Szene

Friedrichshafen im Eurobike-Fieber

Mit über 45000 BesucherInnen bewies die Trendmesse Eurobike Anfang September einmal mehr, dass sie zu den führenden Fahrrad-Weltmessen gehört. Volle Hallen, gute Stimmung gehörten auch dieses Jahr dazu, wie die vielen interessanten Rahmenveranstaltungen. Pete Mijnssen und Marius Graber
 Es hat sich herumgesprochen: Seit es die Messe 2Rad in Zürich nicht mehr gibt, nehmen immer mehr Schweizer BesucherInnen den zwar etwas längeren, aber umso schöneren Trip über den Bodensee unter die Füsse oder unters Rad. Für den informierten Fachhandel ist die Eurobike seit längerem ein «must», aber auch KonsumentInnen, die zum Beispiel einen speziellen Velorahmen suchen, wurden fündig. Denn am deutschen Bodenseeufer, in Friedrichshafen, zeigten die Marktführer auch dieses Jahr ihre Weltpremieren. Trends und Innovationen für die Fahrradsaison 2005 standen im Rampenlicht. Die immer internationaler werdende Messe zog über 900 JournalistInnenen aus 29 Ländern und Besuchende aus 72 Nationen an. Von Andorra bis Australien, von China bis Zypern, von Neuseeland bis Finnland und von Japan über Südamerika bis zu den Niederländischen Antillen reisten die Veloexperten an. «Wir sind ein Globalplayer in Sachen Fahrrad», stellte Messechef Rolf Mohne befriedigt fest und liess die Zahlen sprechen: fünfzehn Prozent plus bei Fachbesuchern und Ausstellern, 27152 Fachbesucher aus aller Welt und 18000 Fahrradfans am Publikums-Sonntag.
Bei aller guten Stimmung durfte auch dieses Jahr das ständige Reizthema nicht fehlen: Wie geht es der Branche? lautet die Frage. Nicht ganz unerwartet, war die Velobranche mit dem letzten, dem Jahrhundertsommer, allgemein zufrieden. Er bescherte ihr ein Umsatzplus von fünf Prozent.

Branche unterschiedlich zufrieden

Uneinheitlich verlief der Verlauf des ersten Halbjahres 2004. Schuld ist einerseits die schlechte deutsche Konjunktur, die fehlende Konsumlust und wie immer in solchen Fällen musste der verregnete Frühling als Erklärung herhalten. Immerhin sind die neuen EU-Mitgliedstaaten mit potenziellen sechs Millionen NeukundInnen eine interessante Herausforderung. Dies veranlasste Manfred Neun, Vorsitzender des Zweirad Gross- und Aussenhandelsverbandes (ZGA), zur spitzen Bemerkung, dass «die Deutschen im Gegensatz zu den asiatischen Mitbewerbern den europäischen Markt tendenziell zu negativ beurteilten». Das zeigte sich auch in den Messehallen: Mit 763 Firmen aus 36 Ländern waren mehr (ausländische) Aussteller denn je an der Eurobike vertreten. Auffällig waren denn auch die vielen MMS-Handys von asiatischen Besuchern. Nach dem Motto: An der Eurobike gesehen, bald in Asien geklont.

Karbon, Karbon, Karbon

Zu sehen gab es viel: Messethema Nummer eins war Carbon und die Möglichkeiten, damit Velos noch leichter zu bauen. Jede Marke, die etwas auf sich hält, zeigte Karbonteile: Rahmen, Felgen, Lenker, Sättel, Bidonhalter ... Die präsenten Karbonhersteller aus China und Taiwan konnten sich vor Anfragen kaum retten. Gleich zwei ausgestellte Rennvelo welche weniger als vier(!) Kilo wiegen, dokumentierten die Möglichkeiten des Materials. Ob alle in den Wunderwerkstoff gesteckten Wünsche erfüllt werden können, wird sich weisen. Die Chancen sind je nach Hersteller recht unterschiedlich. Zum Teil wurde ein materialspezifisches Design entwickelt, zum Teil wurden aber einfach Aluminiumkonstruktionen mit Karbonrohren nachgebaut. Dieses Vorgehen ist weniger erfolgsversprechend. Manchmal schien es, als wäre Karbon nur um des Werkstoffs willen eingesetzt. Besonders gefallen haben die neuen Karbonbikes und Renner von Scott und Giant. Einige wenige Hersteller wenden Karbon bereits im Trekkingbereich an: Maxxycles präsentiert ein Trekkingrad mit einem Gewicht von 7,9 kg, Koga-Miyata rüstet den Terraliner mit einem 1,195 kg leichten Rahmen aus. Der slowenische Karbonspezialist IR.Comp zeigte ein wunderschönes Karbon-Monocoque-Stadtvelo mit tiefem Einstieg und kleiner Gepäckträgerbox. Ob sich der kerbanfällige Wunderstoff im harten Alltags- und Toureneinsatz bewähren wird, muss sich erst noch zeigen.

