Szene
Dickes Lob für Velofreunde
Die IG Velo Schweiz verteilt Blumen und Komplimente: An der feierlichen Verleihung des Prix Pegasus in Liestal erhielten fünf Betriebe die Auszeichnung für ihr Engagement in der Veloförderung.
In der Lounge herrscht Hochbetrieb: Schick gekleidete Damen und
Herren stossen an, kommen ins Gespräch und genehmigen sich
zwischendurch feine Häppchen. Das Geplauder am Buffet bildet den
Abschluss der Verleihung der Förderpreise der IG Velo Schweiz an fünf
velofreundliche Betriebe. Elsbeth Schneider-Kenel, als Regierungsrätin
des Kantons Basel-Landschaft die Gastgeberin des Anlasses, sprach über
den Nutzen und die Dringlichkeit neuer, oder einfach optimierter
Mobilitätslösungen. Sie bewies das mit Zahlen: Im Kanton Baselland
legten vor 30 Jahren erst 25 Prozent der ArbeitnehmerInnen ihren Weg
zur Arbeit mit dem Auto zurück, heute sind es bereits 50 Prozent. In
anderen Kantonen sieht es ähnlich aus. Damit dieser Trend nicht
weitergehe, müsse eine nachhaltige Mobilität entwickelt werden, die
nicht auf den motorisierten Individualverkehr baut. Velo- und
Fussverkehr müssten gefördert und optimal mit dem öffentlichen Verkehr
verbunden werden. Hans-Luzius Schmid, stellvertretender Direktor des
Bundesamtes für Energie, und Jacqueline Fehr, Präsidentin der IG Velo
Schweiz, betonten, wie wichtig die Reduktion des Treibstoffverbrauchs
und die Schaffung von attraktiven Angeboten und Anreizen für eine
nachhaltige Mobilität sei.
Strahlende Preisträger
Gleich
fünfmal wurde der Anerkennungspreis der IG Velo Schweiz an
velofreundliche Betriebe verliehen. Die Gewinner erhielten eine
U(h)rkunde mit dem sinnreichen Spruch «Kommt Zeit – kommt Rad!». Dazu
das Lob für ihr Engagement zugunsten der Velofahrenden im Betrieb. Zum
ersten Mal wurde kein Hauptpreis vergeben, da zwar alle nun
ausgezeichneten Betriebe sehr gute Beispiele für Veloförderung abgeben,
aber nach Ansicht der Jury keiner die Bestnote verdiente. Die Gewinner
freuten sich dennoch über den Preis und sehen sich darin bestätigt,
dass sich das Engagement lohnt. So viele strahlende «Veloförderer» auf
einem Bild vereinigt – das ist beste Werbung für das Velo.
Die fünf velofreundlichen Betriebe 2004
- EAWAG, Dübendorf
- Kantonsspital Luzern
- Psychiatrische Dienste Thurgau, Münsterlingen
- Spital Thun-Simmental AG
- Ville de Genève
Weitere Informationen:
www.igvelo.ch
Mist und Gülle werden gefördert
Der
andere an diesem Anlass verliehene Preis, der grosse Förderpreis von
«Energie Schweiz für nachhaltige Mobilität», ging an das Projekt «Swiss
Farmer Power». Das Projekt nutzt den Umstand, dass Kühe nicht nur den
Muntermacher der Natur produzieren, sondern ebenso den Treibstoff der
Zukunft. Aus Mist und Gülle können bedeutende Mengen Biogas hergestellt
und damit Motorfahrzeuge betrieben werden. Vorgesehen ist auch die
Vermarktung des Mineraldüngers, der als Nebenprodukt anfällt. Die Jury
sieht in diesem Projekt ein grosses Energiesparpotenzial und ist der
Überzeugung, dass die Idee auch gute Umsetzungschancen hat.
Den
Anerkennungspreis erhielt die Stadt Genf mit ihrem Projekt «Bouquet de
transports», einem Strauss verschiedener Massnahmen, die
Mobilitätsbedürfnisse der Mitarbeitenden nachhaltiger abzuwickeln. Ein
wichtiger Teil dieses «Bouquet» ist die Veloförderung, welche der Stadt
Genf ebenfalls zum Preis der IG Velo verhalf.
Und die SBB bewegen sich doch
Im Rahmen der Übergabe der Petition «JA zu Bahn + Velo» erklärten sich
die SBB zu substanziellen Zugeständnissen an die IG Velo Schweiz
bereit. Drohende Sparbefehle der öffentlichen Hand könnten aber
entsprechende Pläne kurzum zunichte machen.
