Er ist 33 Jahre alt, 72 Kilogramm schwer
und 1,79 gross. Stefan Glättli ist von Beruf Controller bei einer
Privatbank und seit 1993 passionierter Triathlet. Fürs Interview schlägt
er vor: «Wir treffen uns in Adliswil und radeln um den Zürichsee.» In
Ordnung, denke ich mir, für eine sportlich-gesundheitliche Reportage
muss das sein. Obwohl die Temperaturen steigen, der Asphalt dampft und
die Auspuffgase Atemwege und Sinne vergiften, bestätige ich: «Stefan,
wir treffen uns in der Badi und fahren um den See.»
Stefan ist flexibel, wir schwimmen zuerst im 25 Grad warmen
Zürichsee, es ist erfrischend. Und dabei schildert er sein
Trainingsprogramm: «Ich trainiere von Januar bis Juli, also bis zu den
ersten Wettkämpfen, zehn bis zwanzig Stunden pro Woche. Im Herbst und
Winter eher weniger, etwa drei bis vier Stunden.»
Um bloss 54 Sekunden verpasste Stefan Glättli vor zwei Jahren
die Qualifikation für den «Ironman» in Hawaii. Das war ärgerlich,
spornte ihn aber an, noch mehr zu trainieren. Und inzwischen hat er
bereits 15 Langstrecken-Triathlons bestritten. «Mein Ziel ist das
perfekte Rennen in allen drei Disziplinen. Dann habe ich wohl die
Genugtuung: Es war alles optimal, ich fühle mich gut und zufrieden. Wenn
es nicht so gut läuft, bin ich sehr frustriert, denke mir, ich habe so
viel trainiert, und es hat nichts dabei herausgeschaut.» Das seien
jeweils ganz schwierige Momente, dann komme regelmässig der Gedanke auf:
«Warum tue ich mir dies alles an?»
Stefan hat ein äusserst volles Programm. Er arbeitet acht bis
neun Stunden, dann trainiert er zwei bis drei Stunden, und dann ist
auch noch Nachtleben angesagt. «Die sozialen Kontakte kann ich nur so
aufrechterhalten. Abends weggehen, Freunde treffen, ist für mich
wichtig.» Natürlich leide darunter die Erholung. Stefan schläft zu wenig
und kommt morgens oft nicht aus den Federn.
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Interview: Béatrice Gaudenzi |