Shimano spricht das delikate Thema auch für die Zweiradbranche an.

Früher, «in der guten, alten Zeit», war der Velokauf noch ein unproblematischer Akt: Das Modell stammte vom Händler um die Ecke, hergestellt wurde es nicht viel weiter weg, zumindest noch innerhalb der «kleinen Schweiz». Das ist schon lange her, und bloss hoffnungslose NostalgikerInnen weinen diesen Zeiten noch nach. Die bunte, neue Konsumwelt hat auch vor dem Fahrrad nicht Halt gemacht. Heute gibt es neben den wenigen kleinen (aber feinen!) Veloschmieden nur noch einen grösseren Velohersteller in der Schweiz: Aarios (siehe vj 1/05). Aber auch Aarios verbaut Schaltungen oder Bremsen, die aus Taiwan, China, Malaysia oder Vietnam stammen.

Karbon statt Asbest

Taiwan ist inzwischen zu einem Markenbegriff geworden, doch mit dem Hinweis «made in China» ist nach wie vor wenig Vertrauen verbunden – zu Recht. Unisono werden in der Branche haarsträubende Zustände in den dortigen Fabriken beschrieben. Sicherheitsstandards sind, falls überhaupt vorhanden, tief. Umweltschutz hat kaum einen Stellenwert. Konkret: ArbeiterInnen hantieren an Maschinen ohne Schutzvorrichtungen, wie sie in den industrialisierten Ländern seit mindestens dreissig Jahren vorgeschrieben sind. Unfälle werden in Kauf genommen – es warten ja genug weitere Menschen auf Arbeit. Abwässer fliessen ungeklärt in Bäche, Flüsse und Seen, die Luft wird mit ungefilterten Industrie-abgasen verschmutzt. Die Zustände lassen den «Sünder Taiwan» der Achtzigerjahre als Sonntagsschüler erscheinen. Die viel gepriesenen Karbonrahmen werden meist unter Bedingungen hergestellt, die man früher Asbestarbeitern zumutete. Nur Dank Lohndumping und sträflich vernachlässigten Sicherheitsstandards können diese überhaupt so billig produziert werden. Last, but not least schätzen Menschenrechtsgruppen, dass in China über tausend Zwangsarbeiterfabriken existieren – mit geschätzten drei Millionen Insassen.

Konsumboykott?

In diesem traurigen Licht betrachtet, wird der bunte Warenkorb, der uns unter dem Druck der «Geiz ist geil»-Kampagnen von Aldi und Co. immer billiger feilgeboten wird, plötzlich aschgrau. Einen Boykott von unethisch hergestellter Ware «made in China» fordern nicht nur besorgte KonsumentInnen, sondern auch der chinesische Menschenrechtler Harry Wu, der selber 19 Jahre in einem Lager verbrachte. Der Westen dürfe nicht länger ums Goldene Kalb China tanzen, sondern müsse das Land boykottieren, wie in den Achtzigerjahren das südafrikanische Apartheidregime, fordert er. Kurzfristig wäre dies für die Bevölkerung zwar einschneidend, aber längerfristig würde damit eine demokratische Entwicklung ermöglicht.
Ethische Produktionsrichtlinien fordert nun auch Shimano, der Gigant unter den Velokomponenten-Herstellern. Hans van Vliet, der umtriebige PR-Europaverantwortliche verlangte kürzlich in seinem Referat beim Kongress «Fahrrad. Markt. Zukunft» in Bremen die konsequente Ausrichtung auf ethische Produktionsrichtlinien für die Velobranche, eine Charta für ökologische Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit und gegen Zwangs- und Kinderarbeit. Auch wenn ihm bewusst sei, dass diese Charta in einem globalisierten Markt (Shimano hat rund 6500 Angestellte in über fünfzig Ländern) im Einzelfall schwierig durchzusetzen sei, sei die «saubere Weste» für Shimano marktentscheidend (siehe Interview). Hans van Vliet ist aber auch klar, dass strenge Produktionsrichtlinien einen höheren Preis nach sich ziehen werden.

Teurer, aber sauber

Unter solch neuen Voraussetzungen könnte das vor bald zehn Jahren lancierte, damals aber belächelte und in der Versenkung verschwundene Ökobike von Greenpeace wieder aktuell werden. Nach dem Motto: Etwas teurer als der Rest, dafür klebt weder Blut von geknechteten ArbeiterInnen daran, noch wurde es von Kinderhänden zusammengesetzt. Nur «Geiz ist geil»-Zyniker werden auch in Zukunft das Billigangebot aus dem Super- bzw. Sportmarkt vorziehen.

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Nachgefragt

Was steckt hinter der Shimano-Kampagne «Cycling – a Smart Way of Moving»?
Hans van Vliet: Wir wollen dazu beitragen, dass ein Viertel der europäischen Mobilität «Kyoto-gerecht» mit dem Velo zurückgelegt wird. Zu diesem Zweck arbeiten wir mit EU-Kommissionen zusammen, aber auch mit Lobbygruppen wie der ECF (European Cycling Federation). Der europäische Vorbildcharakter ist ganz wichtig, da die Autoindustrie immer mehr klassische Veloländer in Asien und Afrika «kolonialisiert».

Wie wird eine sozialverträgliche Firmenpolitik in China umgesetzt?
Seit zehn Jahren besitzt Shimano eine Fabrik in der Volksrepublik, eine zweite ist im Entstehen. Diese Betriebe werden nach einem strengen internen «Code of Conduct» geprüft. Etwa darauf, ob die Arbeiter sich organisieren dürfen und Weiterbildung erhalten. Dies wird in ISO-Standards festgehalten, die laufend angepasst und erhöht werden. Dadurch können die Produkte natürlich teurer werden. Doch wer nur auf den Preis achtet, zwingt die Lieferanten dazu, unethisch produzierte Güter anzubieten.

Welche Rolle spielt Osteuropa?
Wir glauben an die neuen EU-Länder. Deshalb haben wir in Ostrava in Tschechien eine neue Fabrik für 400 Angestellte gebaut.

Sie preisen das Velo als ein rezyklierbares Gut und lancieren gleichzeitig die computerisierte Smover-Linie. Wie geht das auf?
Mit dem Smover haben wir uns ganz weit in ein vollautomatisches System vorgewagt. Dieses Jahr werden wir entscheiden, ob dieses System weitergeführt wird, oder ob es danach heisst: Zurück zum Einfachen.

Interview: Pete Mijnssen
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