Schwerpunkt
Cisalpino eröffnet neue Perspektiven
Für Veloverlader waren die Cisalpino-Züge mit ihrem strikten Transportverbot bislang tabu. Weil die Staatsbahn-Tochter jetzt auch konventionelle Züge betreibt, sind Velos plötzlich willkommen. Doch schon bald könnte alles wieder anders aussehen. Peter Hummel
Velo-Bahn-Reisende reiben sich verwundert die Augen: Cisalpino duldet
nicht nur plötzlich Fahrräder, sondern wirbt sogar aktiv für deren
Transport. Bei genauem Hinsehen überrascht zudem die veränderte Optik
der neuen Züge: ein modifiziertes, grau/silber-hellblaues Livree (statt
weiss-dunkelblau) signalisiert nur schon äusserlich, dass es sich hier
nicht um Neige-, sondern um konventionelle Züge handelt, quasi
«Cisalpino light», wie Direktor Lucio Gastaldi in Anspielung auf das
Coca-Cola-Muster diese zweite Marke bezeichnet. Der CIS-Chef sieht
darin aber nicht eine Abkehr vom bisherigen Velotransportverbot,
sondern eine Ergänzung: Während in den ETR-Pendolinos mangels Platz
weiterhin nicht mal Velobags erlaubt sind, führt jetzt der Cisalpino
«Canaletto» und der «Cinque Terre» einen abschliessbaren
Seitengang-Gepäckwagen mit Velohaken mit.
Hintergrund der Neuerungen ist die Anfang Jahr von SBB und Trenitalia
beschlossene rasche Übergabe des gesamten Personen-Bahnverkehrs
zwischen der Schweiz und Italien an die Cisalpino AG. Dies ist aber nur
mit bestehendem, konventionellem Rollmaterial möglich, das mit nicht
grenzüberschreitenden Lokomotiven bespannt wird. Für die ersten beiden
Verbindungen Zürich–La Spezia und Zürich–Venedig wurden bereits 55
Reisezugwagen revidiert. Sie werden als zuschlagfreie EC-Züge geführt,
sollen aber vor allem beim Bar-/Speisewagen und Bordservice das
italienische Ambiente und den gehobenen Komfort der Cisalpino-Züge
garantieren. Als neuer Service wird etwa für Reisegruppen ein bewachter
Gepäck- und Fahrradtransport angeboten.
Nur eine Übergangslösung
In
einer nächsten Etappe folgt zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember
die Umstellung von je drei Zugspaaren ab Basel–Bern und ab Genf, und im
dritten Schritt werden ein Jahr später auch noch die anderen drei
Verbindungen ab Zürich und alle fünf ab Basel–Luzern durch die
Silberzüge abgelöst. Allerdings ist bei den Kursen über die Strecke
Lötschberg-Simplon (wie heute) kein Gepäckwagen und damit auch keine
Velobeförderung vorgesehen; ob die Gotthard-Züge einen Gepäckwagen
mitführen, ist noch nicht entschieden. Bleibt nur zu hoffen, dass im
Rahmen der ohnehin nötigen Revisionen mindestens eine Veloplattform
eingebaut wird.
Allerdings ist bereits jetzt abzusehen, dass
Cisalpinos neue Liebe für die pedalisti nicht ewig währen wird: Die
konventionellen Züge sind nämlich lediglich eine Übergangslösung. Ab
Dezember 2007 wird die neue Flotte von vierzehn
Hochgeschwindigkeits-Neigezügen in Betrieb genommen, die als grosse
Neuerung dann erstmals eine direkte Tagesverbindung nach Rom
ermöglichen – aber ohne Velobeförderungsmöglichkeit geplant sind.
Lediglich noch zwei konventionelle CIS-Züge mit Gepäckwagen sollen dann
ab Luzern (mit Zusteigemöglichkeit in Arth-Goldau) nach Mailand und
Nizza verkehren. Direktor Gastaldi begründet betont, die Beförderung
von Reisenden gehe vor. Immerhin lässt er durchblicken, dass durch den
modularen Innenausbau der neuen Züge der Zugang für die Velos nicht für
alle Ewigkeit verbaut sei. Noch könnten sich also die Cisalpino-Züge am
Vorbild der CityNightLine orientieren, die allein im vergangenen Jahr
11000 Fahrräder transportierten.
Neue Bahn-Angebote
Mit dem «Cinque Terre» in die Ferien
Bereits die ersten beiden seit dem Fahrplanwechsel im Juni verkehrenden
EC-Cisalpino-Zugspaare mit Gepäckwagen bringen neben den vier
Veloverbindungen ab Basel zwei ganzjährige Transportmöglichkeiten von
Zürich nach Italien. Insbesondere der «Cinque Terre» erschliesst eine
attraktive Tourismusregion, die mit sechs Halten zwischen Genua und La
Spezia auch optimal bedient wird. Erforderlich ist eine normale
internationale Fahrradfahrkarte zu 16 Franken, dazu kommt die
obligatorische Reservierung, sie kostet 5 Franken.
www.cisalpino.com www.sbb.ch/velo CityNightLine mit Globalpreisen
Die CityNightLine CNL führte Mitte Juni die früheren Globalpreise
wieder ein. Diese umfassen jeweils Ticket und Reservierung und
vereinfachen damit die Übersicht. Globalpreistickets gibts in fünf
Varianten:
- Globalpreis: ab 122 Franken
- Globalpreis Club Traveller: ab 91 Franken (für Inhaber von Halbtax oder GA)
- Globalpreis Jugendliche/Senioren: ab 98 Franken (für Jugendliche bis 26 und Ältere ab 60 Jahren)
- Globalpreis Kinder: ab 14 Franken (für Kinder bis zu einem Tag vor dem 16. Geburtstag)
- Globalpreis Gruppen: ab 91 Franken (für Gruppen ab elf Personen).
Weiterhin angeboten wird der SparNight-Tarif im Ruhesessel bereits für 45 Franken pro Person und Weg.
www.citynightline.ch