Test
Mit Sack und Pack über Stock und Stein
Wer in diesem Sommer Lust auf eine ausgedehntere Reise auf zwei lautlosen Rädern hat, braucht deswegen nicht gleich ein neues Velo zu kaufen: Fast jedes Mountainbike lässt sich in ein langstreckentaugliches Tourenbike verwandeln. Wir haben ein paar Tipps parat.
Der Frühling hat schon in den Waden gejuckt
und mit Ausfahrten gelockt. Der Ausblick auf den Sommer lässt den Wunsch
aufkommen, die Ferien mit dem Velo zu verbringen. Doch wie kommt Frau
oder Mann zum geeigneten Tourenbike? So viel vorweg: Wo ein Mountainbike
(oder auch ein robustes Rennvelo) im Keller stehet, ist die
Ausgangslage gut, um mit geringem Aufwand zu einem taugliches Tourenvelo
zu kommen.
Das Mountainbike (MTB) eignet sich aufgrund seines stabilen
Rahmens, des grossen Gangspektrums und der kräftigen Bremsen gut zum
Umbau in ein Reisevelo. Um Gepäck zu transportieren empfiehlt sich hier
die Montage von Gepäckträgern. Das Gepäck im Rucksack mitzuführen, ist
wenig attraktiv, wenn man dies auf dem Gefährt anbringen kann. Kommt
eine komplette Campingausrüstung mit auf die Tour, lohnt es sich, das
Gepäck auf einen hinteren und einen Vorderrad-Gepäckträger zu verteilen
und mit vier Taschen zu fahren. Die Low-Rider-Gepäckträger ermöglichen
ein tieferliegendes Anbringen der Taschen vorne, wodurch das
Lenkverhalten des Velos kaum beeinträchtigt wird. Während bei
ungefederten MTBs meistens ganz normale Gepäckträger montiert werden
können, gibt es für Federgabeln und vollgefederte Bikes inzwischen ein
breites Angebot an speziellen Gepäckträgern.
Die Alternative:
Reiseanhänger
Eine interessante und kaum schwerere Alternative
ist der Reiseanhänger. Während Gepäckträger vorne und hinten (700 und
500 Gramm) und zwei PaarTaschen (1800 und 1600 Gramm) auf ein
Gesamtgewicht von 4,6 Kilo kommen, wiegen die leichtesten Anhänger
inklusive Tasche nur 5.7 Kilo und sind sogar günstiger wie die
Taschen-Träger-Kombination. Bei guter Bereifung ist der Rollwiderstand
mit Anhänger nur geringfügig höher. Dafür ist besonders bei der Anreise
mit dem öffentlichen Verkehr das Handling mit nur einer Anhängertasche
viel einfacher als mit vier oder fünf Velotaschen. Hier überzeugt im
Besonderen der Cyclone-Anhänger als «fahrende Reisetasche». Ausserdem
müssen am Velo kaum Veränderungen vorgenommen werden und es kann, zum
Beispiel für einen Tagesausflug, als waschechtes Mountainbike genutzt
werden.
Aufgepasst, wer mit einem voll gefederten Bike auf Reisen
gehen will: Gepäckträger oder Einradanhänger (wie etwa der Bob Yak)
erzeugen hohe Seiten- und Torsionskräfte. Dafür sind die Federungen aber
nicht ausgelegt. Bei hoher Belastung können Gelenke oder Federelement
Schaden nehmen. Zwar ist nicht jede Konstruktion, nicht jedes
Federelement gleich anfällig, wer jedoch auf Nummer sicher gehen will,
erkundigt sich am besten beim Velohersteller, welche Gepäckmitnahme
zugelassen ist. Doch nicht immer kann mit einer Antwort gerechnet
werden. Auf eine Anfrage von velojournal antwortete nur gerade ein
Viertel der angefragten Firmen, nur zwei Antworten waren brauchbar.
Problemlos fährt es sich mit Zweispuranhänger (wie der Vitelli
Camping oder der Cyclone von Radical-Design) oder mit Gepäckträger, die
an den Sattelstützen befestigt werden, die allerdings nur kleinere
Lasten tragen.
Für eine Ferientour ist nicht nur ein Gepäcktransport wichtig.
Nötig sind auch Schutzbleche. Ansteckbare Kunststoffteile bieten bei
genügender Länge und Breite guten Schutz und sind schnell montiert. Fix
montierte schützen noch besser. Ein guter Helfer auf Touren ist zudem
ein stabiler Ständer. Leider passt nicht jeder Ständer an jedes Velo.
Reisekomfort
Wie mit so manchem Komfort, ist es auch mit der
Federung: Solange man sie nicht hat, vermisst man sie nicht. Wer jedoch
länger mit Federung gefahren ist und sich an den zusätzlichen Komfort
gewöhnt hat, möchte ihn nicht mehr missen. So tun sich vor allem
Fully-verwöhnte Mountainbiker schwer, mit einem ungefederten Velo auf
Tour zu gehen. Doch auch Fullys lassen sich für Reisen nutzen, einige
wenige Hersteller bauen vollgefederte Reisevelos (zum Beispiel der
deutsche Hersteller Riese-Müller mit seinen Delite-Modellen). Aber auch
ein Hardtail, ein hinten nicht gefedertes Velo, lässt sich weicher
machen. Untersuchungen der Sporthochschule Köln haben ergeben, dass eine
gute, auf den Fahrer abgestimmte gefederte Sattelstütze für die
Lendenwirbelsäule bis zu 25 Prozent Komfortgewinn bringt, eine gute
Federung hinten bringt bis 33 Prozent. Die Auswahl an gefederten
Sattelstützen ist mittlerweile gross, wobei es sich für maximalen
Komfort lohnt, ein etwas teureres Modell zu kaufen.
