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| Für einmal die grosse
Freiheit: Die Velodemo auf den Champs-Élysées |
Die Stadt Paris, respektive ihr Bürgermeister, empfing die Gäste im
«Hôtel de Ville», einer Art Königsschloss. Bertrand Delanoë ist seit dem
Jahre 2001 Maire, seines Zeichens Sozialist und Chef einer rot-grünen
Stadtregierung. Er und seine rechte Hand für Verkehrsfragen, der Grüne
Denis Baupin, sehen im Velo einen Hoffnungsschimmer für die vom
motorisierten Verkehr gnadenlos gewürgte Stadt.
Dies alles muss man
wissen, um zu verstehen, warum das Grüppchen von 750 Unentwegten aus
allen Erdteilen in Paris derart königlich empfangen und umsorgt wurde.
Kommt dazu, dass Bertrand Delanoë für den zweiten Konferenztag eine
grosse Velodemonstration proklamierte und entsprechende Plakate in der
ganzen Stadt aushängen liess. Rund 8000 Personen – die
TagungsteilnehmerInnen inbegriffen – folgten diesem Ruf und genossen
eine unvergessliche Fahrt zur abendlichen Rushhour durch die eigens
dafür abgesperrten Champs-Élysées.
Der Maire wird wohl selber
gestaunt haben, dass es in Paris überhaupt so viele Velofahrende gibt,
denn sehen tut man diese sonst kaum. Und er wunderte sich nicht als
Einziger: Die französischen Medien übertrugen die symbolträchtige
Demonstration bis in die hintersten Winkel des Landes, was dem Image des
Velos in Frankreich bestimmt förderlich war.
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| Galanter Gastgeber:
Bertrand Delanoë, Bürgermeister von Paris |
Häppchen
im Hôtel de Ville
Nicht genug damit: Bertrand Delanoë lud die
illustre Gästeschar bei anderer Gelegenheit zu sich in die heiligen
Hallen ein und offerierte auf weissem Tischtuch erlesene Köstlichkeiten
von Traiteur und Confiseur. Dies eine Premiere nicht nur für den
Hausherrn und die Stadt Paris, sondern auch für die konferenzgewohnten
Velo-Citizens. Die Gastfreundschaft des Bürgermeisters zeigt es
symbolisch: Die Velo-Lobbyisten haben innerhalb von 25 Jahren den
Aufstieg von der demonstrierenden Randgruppe (1980 vor Bremens Rathaus)
zum Establishment (im Pariser Rathaus) geschafft.
Am selben Abend
wurden die Gäste Zeugen eines zweiten Beweises dafür, dass das
Selbstbewusstsein der VelofunktionärInnen gewachsen ist: Ganz nach dem
Vorbild des Oscars wurde der neu geschaffene Preis «Vélo dans la
publicité» verliehen. Dieser Werbefilmpreis ging an den
Reiseveranstalter Kuoni, auf dessen Reisen man – so die Pointe –
vergisst, beim Anhalten den Fuss vom Pedal zu nehmen.
Paris setzt auf die kleine Königin
Die
Bedeutung, die der Konferenz und damit dem Velo allein schon durch das
Rahmenprogramm zuteil wurde, lässt hoffen, dass es den Pariser
Stadtbehörden ernst ist mit ihrer Veloförderungspolitik. Die «kleine
Königin», wie die Französinnen und Franzosen das Velo liebevoll nennen,
soll endlich den Thron besteigen. Der Blick auf die Strasse zeigt, dass
der Nachholbedarf riesig ist. Darüber können auch die zahlreich
aufgemalten Velopiktogramme auf den Busspuren nicht hinwegtäuschen. Der
Verkehr ist derart chaotisch und unberechenbar, dass Velos gar nicht
hineinzupassen scheinen. Zahlreiche Konferenzbeiträge aus allen Ecken
der Welt machen aber Hoffnung, dass das Velo auch hier einen Beitrag zur
Lösung der Verkehrsprobleme leisten kann. Und dass eine entsprechende
Politik mehrheitsfähig und umsetzbar ist. Diese allseits spürbare
Gewissheit machte den TagungsteilnehmerInnen Mut, an das Potenzial der
«kleinen Königin» auch in der Schweiz zu glauben.
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Millionenstädte proben den Velo-Aufstand |