Verschiedene Konzepte und Trends

Der Trend, Gewicht zu reduzieren, zeigte sich auch bei den Trekkingrädern. Daneben waren aber auch sehr viele Komfortmodelle zu sehen, die mit Big-Apple-Pneus ausgestattet waren. Komfort wird bei den Federgabeln, gefederten Sattelstützen und Sätteln gross geschrieben. Das hoch technisierte Smover-Konzept ist hier das Tüpfchen auf dem i (siehe auch Fahrbericht auf Seite 18). Abgespeckt geht es hingegen weiterhin in Richtung der simplen Velos (DT baut nun ebenfalls Single-Speed-Naben). velojournal präsentiert nachfolgend einige Highlights.

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1| Trolley für den Gepäckträger

Mit einem Klick rastet der neue Hartschalenkoffer von Ortlieb im Gepäckträgeradapter ein. Mit einem Handgriff lässt er sich wieder aus der Verankerung lösen. Ideal also für mobile Menschen welche per öV und Velo unterwegs sind. Ausgestattet ist der Shuttle mit Teleskopgriff, leicht laufenden Rollen zum Hinterherziehen, leichter bruchsicherer Polykarbonathartschale und Aussenmassen, die ihn im Flugzeug als Handgepäck durchgehen lassen. Wie immer bei Ortlieb ist auch der Trolley absolut wasserdicht. Als Pendant dazu gibt es die Tourbox mit den Quick-Lock2-Haken für die seitliche Montage am Gepäckträger Sie kann mit dem Shuttle kombiniert werden.

www.ortlieb.com
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2| Veloreisemobil

Koga-Miyatas neuer Reiseanhänger bedeutet einen Quantensprung im Anhängerbau. Er heisst Chela (tibetanisch für Bergführer, Träger) und ist schon fast ein Wohnmobil. Im Einradanhänger kann die ganze Reiseausrüstung übersichtlich in vier wasserdichten Taschen mit insgesamt 90 Liter Packvolumen versorgt werden. Clever wurden ein kleines Tischchen, ein Klappstuhl, ein Stativ für Fotokamera, Sonnenschirm oder Lampe verpackt. Integrierte Solarzellen versorgen Handy und GPS auch in der Pampa immer mit Strom. Nach der Demontage von Hinterrad und Deichsel entsteht ein einfach zu transportierender Koffer. Praktisch für all jene, welche ihre Ferien nicht vor der Haustür starten, sondern per Bahn oder Flugzeug anreisen. Lieferbar ab Frühling 2005.

www.koga.com
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3| Das BikerZelt

Mister Topeak, der Daniel Düsentrieb der Velobranche, sorgt einmal mehr für eine Innovation: Sein Bikamper-Zelt ist superleicht und kann klitzeklein verpackt weden. Der Clou daran: Anstelle von Zeltstangen wird das Einpersonenzelt auf der einen Seite vom Bike, auf der andern Seite vom demontierten Vorderrad in Form gehalten.

www.topeak.com
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4| Sitzweh ade!

Mit einem individuell anpassbaren Satteldesign steigt SQ-Lab beim Kampf gegen Sitzbeschwerden in eine neue Runde. Auf dem Carbongrundgestell sind bei den Sitzbeinhöckern und im Dammbereich Klettflächen angebracht. Polster-Pads in verschiedenen Dicken und Formen können darauf variabel positioniert werden, bis der Sattel perfekt passt. Der Sattel kann sogar unterwegs verändert werden, etwa wenn Schmerzen auftreten. Dank Hightechmaterialien wiegt das Modell lediglich 135 Gramm. Ebenfalls anpassbar sind die Ergon-Vario- und ITF-Sättel. Letzterer hat Polster, welche mit Wärme verformt und so perfekt auf Form und Abstand der Sitzknochen angepasst werden können. Zum Finden des perfekten Sattels haben SQ-Lab sowie Specialized praktische Messsysteme entwickelt.

www.dersattel.de, www.rtisports.de, www.specialized.com
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5| Stadtfahrer kommen in Mode

Nicht mehr nur Biker und Rennvelofahrer kommen in Genuss von modisch gestylten Kleidern, sondern auch StadtfahrerInnen. Knog aus Australien wurde mit schönen Velotaschen, modischen Veloschuhen (SPD-kompatibel) und raffinierten Batterielämpelchen zum Messethema. Knog verbindet keck Stil mit Gebrauchsfähigkeit. Viele Helmhersteller zeigen vom Styling her spezielle Stadtmodelle. Der Veloschuh Sonoma Women von Specialiced ist nicht nur zu SPD-Pedalen, sondern auch zu Fünfstern-Hotels kompatibel.

www.knog.com.au, www.specialized.com
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6| Ein Herz für Pechvögel

Der deutsche Reifenhersteller Continental startet einen Pilotversuch mit dem Schlauchomat, schliesslich kommt der Plattfuss nicht immer zu Ladenöffnungszeiten. Der Wandautomat hilft gegen Münzeinwurf rund um die Uhr mit den wichtigsten Schlauchgrössen aus der Patsche. Zudem führt Continental die Einjahresgarantie gegen Plattfüsse weiter. Reifen aus der Contact-Familie werden mitsamt dem Schlauch kostenlos ersetzt, wenn sie wegen eines Durchstichs oder Einschnitts ausfallen.

www.conti-fahrradreifen.de
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