Dr. V. Love
Dr. V. Love
Lieber Dr. V. Love
Soeben habe ich erfahren, dass der
Präsidentschaftsanwärter Howard Dean seine Kirchenzugehörigkeit wegen
eines Veloweges geändert hat. Was halten Sie davon? Und kommt es auch
bei Ihnen in der Schweiz wegen Verkehrsfragen zu religiösen Konflikten?
U.S.R. , New York City
Lieber Herr Rottentotten
Verkehrskonflikte haben in unseren modernen Zeiten Religionskonflikte
abgelöst. In unserer Zeit, die sich dem Geist des Fortschritts
verpflichtet fühlt, hat die Technologie die Dämonen und Teufel aus
alter Zeit ausgetrieben und ersetzt. Zu einem hohen Preis. In der
klassischen Literatur finden sich von Goethe bis Gotthelf Beispiele für
die Macht dieser Geister. Nehmen wir zum Beispiel «Die schwarze
Spinne»: Die unterdrückten Bauern vermögen die an sie gestellten
Anforderungen aus eigener Kraft nicht zu erfüllen. Da erscheint der
Teufel und stellt ihnen seinen Zauberwagen zur Verfügung, damit sie
ihre Lasten ans Ziel bringen können. Der Preis, den er verlangt, ist
die Seele eines ungetauften Kindes.
Die Verbindung zur heutigen
Zeit ist klar ersichtlich: Den Teufel und das Höllenfeuer haben wir
zwar in gigantischen Maschinen gebändigt, die Zauberwagen aus Blech
ausspucken – ganze Armeen davon. Doch fordern diese nicht nur das Leben
vieler armer Geknechteter, sondern auch Milliarden von Franken. Die
Zeiten, in denen der Teufel überlistet werden konnte, sind vorbei.
Stattdessen bringen wir diesen Maschinen gigantische Opfer, wieder und
wieder, ohne dadurch Seligkeit oder Reinheit zu erlangen.
Auch die
Kirche steht nicht mehr unbefleckt da. Sie repräsentiert oft die
Interessen der Wirtschaft und der Autolobby. Die fundamentalen Christen
Bush und Blocher sind dafür gute Beispiele. So bleibt auch der Wechsel
von einer in die andere korrupte Kirche – wie es uns Howard Dean
vormacht – bloss ein wirkungsloser Verzweiflungsakt.
Herzlichst, Ihr Dr. V. Love
Ihre Fragen an:
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