Test
Sieben Allrounder für alle Fälle
Im Preisbereich zwischen 1600 und 1800 Franken findet man Allroundvelos, die in einer guten Qualität auch ein paar Annehmlichkeiten über das unbedingt Erforderliche hinaus bieten: Federung, kräftige Bremsen, eine komfortable Schaltung oder eine gute Lichtanlage. Marius Graber
Allerweltsvelos? Natürlich gibt es für Sportliche oder Weltenbummler
spezifischere Velos. Doch die Allrounder bewähren sich auf der
Velotour, in der Stadt und auf der Feierabendrunde. Sie sind der gut
schweizerische Kompromiss und vielleicht gerade deshalb sehr gefragt.
Die Schweizer Traditionshersteller Aarios, Cresta und Tour de Suisse
produzieren im Allroundvelo-Segment seit je interessante Modelle. Doch
auch die Mountainbike-Hersteller engagieren sich immer stärker im
Stadt- und Tourenbereich. Sei es, weil mit Bergvelos kaum noch
Umsatzsteigerungen zu erreichen sind, oder weil sie in den Städten die
Velozukunft sehen. Viele Modelle der getesteten Preisklasse zwischen
1600 und 1800 Franken glänzen mit überraschenden Highlights der
Biketechnik: blockierbare Federgabel (BMC), Scheibenbremsen (Trek) oder
aufwändige Aluminiumrahmen (Scott/Trek).
Punkto
Alltagstauglichkeit haben die Schweizer Hersteller die Nase vorn. Ihre
Modelle verfügen über hochwertige Gepäckträger, Schutzbleche, Ständer,
Schlösser und Lichtanlagen. Auf den ersten Blick scheinen dies
Nebensächlichkeiten, im Gebrauch kann sich aber gerade hier Qualität
bezahlt machen. Klappernde Schutzbleche ärgern, ein schlechter
Veloständer wird schnell zum Nerventöter, mit einem praktischen
Gepäckträger lässt sich das Velo vielfältiger nutzen. Für etwas mehr
Geld gibt es bei manchen Herstellern auch Varianten, die hochwertige
MTB-Technik und hohe Qualität beim Zubehör vereinen.
Revival des Stahlrahmens?
Während
Aarios aus Tradition Stahl verwendet, lanciert Tour de Suisse beim
Silk-Road einen neu konzipierten Stahlrahmen mit einem hochwertigen
Rohr und zeitgemässen Dimensionen; zudem ist er sehr schön verarbeitet.
Das Beispiel zeigt, dass Stahlrahmen sehr steif sein können und
trotzdem kaum mehr wiegen als ein ebenbürtiger Aluminiumrahmen. Weil
das Potenzial moderner Stahlqualitäten im Fahrradbau noch längst nicht
ausgeschöpft ist, könnte dieses Beispiel der Beginn eines Revivals des
Stahlrahmens sein.
An den Testfahrzeugen finden sich
unterschiedlichste Bremssysteme: Aarios verwendet die neuste Generation
der Rollerbrake, eine Art Trommelbremse. Sie ist nahezu wartungsfrei,
gut kontrollierbar und zeigt gute Bremswerte auch bei Nässe.
Einschränkungen gibts einzig bei Passabfahrten mit viel Gepäck und für
sportliche Fahrer. Letzteren ist dieses Modell allenfalls etwas zu
schwer und vorne etwas zu zahm. Am Trek verzögern mechanische
Scheibenbremsen. Mit gutem Erfolg: gleich bleibend hohe Bremswerte bei
Nässe und Trockenheit, wenig Wartung, ideal auch für Tourenvelos. Zu
Unrecht werden sie in Bikerkreisen etwas belächelt. Viel Biss, beste
Dosierbarkeit, einfaches Nachstellen und einfachen Bremsklotzwechsel
bietet die Magura HS33, die hydraulische Felgenbremse beim
Tour-de-Suisse-Modell. Sie verbindet gute Bremswerte,
Wartungsfreundlichkeit und geringes Gewicht, was sie bei
Tourenfahrerinnen und Sportlern zum Geheimtipp macht. Dagegen haben die
konventionellen Felgenbremsen vor allem einen Vorteil: Sie sind leicht
und günstig (und das Geld kann für andere Komponenten investiert
werden). In der Wartung sind sie eher aufwändig, dafür ist diese – im
Gegensatz zur Wartung von Scheibenbremsen – auch vom Laien zu
bewerkstelligen.
Ketten-Nabenschaltungen im Trend
Während
sich die meisten Hersteller einer Kettenschaltung von Shimano bedienen,
sind auch zwei kombinierte Ketten-Nabenschaltungen im Test. Diese haben
den grossen Vorteil, dass die Nabenschaltung auch im Stand betätigt
werden kann. Dieser Vorzug kann das minime Mehrgewicht und die
unbedeutend höheren Widerstände gut kompensieren. Der DualDrive von
Sram bietet dazu intuitiv und einhändig bedienbare Schaltgriffe – ideal
für Schaltmuffel. Beim Konkurrenzprodukt von Shimano, der
Intego-Schaltung, verblüffen die blitzschnellen, weichen Gangwechsel
der Nabenschaltung.
Im Zweifelsfall lieber ungefedert
Im
Vergleich zu den Vorjahren sind die Federgabeln deutlich besser und
robuster geworden. Das Streamer von BMC verfügt über eine Gabel mit
grosszügigen 75-mm-Federweg, die sich auch arretieren lässt, was gerade
bei langen Bergfahrten angenehm ist. Zum Runterbolzen geniesst man dann
aber gerne den Komfort der Federung. Gerade bei höheren
Geschwindigkeiten sind Handgelenke, Arme, Schultern und Nacken deutlich
weniger belastet. Das Angebot an Federgabeln, die auch bei sehr
leichten FahrerInnen gut ansprechen, ist immer noch bescheiden.
velojournal rät: Im Zweifelsfalle besser auf eine Starrgabel
zurückgreifen. Sie fährt sich bequemer als eine zu hart eingestellte
Federgabel.
Fazit
Die
getesteten Velos bekommen durchwegs die Note gut. Etwas abgefallen sind
das Cannondale und das Cresta, weil sie angesichts ihres Preises etwas
schwach ausgestattet sind. Das Scott überzeugt mit dem schönen Rahmen
und dem genialen Cockpit, das Trek mit den Scheibenbremsen. Das BMC
wiederum kommt mit seinem Federkomfort und dem leichten Gewicht gut
weg, das Tour de Suisse mit seinem Stahlrahmen und den guten Bremsen,
das Aarios mit den Rollerbrakes-Bremsen. Cresta, Aarios, Tour de Suisse
bieten viele Wahlmöglichkeiten bei Farbe, Licht, Bremsen und Komfort,
damit man wirklich das Velo bekommt, das man will.
Artikel als PDF herunterladen >