Dr. V. Love

Dr. V. Love

Lieber Dr. V. Love
Immer wieder höre und lese ich von Velorowdys. In Zürich liefern sich Gemeinderäte des rechten Spektrums, die Stadtpolizei und die IG Velo regelmässige Leserbriefscharmützel. Neu ist, dass uns dieses frühsommerliche Thema nun bereits im Januar kalt erwischt. Was halten Sie von der Diskussion – und was würden Sie der IG Velo Zürich im Umgang mit diesem unerfreulichen Thema raten?
Heinz D. aus O. a. d. L.


Lieber Heinz D.
Die erste Frage ist doch, wieso dieses Thema eigentlich unerfreulich ist. Für die einen sind die Velorowdys das Problem, für die anderen diejenigen, welche Velorowdys überhaupt erst als Problem sehen. Die einen sagen, rechtschaffene Schweizer Velofahrer würden in die Illegalität abgedrängt, weil sie keinen eigenen Raum auf der Strasse haben, die anderen sehen die Velofahrenden als unverbesserliche Chaoten.
Nun, unsere Welt ist chaotisch. Die Menschen wollen aber Ordnung. Und da die Schweiz keine Armee hat, die weltweit nach Terroristen fahnden kann, und auch keine Flugzeugträger besitzt, mit denen unsere nicht vorhandenen Küsten beschützt werden könnten, muss das Chaos eben konkret auf lokaler Ebene bekämpft werden. Und wer eignet sich da besser als die Velorowdys? Sie sind ein bisschen zu gross, ein bisschen zu schnell und ein bisschen zu frech. Sie werden von korrupten Stadträtinnen protegiert, welche behaupten, dass es zu gefährlich und zu aufwändig sei, sie zu verfolgen. Wir brauchen deshalb eine nationale Lösung. Zum Beispiel könnte eine bundesweite Eingreiftruppe geschaffen werden, die gegen Velorowdys vorgeht. Diese könnte dank Satellitenüberwachung und Geheimarchiven gezielt die schwarzen Schafe identifizieren und … sagen wir: «neutralisieren». Dank Umerziehungslagern könnte die Anwendung von exzessiver Gewalt minimiert, wenn auch nicht ganz ausgeschlossen werden. So hätte die Gesellschaft endlich Klarheit darüber, wer denn nun ein Rowdy ist und wer keiner.
Für die IG Velo brächte diese Lösung den Vorteil, dass sie das Problem des Radikalismus in den eigenen Reihen konstruktiv angehen könnte, da ihre Vertreter als Berater dienen könnten – selbstverständlich nur solange diese auch kooperieren. Die IG-Velo-Leute wären dafür verantwortlich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich stelle mir da ein ähnliches Szenario vor wie bei den Autofahrern: Dort fahren ja bekanntlich alle Schweizer anständig, doch zum Glück gibt es die undisziplinierten Jugos, die an allem schuld sind. Vielleicht müsste die Aufmerksamkeit in Zukunft mehr auf die velofahrenden Jugos gelenkt werden.

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