Schwerpunkt
Bei den SBB ist man pedalfixiert
Die Veloparkplätze an den SBB-Bahnhöfen werden künftig mit neuen Ständern ausgestattet:
Nicht mehr die heute übliche Lenkeraufhängung, sondern die Fixierung am Pedal soll zum Standard werden. Doch einen Baufahrplan hat die Bahn nicht. René Hornung
PedalParc heisst das Veloständersystem, das es an einigen
öffentlichen Plätzen bereits gibt. Man schiebt das Rad in eine Schiene
und rastet dann das Pedal in ein Blech ein – so wird das Velo aufrecht
gehalten. Angeschlossen wird das Hinterrad. Hersteller dieses
Ständermodells ist die Schweizer Firma Velopa – jenes Unternehmen, das
auch die heute noch am weitesten verbreiteten Lenkerhalter-Systeme baut.
PedalParc soll nach einer Evaluation am Bahnhof Muttenz zum künftigen
Standard der SBB werden. Getestet wurden drei unterschiedliche Systeme:
Vorderradhalterung, Pedalhalterung und Anlehnbügel. Insgesamt standen
in Muttenz sechs Modelle. Sieger war jene Anlage, in der zwischen
Anfang Juli und Anfang September 2003 am meisten Velos korrekt
abgestellt und auch angeschlossen wurden. Und dies war PedalParc.
Projektleiter Martin Wälti vom Berner Büro für Mobilität betont
allerdings: «Kein System hat nur Vorteile.» Zu den qualitativen
Punkten, die bewertet wurden, gehören unter anderem das einfache Ein-
und Ausparken, ohne dass man sich am Nachbarvelo Ölflecken holt, ohne
Kabel, die hängen bleiben und blockieren – und gute Lichtverhältnisse
beim Abschliessen. Aber auch die Reinigung der Umgebung der
Abstellanlage und die Nutzungsdichte wurden bewertet.
Kippschutz und Felgenkiller
Zusätzlich wurden die Testbenutzer dazu aufgefordert, ihre persönliche
Meinung abzugeben. Daraus sind allerdings keine neuen Erkenntnisse
gewonnen worden. Kritisiert wurden vom Publikum vor allem die
«Felgenkiller», unpraktisches Einfädeln zwischen zwei schon belegten
Plätzen oder die Lenkeraufhängung, die für eine ganze Reihe von
Modellen bekanntlich nicht funktioniert.
Schliesslich wurde im
Muttenzer Versuch auch gezählt, welche Abstellanlagen am häufigsten
gebraucht wurden. Zwar waren jene Ständer, die am nächsten zum Gleis
standen, am besten belegt – eine Erfahrung, die jede und jeder
VelofahrerIn Tag für Tag selbst machen kann. Doch weil im Test darauf
geschaut wurde, wie viele Velos korrekt einparkiert waren, konnte der
Störfaktor «Nähe zum Gleis» in der Gesamtbewertung praktisch
ausgeschlossen werden, so Martin Wälti.
Aufgrund der Untersuchung
soll künftig an den Bahnhöfen das Pedalhalter-System PedalParc
aufgestellt werden – und zwar grundsätzlich unter einem Dach. Unter den
Dächern sollen mindestens 60, wenn möglich aber 75 Prozent
PedalParc-Systeme stehen. Die restlichen Abstellflächen sollen mit
einfachen Kippschutz-Bügeln ausgestattet sein, damit nicht ein
umkippendes Zweirad eine ganze Reihe umwirft. Zwischen diesen einfachen
Bügeln haben auch Mofas, Dreiräder und Anhänger Platz. Aber keine
Motorroller. Sie gehören auf separate Plätze, die – so der
Schlussbericht – auch speziell markiert werden sollen, damit die Roller
nicht länger in den Ständern den Platz von jeweils drei Velos belegen.
Konkret schleppend
Wie viele Veloparkplätze an den Bahnhöfen eingerichtet werden, richtet
sich – so die offizielle Sprachregelung der SBB – nach dem
«durchschnittlichen Regelaufkommen auf der Basis von Zählungen vor
Ort». Was das konkret heisst? Wenn sich zeigt, dass an einem Bahnhof
immer zu wenig Veloabstellplätze vorhanden sind, kümmern sich die SBB
meist zusammen mit den Gemeinden um mehr Platz. Konkrete Zahlen oder
ein verbindlicher Fahrplan, wann welche Stationen mit
PedalParc-Ständern ausgerüstet werden, sind von den SBB nicht zu
bekommen. Die neuen Anlagen würden «durch die laufenden Projekte
definiert», unter anderem auch durch das Programm «Facelifting
Stationen». Klar ist: Dieses Programm kommt nur schleppend voran, denn
inzwischen muss Bern massiv sparen.