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Velomarder: Schätzungsweise 100’000 Velos werden in der Schweiz jährlich entwendet |
Noch vor einigen Jahren wurden in der Schweiz laut Polizeiangaben 60’000
Velos geklaut. Waren es im Kanton Zürich 1999 noch 11’277, sind die
Diebstähle seit drei Jahren unter 10’000 gesunken, letztes Jahr auf
9404. Diese vordergründig positiven Zahlen täuschen: Dahinter steckt
eine Dunkelziffer. Effektiv dürfte die Zahl gesamtschweizerisch weit
über 100’000 liegen. Denn längst nicht mehr jeder Diebstahl wird
gemeldet. Wer mehrmals Opfer eines Veloklaus wird, investiert oft nur
noch in ein «Bahnhofvelo». Eine Folge davon sind verslumte Parkplätze
rund um Bahnhöfe und öffentliche Plätze, sehr zum Ärger von
BenutzerInnen, Passanten und Behörden.
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TIPPS GEGEN LANGFINGER Nach dem Kauf unbedingt Rahmennummer notieren, weil damit ein gestohlenes Velo am einfachsten identifiziert werden kann. Die Kaufquittung aufbewahren. Der beste Schutz vor einem Schaden ist eine gute Versicherung. Der Trend geht zur Neuwertversicherung, abzüglich eines Selbstbehalts von 200 Franken. Velo immer abschliessen, auch wenn man/frau es nur kurz aus den Augen lässt. Velos nie tagelang draussen stehen lassen, schon gar nicht an Bahnhöfen und auf öffentlichen Plätzen. Den besten Schutz bieten grosse Bügelschlösser aus gehärtetem Stahl oder Kabelschlösser (siehe Test nächste Seite). Kabelschlösser taugen allerdings nur als kurzfristige Wegfahrsperre. Ein Rahmenschloss kann diesen Dienst auch erfüllen und ist als Ergänzung sinnvoll. Velo an Pfosten, Zäunen oder Veloständern anbinden. Hölzerne Abschrankungen, Metallketten oder Pfosten mit demontierbaren Verkehrsschildern bieten nicht genug Sicherheit. Sicherheitsvorrichtung mit Rädern und Rahmen verschlaufen. Darauf achten, dass nicht bloss leicht demontierbare Teile wie Räder oder Sattel angebunden werden – sonst kann es sehr leicht passieren, dass der Rest des Bikes spurlos verschwindet. |
Immer mehr «Leichen» an den
Bahnhöfen
Der Verkehrsplaner Jean-Louis Frossard schätzt aufgrund
neuerer Untersuchungen, dass rund um die Bahnhöfe in Zürich bis zu einem
Viertel der Velos «Leichen» sind. So wird das Sicherheitsproblem
zunehmend zu einem Entsorgungsproblem. Abgesehen vom
volkswirtschaftlichen Schaden von geschätzten 100 Millionen Franken
jährlich, der durch den Veloklau entsteht.
Was für den Einzelnen ein erheblicher Schaden sein kann, sind trotz den
ausbezahlten 50 Millionen für die Versicherungen noch immer Peanuts. Der
gebeutelten Kundschaft bieten sie allenfalls eineNeuwertversicherung an
und benutzen diese als «Türöffner» für weitere Policen. Nach
mehrmaligem Klau zahlen die Versicherer oft aber nur noch den Zeitwert,
was Velofahrende dazu bewegt, nur noch in billige Fahrzeuge zu
investieren. Auch die Velobranche hat deshalb wenig Freude an dieser
Entwicklung: Statt neue werden «Bahnhofvelos» gekauft. Der Abwärtstrend
beschleunigt sich, eine Spirale, die niemand will. Das Velo als
(praktisches und geniales) Verkehrsmittel endet als zu entsorgender
Schrott auf öffentlichen Plätzen. Eugen Vetter vom Projekt Veloindex
rechnet mit sechs Franken pro Velo. Über eine vorgezogene
Entsorgungsgebühr, die bei rund zwanzig Franken liegen müsste, wird beim
Bund schon länger nachgedacht.
