Test
Das Ende des Glühbirnchens
Länger, heller und zuverlässiger: Die neuste Generation von weissen, superhellen LEDs verdrängt bei der Velobeleuchtung das traditionelle Glühbirnchen. Die modernen Leuchtdiodenlampen sind als Batterie-, Akku- und Dynamoschweinwerfer erhältlich. Eine Übersicht. Marius Graber
Der Traum vom Velolicht, das hell leuchtet und nie mehr kaputt geht,
rückt in Griffnähe. LEDs (light emitting diodes) sind äusserst robust
und gegen Erschütterungen unempfindlich. Deshalb rechnet man pro LED
mit einer Lebensdauer von 100 000 Betriebsstunden. Halogenbirnchen
brennen am Velo ungefähr 100 Stunden – wenn überhaupt. Zusammen mit
Nabendynamo, LED-Rücklicht und einer seriösen Verkabelung ist nun
erstmals eine Lichtanlage realisierbar, die während der gesamten
Lebensdauer eines Velos zuverlässig funktionieren kann.
Die Generation LED
Beim Praxistest beeindruckten die beiden LED-Schweinwerfer für
Dynamobetrieb von Busch und Müller und Basta mit ihrem Licht. Die
Umgebungswahrnehmung, besonders bei nassen Verhältnissen, ist mit dem
bläulich-weissen Licht der LED deutlich besser als mit dem gelblichen
Schein der Glühlampen. Zudem kommen die neuen Diodenleuchten bereits ab
Schritttempo auf maximale Lichtstärke. Einzig bei Geschwindigkeiten
über zwanzig Stundenkilometer sind die besten Halogenscheinwerfer (der
Son E6 oder der Busch und Müller Lumotec Topal) der LED-Generation noch
ein paar Lux voraus. Beim Fahren besonders angenehm aufgefallen ist der
Basta Pilot Steady. Sein Lichtkegel leuchtet harmonisch und
regelmässig. Damit steigt zwar die Blendgefahr, dafür sieht man als
FahrerIn aber mehr von der Umgebung. Die bisherigen Scheinwerfer
bündeln möglichst viel Licht auf ein definiertes Rechteck am Boden, was
zu einem «Röhrenblick» führt – verborgen bleibt, was rechts und links
des schmalen Kegels liegt.
Bei den Batteriescheinwerfern ist vor
allem der niedrige Stromverbrauch der LED interessant. Waren bei den
viel verkauften Halogen-Lampen die Batterien nach rund acht Stunden
schon leer, leuchtet zum Beispiel das Smart Polaris mit einem
Batteriesatz über sechzig Stunden. Damit wird dieses System auch für
den Alltagsfahrer interessant, sinkt doch die Gefahr, dass die Lampe
just dann keinen Saft mehr hat, wenn man Licht braucht. Der «Power
Opticube»-Scheinwerfer von CatEye etwa erreicht eine Ausleuchtung, die
sich mit den besten Dynamoscheinwerfern messen kann, und seine
Leuchtzeit ist mit zwanzig Stunden pro Batteriepackung gut. In Zukunft
bietet der Markt wohl einerseits LED-Scheinwerfer mit extrem langen
Leuchtzeiten, die nicht superhell sind, sowie extrem helle mit deutlich
kürzeren Leuchtzeiten.
Wie hell LED-Scheinwerfer sein können,
dokumentiert die englische Firma USE. Ihr «Exposure»-Scheinwerfer ist
extrem leuchtstark, inklusive Akku ungefähr so gross wie eine Cervalat
und wiegt gerade mal 185 Gramm. Die Energie reicht mit Voll-
beziehungsweise Abblendlicht drei bis acht Stunden. Bisher war für
dieselben Werte ein kiloschweres 32-Watt-Halogen-Akku-System nötig. Die
LED-Generation, die USE für ihren Scheinwerfer verwendet, ist so neu,
dass das Serienmodell erst nach Redaktionsschluss eintraf.
Welches Licht für wen?
Die mit Abstand hellsten Beleuchtungen stellen noch immer hochwertige
Akkulichtanlagen mit Metal-Halide-Leuchtmitteln dar, wie sie die
deutsche Firma Lupine anbietet. Von diesem Hersteller gibt es zudem
einen kombinierten LED/ Halogen-Scheinwerfer, der extrem helles Licht
mit langen Leuchtzeiten verbindet. USE realisiert in dieser Kategorie
ein Akkulicht mit LED. Wer nachts biken will oder sonst sehr rasant in
finsteren Gegenden unterwegs ist, kommt um eine hochwertige
Akkubeleuchtung nicht herum.
Auf sehr dunklen Strecken ohne
Restlicht eignen sich Anlagen mit gutem Dynamo und einem hellen
Scheinwerfer, etwa die getesteten LED-Lampen oder der SON E6 sowie der
Lumotec Topal. Noch heller ist das 12-Volt-Dynamo-System von Busch und
Müller (vgl. velojournal 6/03).
Wer praktisch ausschliesslich auf
beleuchteten Strassen unterwegs ist, muss an den Scheinwerfer weniger
hohe Ansprüche stellen. Besonders wichtig ist hier eine helle
Standlichtfunktion bei den Dynamoscheinwerfern. Dazu eignen sich auch
die preislich attraktiven Batterie-LED-Lampen mit langen Leuchtzeiten,
allerdings ist die Sichtbarkeit von der Seite oft nicht optimal.
Batterie-Halogenscheinwerfer machen nach heutigem Stand der Technik am
Velo keinen Sinn mehr, das neue Zauberwort heisst LED.
Weitere Scheinwerfer auf: www.veloplus.ch (Laborwerte) www.exposurelights.com www.use1.com

