Test

Das Kleinhirn am Lenker

Velocomputer werden immer raffinierter. Längst können sie einiges mehr als nur Geschwindigkeit, Zeit und gefahrene Distanzen messen. velojournal hat fünf erschwingliche Modelle im Praxiseinsatz getestet. Marius Graber
Bei den «Gümmelern» gehört der Velocomputer schon fast so selbstverständlich ans Velo wie die schwarze Velohose ans Füdli. Und was den Rennvelofahrern billig ist, kann auch Alltags- und Tourenradlern recht sein. Die Angaben über Kilometer, Zeit und Geschwindigkeit sind vielleicht nicht wirklich wichtig, aber schliesslich doch interessant: Wie kurz die effektive Fahrzeit von A nach B doch ist! Wie die vielen Kurzstrecken sich langsam, aber stetig zu einem stolzen Sümmchen addieren! Auf Touren hilft der Velocomputer bei der Orientierung und ist wichtiges Planungsinstrument für weitere Etappen.

Wird das Velo zu Geschäftszwecken eingesetzt, ist das Wissen um die gefahrenen Kilometer unabdingbar. Nur so kann die Nutzung des Velos fair abgegolten werden. Hierfür reicht schon ein einfacher Velocomputer, der Geschwindigkeit, Tageskilometer und Gesamtkilometer errechnet. Je nach Gusto kann man sich aber auch ein Modell zulegen, das noch ganz andere Funktionen hat: Höhenmeter, Temperatur, Stoppuhr, Herzfrequenz/Puls, Kalorienverbrauch – der Velocomputer wird so auch zum Fitnesstrainer (wahlweise mit vorprogrammierten Trainingseinheiten, wie das Modell PowerReport von Busch und Müller) oder zum Routenführer wie Modelle von Ciclosport, die mit Routendaten gefüttert werden können und dann die Navigation im Gelände übernehmen.
Dank der permanent möglichen Stromversorgung durch den Nabendynamo kann der Kilometerzähler gar zum Kleinrechner am Lenker weiterentwickelt werden, der auch Schaltung und Licht steuert, Aufforderungen fürs Kettenölen, Luftpumpen oder für den Service gibt. Die Möglichkeiten sind gross, ob die VelofahrerInnen dies brauchen und wollen, wird die Zukunft zeigen.

Fünf Modelle im Test
Getestet wurden fünf Velocomputer im mittleren Preisbereich um fünfzig Franken. Als Basisinformationen liefern alle getesteten Modelle Angaben zu Geschwindigkeit, Durchschnitts- und Maximalgeschwindigkeit, Tages- und Gesamtkilometer, Fahr- und Uhrzeit. Bei allen ist das Display so aufgeteilt, dass die aktuelle Geschwindigkeit permanent sichtbar ist und man wählen kann, welche Information zusätzlich erscheinen soll. So bleibt das Display einigermassen übersichtlich, wobei sich je nach Gestaltung und Kontrast die Lesbarkeit in der Praxis deutlich unterscheidet.

Tacho-Fetischist unterwegs?
Nein, der velojournal-Tester im Einsatz

Der Velocomputer von Trelock fällt mit seiner Anzeige besonders auf, weil er die Geschwindigkeit, zusätzlich zu den digitalen Zahlen, mit kreisförmig angeordneten Balken anzeigt: Je mehr
Balken, desto höher die Geschwindigkeit. Die Aussagekraft des, wie Trelock es nennt, «optischen Leitsystems» hält sich in der Praxis aber in Grenzen. Sehr überzeugend ist hingegen die einfache, aber praktische Diebstahlsicherung. Ein kleines Metallfederchen kann bei Bedarf auf der Rückseite des Computers eingesetzt werden und verhindert, dass dieser aus der Lenkerhalterung entfernt werden kann. Damit dürfte bereits die grösste Diebstahlgefahr gebannt sein. Eigentlich erstaunlich, dass all die anderen Hersteller sich diesem Thema noch nicht gestellt haben.
Einige Computer wurden für die Verwendung an zwei verschiedenen Velos entwickelt. Schade nur, dass der Computer nicht automatisch umschalten kann. Beim CatEye kann jedes Velo einzeln ausgewertet werden, aber nur, wenn man sich durch den Dschungel der Bedienungsanleitung durchgeschlagen hat. Tourenfahrer können beim SigmaSport die Kilometeranzeige genau auf die Angaben in ihrem Führer abstimmen, so findet man die Abzweigungen auch ohne Kopfrechnen.
SigmaSport hat seinen Computern zudem die Sprache beigebracht. Auf dem Display steht immer geschrieben, welche Informationen zusätzlich zur Geschwindigkeit angezeigt werden, und das erst noch in einer von fünf wählbaren Sprachen. Das schafft besonders für Gelegenheitsfahrer Klarheit.
Fazit: Das Niveau der getesteten Velocomputer ist sehr hoch. Sie bieten viel Information, wären die Bedienungsanleitungen besser gemacht, könnte man sie noch besser nutzen. Der Sigma stellt mit der übersichtlichen Bedienungsanleitung und den Funktionserläuterungen auf dem Display die lobenswerte Ausnahme dar. Aber auch die anderen Modelle haben ihre Vorzüge, zum Beispiel der erwähnte Diebstahlschutz beim Trelock oder das besonders gut lesbare Display des Ciclomaster.

Besser kabellos?

Fast alle Hersteller bieten Modelle an, welche die Signale kabellos von der Gabel zum Computer übertragen. Dies sorgt für weniger Kabelsalat und damit etwas bessere Optik. Doch der Anschaffungspreis eines kabellosen Computers ist um mindestens dreissig Franken höher, zudem muss mit hohem Batterieverschleiss gerechnet werden, da sowohl Sender als auch Empfänger Energie benötigen.
In der Praxis zeigt sich ausserdem, dass Kabellos-Systeme nicht immer zuverlässig funktionieren. Oft müssen Computer und Sender penibel genau aufeinander ausgerichtet werden. Hochspannungs- und Eisenbahnleitungen können die Geräte stören und zaubern obskure Werte aufs Display. SigmaSport will mit der neuen digitalen Übertragungstechnik diese Probleme aus dem Weg geschafft haben. Einzig wenn einem jemand mit demselben System etwas zu nahe kommt, schlägt das Herz des Computers etwas gar wild. Bleibt die Frage, ob trotz allen technischen Leistungen ein sorgfältig verlegtes Kabel nicht doch die einfachere Lösung ist.

Links zu den Produkten:

www.sigmasport.com
www.ciclosport.de
www.intercycle.com

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