
Der Name Simpel ist Programm: Er steht für einfach zu bedienende,
einfach zu wartende Velos, die nur übers Internet gekauft werden
können. Nach dem ersten Modell Wegwärts mit Nabenschaltung, Nabendynamo
und Rollerbrake erweitert Simpel die Palette jetzt durch das Modell
Vorwärts. Auch hier gilt: Nomen est omen. Ein simples Velo, aber ein
schnelleres, das in die Fitnessecke zielt. So wird anstelle der
Nabendynamobeleuchtung die batteriebetriebene Cat-Eye Opticupe mit
Diodentechnik eingesetzt; zudem werden kompaktere und agilere
26-Zoll-Räder verwendet. Gebremst wird hinten mit der praktisch
wartungsfreien Rollerbrake, vorne mit einer konventionellen V-Brake.
Die Felgenbremse ist zwar wartungsintensiver, hat aber den für
sportliches Fahren angenehmen Biss und ist leichter.
Wer meint,
eine Nabenschaltung passe nicht an ein sportliches Velo, wird hier
eines Besseren belehrt: Die Shimano-8-Gang-Nabe schaltet blitzschnell
und butterweich, auch unter Last. Damit sind auch anspruchsvollere
Steigungen zu meistern. In Kombination mit einem Kinderanhänger reicht
die Übersetzung aber nur für flaches Gelände.
Wer
mehr Gänge braucht, kann zusätzlich die Speed-Drive-Tretlagerschaltung
des Schweizer Ingenieurs Florian Schlumpf einbauen lassen. Die
Speed-Drive wird mit dem Absatz geschaltet, was nach etwas Übung zackig
geht. Damit bleibt Simpel dem Prinzip der geschützten
Getriebeschaltungen treu und erreicht den Schaltbereich eines
Mountainbikes, wobei zugunsten von schnellen Gängen auf extreme
Berggänge verzichtet wurde. Eine – auch optisch – interessante
Kombination. Danach hat man schnellere Gänge als ein Rennvelo, doch für
wirklich steile Strecken fehlt auch dann noch eine Übersetzung.
Mit der edlen Karbongabel folgt Simpel dem aktuellen Modetrend bei den
Rennvelos. Vom versprochenen Komfort, den die Gabel bringen soll, ist
subjektiv aber nicht viel zu spüren. Schlägen den Schrecken nimmt schon
eher der voluminöse, gegen Plattfüsse gesicherte Pneu von Schwalbe, der
Marathon Plus, mit seinem dicken Pannenschutzgürtel. Allerdings nimmt
das hohe Gewicht der Reifen dem Velo einiges an Sportlichkeit und
Spritzigkeit: ein Kompromiss zugunsten der Wartungsarmut.
Die
Kombination von Schloss und Gepäckträger ist auf den ersten Blick
einleuchtend. In der Praxis funktioniert dies aber oft anders: Manchmal
würde man gerne das Gepäck auf dem Velo lassen, auch wenn es kurz
abgeschlossen werden muss. Ein fester Gepäckträger kann jedoch
problemlos nachgerüstet werden.
Das Vorwärts ist ein Stadtvelo, dem etwas mehr Sportlichkeit eingehaucht wurde. Es macht Abstriche bei der Funktionaliät im Alltag, erweitert dafür den Einsatz als Fitnessbike. Ein typischer Kompromiss. Ob er passt, kommt auf die Ansprüche der FahrerInnen an. Wer schon immer auf ein etwas weniger «stieres» Simpel-Modell gewartet hat, wird sich darüber freuen.