Am 29. Juni übergab Jacqueline Fehr, die Präsidentin der IG Velo
Schweiz, dem Leiter Personenverkehr der SBB, Paul Blumenthal, vier
schwere Schachteln mit 29000 Unterschriften. Die Forderungen der
Petition «JA zu Bahn + Velo» haben seit der Lancierung vor einem halben
Jahr nichts an Aktualität verloren: Abschaffung der unattraktiven
Reservierungspflicht in Intercity-Neigezügen (ICN), Schaffung
zusätzlicher Kapazitäten für den Veloselbstverlad und Beschaffung von
velofreundlichem Rollmaterial. Anlässlich der Übergabe konnte Paul
Blumenthal den anwesenden VerbandsvertreterInnen einige Zusagen machen.
Die ungeliebte Reservierungspflicht in ICN bleibt zwar im Grundsatz
erhalten, doch sie wird in zweierlei Hinsicht aufgeweicht. Erstens
schalten die SBB an Wochenenden zusätzliche Züge, auf denen der
Veloselbstverlad ohne Reservierung möglich sein wird. Zweitens gilt die
Reservierungspflicht ab 2005 nur noch im Sommerhalbjahr, also vom
21.März bis zum 31.Oktober. Im Winter wird auch auf den ICN wieder das
offene System gelten. Die SBB prüfen ferner, die Reservierung für die
ICN auch per Internet zu ermöglichen, nicht aber an den
Billetautomaten. Nach wie vor bleibt das ICN-Rollmaterial das
Grundproblem, ohne welches die Reservierungspflicht gar nicht nötig
wäre. Neues Rollmaterial, das die von der IG Velo geforderten
Multifunktionsabteile enthält, ist nach Aussagen der SBB bis 2010 kein
Thema. Die nachträgliche Umrüstung der vorhandenen ICN-Kompositionen
wäre wohl theoretisch möglich, aber technisch anspruchsvoll und teuer.
Trotzdem haben die SBB versprochen, die Idee weiterzuverfolgen.
Nah- und Fernverkehr unter Druck
Der
Wille der SBB, die Velofahrenden als Kundschaft zu halten und die
Qualität des Veloselbstverlads zu verbessern, ist deutlich spürbar.
Über den geplanten Verbesserungsmassnahmen und dem Bahnangebot
überhaupt hängt aber das Damoklesschwert der Sparübungen auf Bundes-
und Kantonsebene. Im Fernverkehr drohen neben den gesicherten
Grossprojekten am Gotthard und am Lötschberg die vergleichsweise
kleinen Verbesserungen zusammengestrichen zu werden. Bei den Kantonen
als Besteller des Regionalverkehrs besteht die Gefahr, dass aus
Spargründen das Angebot schmerzlich abgebaut wird. Als Folge davon
müsste die Veloklientel froh sein, wenn überhaupt noch Züge fahren.
Christoph Merkli
Neues ECF-Komitee
Am Jahrestreffen des europäischen Radfahrer Verbands in Madrid wurde das Management-Komitee neu gewählt.
Von links: Margreet Steenhuisen-Kuipers, Käthi Diethelm, Ádám Bodor, Stella Fare, Horst Hahn-Klöckner, Mirko Radovanac.
IG Velo in Grenchen gegründet
Mitte Juni hat sich in Grenchen eine neue IG Velo gegründet. Es ist
neben Olten und Solothurn die dritte derartige Organisation im Kanton
Solothurn. Als Kontaktperson fungiert Reto Mosimann, Tel. 032 625 24
44.
Ebenfalls als Vereine gegründet wurden im letzten Halbjahr
die IG Velo Gossau und die IG Velo Winterthur. An beiden Orten sind die
Gruppierungen schon seit Jahren aktiv. Die Vereinsgründungen werden
aber die Position der Velolobby noch verstärken und die IG Velo als
gesamtschweizerische Organisation besser sichtbar machen.
Velokurse als Exportprodukt
Die Velokurse der IG Velo Schweiz gedeihen prächtig. Gegenüber dem
Vorjahr zeichnet sich wiederum eine Zunahme sowohl bei den
TeilnehmerInnen als auch bei den Kursorten ab. Erstmals finden Kurse im
benachbarten Fürstentum Liechtenstein statt. Sie werden von durch die
IG Velo Schweiz ausgebildeten LeiterInnen organisiert und durchgeführt.
Im Juni dieses Jahres durfte die IG Velo Schweiz das Kurskonzept an der
Jahresversammlung der European Cyclists’ Federation in Madrid
vorstellen. Das Interesse der anderen europäischen Velo-Organisationen
war gross. Namentlich der deutsche ADFC will konkret werden und ein
entsprechendes Angebot aufbauen. Der Schweizer Projektleiter Kurt Egli
hat den deutschen KollegInnen konkrete Unterstützung bereits zugesagt.