Welches System in Zukunft?
Derweil beissen sich Verbände und Private seit Jahren die
Zähne an Verbesserungsvorschlägen bezüglich Registratur und Sicherheit
aus. Auch das Projekt Veloindex, das bereits vor drei Jahren «kurz vor
der Umsetzung» stand, wird gemäss dem Initianten Marc Nordman nun erst
«dieses Jahr als Projektstudie dem Bund vorgelegt werden». Darin werden
Alternativvorschläge zum jetzigen Registriersystem samt Vignette
vorgestellt, laut Vetter ist sie nämlich «überflüssig und ein
administrativer Kraftakt für alle».
Einen anderen Vorschlag gibt es aus Velokreisen, eine Anregung, die auch
im Leitbild Langsamverkehr des Bundesamtes für Verkehr (siehe auch vj
3/03) formuliert ist: der «Velovignetten-Zuschlag». Damit könnte ein
Steuerungsinstrument geschaffen werden, das zwar nicht alle, aber einige
zentrale Probleme der Veloförderung einer Lösung einen Schritt näher
bringen würde.

Schlösser im Test: Würgen und sägen
pmh. Getestet wurde in der Werkstatt des Fachgeschäfts VeloPlus in
Wetzikon. An der Werkbank wurde ein gehobenes «Klauniveau» simuliert.
Gewählt wurden bewusst hochwertige Bügelschlösser und einige
Alternativen beziehungsweise populäre «sichere» Schlösser. Verzichtet
wurde auf Kabelschlösser, die vor allem im städtischen Velo-Alltag nur
als Kurzzeit-Wegfahrsperren zum Einsatz kommen sollten. Nur hochwertige
Bügelschlösser bieten genügend Schutz, was unser Test einmal mehr
zeigte.
Erste Runde: Die Schlösser wurden zuerst mit Trickwerkzeugen
(Picking-tools) gekitzelt und dann einer ersten Bolzenschneidertortur
unterzogen. Hier kam es bereits zur ersten Überraschung: das Specialized
von Wedlock machte beim geschickten Gebrauch eines Dietrichs schon nach
ein paar Sekunden schlapp.
Zweite Runde: Hier wurde die Handsäge angesetzt. Das Specialized liess
sich so in Minutenschnelle öffnen. Das Sigma verbog sich zwar unter der
brachialen Gewalt des Hammers, liess sich aber dennoch nicht öffnen.
Alle anderen zeigten sich abgesehen von ein paar Kratzern
unerschütterlich.
Dritte Runde: Mit der Flexscheibe lässt sich bekanntlich jedes noch so
starke Schloss öffnen. Das Durchtrennen der Stahlhülsen des Steel o Flex
von ABUS dauerte so knapp 45 Sekunden, und das darunter liegende
Stahlkabel war innert Sekunden entzwei. Beim Sigma dauerte diese
Behandlung eine Minute – halb so lang wie beim ABUS Granit und beim
Trelock. Diese beachtlich kurzen Werkstatt-Resultate werden im Freien
mit einem Akkugerät wohl kaum erreicht.
Fazit: Ausser dem Specialized haben alle getesteten Bügelschlösser gut
bis sehr gut abgeschlossen. Im Kampf gegen den Velodiebstahl, aber auch
beeinflusst durch Modeströmungen, werden dem technisch perfekten, aber
begrenzten Bügelsystem immer wieder neue Lösungen abgerungen, wie
Specialized und Sigma zeigen. Und: Ein sehr gutes Bügelschloss ist
bereits für weniger als hundert Franken erhältlich. Gute Schlösser
müssen nicht teuer sein, aber nicht jedes teure Schloss ist gut.
Diese Tabelle als ![]()
im Internet:
www.specialized.com
www.veloplus.ch
www.fuchs-movesa.ch
www.wernibeck.ch