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Bringts die Scheibenbremse?

Scheibenbremsen werden immer häufiger auch an Touren- und Alltagsvelos angeboten. Bringt die neue Bremsengeneration auch dort echte Vorteile, oder wird einfach mit trendiger MTB-Technologie gelockt? Ein Überblick. Text: Marius Graber, Foto: Gian Vaitl
Bei einer ersten Probefahrt überzeugen die Scheibenbremsen durch ihr leichtes Ansprechen. Gebremst wird mit wenig Handkraft. Anders als bei den verbreiteten Felgenbremsen verzögert die Bremse nicht überraschend und ruckartig, sondern ist sehr fein zu dosieren. Dass die Scheibenbremse auch bei Nässe die praktisch identische Verzögerung bringt und durch Bremsabrieb verschlissene Felgen kein Thema mehr sind, sind zwei echte Pluspunkte.

Scheibenbremsen unterteilt man in mechanische und hydraulische Systeme. Gemeint ist damit die Kraftübertragung vom Bremshebel zur Bremse mittels konventionellem Bremskabel (mechanisch) oder einer Öldruckleitung (hydraulisch). Die mechanischen Modelle, bei Technik-Freaks zu Unrecht etwas verpönt, brauchen mehr Handkraft, sind aber in der Not einfacher, mit gewöhnlichem Velowerkzeug und Know-how, zu warten. Die hydraulischen Systeme glänzen mit besonders geringen Bedienkräften und guter Dosierbarkeit. Sie haben zudem mittlerweile fast durchwegs eine automatische Belagsnachstellung, das heisst, abgenutzte Beläge müssen nicht nachjustiert werden. Daraus ergibt sich eine wartungsfreie Bremse, bis der Belag gewechselt werden muss. Die Hydraulikleitungen selbst sind äusserst problemlos und sehr robust.

Schwerer als herkömmliche Bremsen
Alles deutet darauf hin, dass die Scheibenbremsen-Technologie einen Beitrag zu wartungsärmeren Velos leistet. Die Technik ist ausgereift, im Normalbetrieb bewährt sich das System sehr gut. Besonders die Modelle von Shimano haben auch den Winterbetrieb (Salzwasser, Schneematsch, Kälte) problemlos überstanden. Man muss sich aber bewusst sein, dass die gleiche jahrelange Erfahrung wie bei Felgenbremsen noch nicht vorhanden ist. So wird heute noch manchmal für «Nebensächlichkeiten» wie die Montage eines guten Ständers oder einer Anhängerkupplung nach sinnvollen Lösungen gesucht.
Allen Vorteilen zum Trotz werden besonders Gewichtsfetischisten und geräuschempfindliche Menschen weiterhin auf die Felgenbremsen zurückgreifen: Die Scheibenbremsen sind noch immer schwerer, insbesondere die preisgünstigen Modelle (rund 300 Gramm). Selbst eine optimal justierte Bremse gibt von Zeit zu Zeit kleine Schleifgeräusche von sich. Diese kosten zwar keine Kraft, allenfalls aber Nerven. Übrigens treten diese Schleifgeräusche auch bei teuersten Autos auf, nur dass man sie, ob all dem Motorenkrach, nicht hört. Dennoch: Wer nicht zu einer der beiden Gruppen gehört, sollte die Scheibenbremse in Betracht ziehen und allenfalls eine Probefahrt machen. Der moderate Aufpreis ab rund 250 Franken steht in einem guten Verhältnis zum damit einhergehenden Bremskomfort, der Wartungsarmut und der Sicherheit.

Unterschiedlich bissig

Scheibenbremsen, insbesondere die hydraulischen, werden mit verschieden starken Bremsleistungen angeboten. Gelegenheitsfahrer kommen normalerweise mit einer etwas weniger bissigen Version besser zurecht. Für Reisevelos, die mit viel Gepäck gefahren werden, empfiehlt sich allerdings eine stärker belastbare Scheibenbremse aus dem MTB-Freeride- oder dem Downhill-Bereich oder ein für Tandems zugelassenes Modell.
Aufgepasst bei hydraulischen Scheibenbremsen: Diese ertragen das «Auf-den-Kopf-stellen» oder das Aufhängen am Vorderrad (zum Beispiel im Zug) schlecht. Dabei kann nämlich Luft ins System gelangen, wodurch sich die Bremsleistung verschlechtert.
Das Nachrüsten von Scheibenbremsen auf bestehende Velos setzt am Rahmen und an der Gabel Änderungen voraus. Da eine gute Scheibenbremse einiges kostet und die Räder ebenfalls über eine Befestigungsmöglichkeit für die Bremsscheibe verfügen müssen, ist das Nachrüsten in vielen Fällen nicht gerade billig.

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