Weite, flatternde Hosen berühren beim Velofahren die Kette und bekommen ihr Fett ab. Fehlt jeglicher Hosenschutz, so besteht sogar die Gefahr, dass das schöne Beinkleid zwischen der Kette und den Zähnen des Kettenblattes buchstäblich zerfressen wird. Aber: Die Gefahr kann gebannt werden. Viele stopfen einfach die Hosen in die Socken. Eine simple Lösung, wie sich im Test zeigt, aber nicht die Schnellste. Und sie funktioniert nur, wenn man wadenhohe Socken trägt, was zumindest im Sommer eher unbeliebt ist. Am schnellsten verpackt sind die Hosen mit dem Klassiker: der Hosenspange. Mit etwas Routine lässt sie sich sogar einhändig anklammern. Allerdings: Sie verrutscht leicht. Für kurze Strecken ist der Klassiker aber immer gut.
Mehr Tragkomfort bringt «Watch», der 42 Zentimeter lange Streifen aus
Uhrenfederstahl. Er schlingt sich flexibel ums ganze Hosenbein. Wieder
ausgezogen, rollt er sich zu einem sechs Zentimeter grossen Ring
zusammen und passt in jede Jackentasche oder an den Velolenker. Das
Utensil wurde sinnigerweise von einem Schweizer Uhrmacher erfunden, der
sich über die drückenden Hosenspangen ärgerte.
Sehr gut sitzt
auch das elastische Hosenklettband. Es rutscht nicht, ist aber im
Handling etwas komplizierter als die Spangen aus Metall. Den besten
Schutz in ihrer Kategorie bieten «Chain Guard» und «Wadi». Beide bilden
ein Abwehrschild gegen die dreckige Kette. Am «Chain Guard» sorgt ein
grosser Reflektor für mehr Sicherheit, auf die Dauer beginnt man aber
darunter zu schwitzen. Beim «Wadi» kann dies nicht passieren: Das edle
Teil des Zürcher Designers Sacha Steiner besteht aus Funktionsstoffen
und ist elastisch, atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend. «Wadi»
bietet den höchsten Tragkomfort und eignet sich für längere Strecken.
Der etwas höhere Aufwand beim Anziehen lohnt sich. Zudem ist «Wadi»
auch einiges schicker als all die herkömmlichen Hosenspangen. Sogar
eitle Velofahrer werden damit mal in einen Laden gehen, ohne den Schutz
zuvor abzuziehen.
Ein ganz anderer Ansatz, die Hosenstösse sauber
zu halten, ist ein Kettenschutz. Entgegen der landläufigen Meinung
passt er praktisch an jedes Velo. Auch ein Modell mit einer
Mountainbike-Kettenschaltung kann damit nachgerüstet werden. Allerdings
ist das Kettenschutzblech umstritten. Das Prestige eines
«Kettenschutzfahrers» liegt in gewissen Kreisen unter jenem des
«Warmduschers» und steht auf dem Niveau des «Mit-Helm-Einkäufers». Ein
Kettenschutz raube dem Velo sämtlichen Sexappeal, frotzeln die
Design-Radler. Das wird sich vielleicht ändern, wenn die
Zubehörindustrie einen schnittigen Karbon-Kettenschutz auf den Markt
bringt. Immerhin machen Nöll und Hebie mit ihren filigranen
geschlossenen Kettenschutzteilen den Anfang.
Bis hier weitere Neuerungen auf den Markt kommen, kann man sich an der breiten Auswahl der vorgestellten Hosenbänder und -spangen bedienen. Denn: Wenn man schon als Velofahrer erkannt werden soll, dann bitte nicht an den schwarzen Flecken auf der Innenseite des rechten Hosenbeins. Lieber an der guten Laune, die eine morgendliche Fahrt bringt, am wachen Geist und an den durchtrainierten Waden.