Test

Alles für den Hosenkavalier

Dreckiges Beinkleid vom Velofahren muss nicht sein. Gegen das verräterische Kennzeichen auf der Innenseite des rechten Hosenbeins gibt es eine Vielzahl von Helfern. velojournal hat sie mit weissen Hosen getestet. Marius Graber

Weite, flatternde Hosen berühren beim Velofahren die Kette und bekommen ihr Fett ab. Fehlt jeglicher Hosenschutz, so besteht sogar die Gefahr, dass das schöne Beinkleid zwischen der Kette und den Zähnen des Kettenblattes buchstäblich zerfressen wird. Aber: Die Gefahr kann gebannt werden. Viele stopfen einfach die Hosen in die Socken. Eine simple Lösung, wie sich im Test zeigt, aber nicht die Schnellste. Und sie funktioniert nur, wenn man wadenhohe Socken trägt, was zumindest im Sommer eher unbeliebt ist. Am schnellsten verpackt sind die Hosen mit dem Klassiker: der Hosenspange. Mit etwas Routine lässt sie sich sogar einhändig anklammern. Allerdings: Sie verrutscht leicht. Für kurze Strecken ist der Klassiker aber immer gut.

Kettenschutzfahrer und Warmduscher

Mehr Tragkomfort bringt «Watch», der 42 Zentimeter lange Streifen aus Uhrenfederstahl. Er schlingt sich flexibel ums ganze Hosenbein. Wieder ausgezogen, rollt er sich zu einem sechs Zentimeter grossen Ring zusammen und passt in jede Jackentasche oder an den Velolenker. Das Utensil wurde sinnigerweise von einem Schweizer Uhrmacher erfunden, der sich über die drückenden Hosenspangen ärgerte.
Sehr gut sitzt auch das elastische Hosenklettband. Es rutscht nicht, ist aber im Handling etwas komplizierter als die Spangen aus Metall. Den besten Schutz in ihrer Kategorie bieten «Chain Guard» und «Wadi». Beide bilden ein Abwehrschild gegen die dreckige Kette. Am «Chain Guard» sorgt ein grosser Reflektor für mehr Sicherheit, auf die Dauer beginnt man aber darunter zu schwitzen. Beim «Wadi» kann dies nicht passieren: Das edle Teil des Zürcher Designers Sacha Steiner besteht aus Funktionsstoffen und ist elastisch, atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend. «Wadi» bietet den höchsten Tragkomfort und eignet sich für längere Strecken. Der etwas höhere Aufwand beim Anziehen lohnt sich. Zudem ist «Wadi» auch einiges schicker als all die herkömmlichen Hosenspangen. Sogar eitle Velofahrer werden damit mal in einen Laden gehen, ohne den Schutz zuvor abzuziehen.
Ein ganz anderer Ansatz, die Hosenstösse sauber zu halten, ist ein Kettenschutz. Entgegen der landläufigen Meinung passt er praktisch an jedes Velo. Auch ein Modell mit einer Mountainbike-Kettenschaltung kann damit nachgerüstet werden. Allerdings ist das Kettenschutzblech umstritten. Das Prestige eines «Kettenschutzfahrers» liegt in gewissen Kreisen unter jenem des «Warmduschers» und steht auf dem Niveau des «Mit-Helm-Einkäufers». Ein Kettenschutz raube dem Velo sämtlichen Sexappeal, frotzeln die Design-Radler. Das wird sich vielleicht ändern, wenn die Zubehörindustrie einen schnittigen Karbon-Kettenschutz auf den Markt bringt. Immerhin machen Nöll und Hebie mit ihren filigranen geschlossenen Kettenschutzteilen den Anfang.

Flecken oder Waden?

Bis hier weitere Neuerungen auf den Markt kommen, kann man sich an der breiten Auswahl der vorgestellten Hosenbänder und -spangen bedienen. Denn: Wenn man schon als Velofahrer erkannt werden soll, dann bitte nicht an den schwarzen Flecken auf der Innenseite des rechten Hosenbeins. Lieber an der guten Laune, die eine morgendliche Fahrt bringt, am wachen Geist und an den durchtrainierten Waden.

 
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