Spezial

Grenzenlosigkeit dominiert

Auch wenn die Entwicklung der Mountainbikes, Rennvelos und Stadt- und Trekkingvelos immer weiter fortschreitet, die grössten Bewegungen entdeckt man 2005 in den Nischen zwischen diesen Kategorien. Mit immer neuen Modellen verschmelzen die verschiedenen Fahrradtypen. Marius Graber

 Die Grenzen zwischen MTB, Trekking-, Stadt- und Rennvelo werden zunehmend verwischt. Das kann als Zeichen für einen gesättigten Markt gesehen werden oder eher dafür, dass VelofahrerInnen die Vielfalt schätzen und sich gerne ein Modell aussuchen, das exakt ihrem Verwendungszweck und ihren Vorlieben entspricht
Ein immer grösser werdendes Angebot so genannter Cross- und Fitnessbikes mit entspannter Sitzposition, geradem Lenker und (teil-)gefedert, bietet einen fast nahtlosen Übergang vom Rennvelo zum MTB. Auch das Querfeldein-Rennrad erlebt ein Comeback, und sogar grössere Firmen wie Cannondale und Focus mischen hier mit. Selbst bei den Touren- und Trekkingvelos wird über den Tellerrand geschielt: Sie werden wieder vermehrt mit Rennlenker und schmalen Reifen ausgerüstet.
Das Rennvelo boomt und beeinflusst andere Fahrradtypen. Die Freude, mit Leichtigkeit durch die Landschaft zu gleiten, wird neu entdeckt. Beim Rennrad zeichnet sich der Trend zu Carbon so deutlich ab wie sonst nirgends: Mit grossem Einsatz des Wunderstoffes drückt Scott mit dem CR1 Limited die Grenzen des seriell Machbaren auf unter 6,5 Kilogramm (bei einem Preis von 13599 Franken!). Als Einzelanfertigungen werden sogar schon Velos unter vier Kilo gefahren. Carbon wird zum Prestigematerial und wird in den nächsten Jahren auch in anderen Velosegmenten eingesetzt werden. Den Anfang macht die Deutsche Firma Maxcycles mit ihrem 7,8 Kilogramm leichten Trekkingrad.

MTBs werden wieder schwerer

Allerdings: Bei den Mountainbikes ist bereits die Gegenbewegung populär. Zwar wird noch immer mit den abgemagerten Race-Modellen geblufft, für Fahrkomfort, Sicherheit und Dauerhaftigkeit sind ein paar hundert Gramm mehr auf der Waage aber absolut salonfähig geworden. Dank immer raffinierterer Federtechnologie können satte Federwege mittlerweile gut kontrolliert werden und sind bei Bergfahrten kein Nachteil mehr. Intelligente Federelemente wie der HVR200 der Bieler Firma DT-Swiss können bereits zwischen Bodenunebenheiten und Fahrereinflüssen unterscheiden.
Das MTB wird immer mehr zum Spielgerät im Wald und im urbanen Siedlungsraum. Hier vermischen sich Bikes und BMX-Velos zu so genannten Dirt Bikes, welche – sehr robust gebaut – einige Strapazen überstehen. Der Style dieser Bikes wird vermehrt auch bei Jugendvelos eingesetzt.
Genüssliches Fahren ist auch bei den Stadt- und Tourenvelos ein Thema. Ergonomische Sättel, Handgriffe, Lenker und Pedale sorgen für ungetrübten Fahrspass. Nachdem Studien widerlegt haben, dass dicke Reifen schlecht rollen, finden sich diese vermehrt auch bei Stadt- und Tourenvelos. Mit geringem Luftdruck gefahren, vermitteln diese Balloonbikes ein Fahrgefühl wie auf Wolken. Das geht dann schon in Richtung Kiss(Keep simple and stupid)-Strategie, in welche auch die in den Naben integrierten Bremsen, Dynamos und Schaltungen gut passen. Diese Ausrüstung wird zum neuen Standard für praktische, problemlose Stadtvelos (siehe Seite 6). Der Deutsche Fahrradbranchenverband VSF schnürt bei seinen All-ride-Konzept zu den wartungsarmen Velos noch ein umfassendes Servicepaket und garantiert damit zwei Jahre sorgenfreie Fahrt.
Ein interessanter Trend zeichnet sich auch bei den Schweizer Velofabriken ab. Nachdem der Bereinigungsprozess vorerst abgeschlossen scheint, nützen die verbleibenden Hersteller in der Schweiz die Nähe zum Kunden und bauen praktisch unisono individualisierte Velos. Das Swiss-made-Velo wird zum Custom-made-Velo: So können KundInnen bei der Ausstattung und der Farbgestaltung mitbestimmen. Sehr schön.

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links oben| Edles Stück: Der Carbonrenner von Scott hat seinen Preis: Schlappe 13’599 Franken!
links unten| Custom-made by Tour de Suisse. Farbe und Ausstattung dürfen gewählt werden.
rechts| Bald der I-Pod für Velofahrende? Der Big-Apple-Reifen hilft über Stock und Stein.
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