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1| Tubus
Der bekannte Gepäckträger-Hersteller produziert
unter anderem mit Swing auch ein federgabeltaugliches Modell. Dank der
universellen Befestigung passt es an viele Federgabeln. Das Gepäck
gehört dabei zur gefederten Masse, damit das Fahr- sowie das
Federverhalten nicht negativ beeinflusst werden. Leider ist der
Gepäckträger nur für Federgabeln mit einem Federweg von maximal 65
Millimetern zugelassen (und davon gibt es gar nicht mehr so viele). Die
Montage ist etwas gar fummelig und sollte wenn möglich dem Fachpersonal
überlassen werden. Wie für Tubus üblich, ist der Swing aus einem
CrMo-Stahlröhrchen gebogen und sauber verlötet.
Neu ist der Tubus-Hinterradgepäckträger «Logo Expedition».
Dank einer zusätzlichen Strebe können die Gepäck-taschen tiefer und
sechs Zentimeter weiter hinten angebracht werden. Vor allem für Menschen
mit grossen Füssen bringt dies eine entscheidende Komfortsteigerung:
Die Füsse streifen so nicht mehr immer an den Taschen.
Tubus Swing Fr. 169.–, Tubus Logo Expedition Fr. 159.–,
Velok, Tel. 01 838 60 50
www.velok.ch / www.tubus.net
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2|
Pletscher Quick-Rack
Wer sein Velo oft mit, aber auch oft ohne
Gepäckträger fährt, findet bei Pletscher ein gute Lösung: Mit fünf
Handgriffen ist der Träger ans Bike gebaut und auch ebenso schnell
wieder weg. Er passt fast an jedes Rennvelo und MTB, jedoch nicht an
Fullys. Zugelassen ist er für Gewichte bis 30 kg und dank dem cleveren
Drei-Punkt-Adapter auch zum Befestigen von Kindersitzen geeignet.
Typisch für den Schweizer Träger ist die in ihrer Qualität unerreichte
Gepäckklammer, die vom Badetüechli über den Einkaufskorb bis zur
Steuererklärung alles packt; Fr. 73.50.
Pletscher, Tel. 052 305 46 46
www.pletscher.ch
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3| Old Man Mountain
Der amerikanische Gepäckträgerhersteller Old
Man Mountain hat in seinem Sortiment eine Reihe von Gepäckträgern, die
sich praktisch an jedem MTB montieren lassen. Clever: Als
Befestigungspunkte werden der Schnellspanner des Rades sowie die
Bremsnocken benutzt. Und da nahezu jedes Velo über solche Teile verfügt,
passen diese Gepäckträgermodelle überall – auch an Federgabeln oder
Fullys, wo sonst guter Rat teuer war. Die Montage geht problemlos und
schnell, für Sonderfälle (wie zum Beispiel mechanische Scheibenbremse)
gibts enbefalls Lösungen. Ideal also für Mountainbikes, die für die
Ferien zum Reisevelo umfunktioniert werden. Zwar gehören die Modelle
nicht zu denen mit der grössten seitlichen Stabilität und Steifheit, bis
zum angegebenen Maximalgewicht fahren sie sich aber noch genügend gut.
Der Hinterradgepäckträger Cold Springs Expedition kostet
Fr. 189.–, der Ultimate Lowrider Fr. 129.–, für vorne ist für Fr. 164.–
ebenfalls ein Highrider erhältlich.
Tuttobene, Tel. 032 353 11 44
www.tuttobene.ch oder
www.oldmanmountain.com
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4|
Bob Yak / Radicaldesign Cyclone
Der legendäre Bob Yak besticht durch seine
schlanke Bauform und folgt so flink durch das Grossstadtgewühl und
Geländepassagen. Der wasserdichte Packsack schluckt das Reisegepäck. Neu
gibt es den Yak auch in einer gefederten Ausführung für mehr Laufruhe
auf ruppigen Pfaden. Fr. 495.-
Eine Reisetasche auf Rädern? Aber ja, der Cyclone lässt
sich im Nu vom Reiseanhänger in eine Reisetasche verwandeln: Deichsel
und Räder sind mit ein paar Handgriffen weg und im Innern der Tasche
versorgt. Mit seinem geringen Gewicht von 5,7 Kilo (inkl.
100-Liter-Gepäcktasche) ist er eine interessante Alternative zu
Gepäckträgern und Taschen. Er ist auch für Faltvelo-Reisende
interessant: In einem Gepäckstück das Velo, im andern die ganze Bagage –
so reist es sich gut. Speziell für Falt- und Liegevelos ist auch ein
kürzerer Deichsel lieferbar. Hochwertig und gut verarbeitet und mit
einer simplen, präzisen Kupplung ausgestattet; ca. Fr. 600.–.
Vitelli, 061/361 70 70, www.vitelli.ch
Novosport, Tel. 0049 2202 979 168
www.radicaldesign.nl
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5| Schwalbe Big Apple
Der Ballonreifen ist zurück! Die Idee von
Schwalbe ist bestechend: Ein breiter Reifen, mit wenig Druck gefahren,
absorbiert Schläge und Unebenheiten. Damit will man nicht ein
ausgefeiltes Full-Suspension-Bike konkurrieren, sondern möglichst simpel
möglichst viel Fahrkomfort erreichen. Und das klappt ganz gut: In ihrer
Untersuchung misst die Kölner Sporthochschule dank Big Apple 25 Prozent
weniger Beschleunigungen an der Lendenwirbelsäule (mehr darüber unter
www.projekt-wellcom.de). Und wer vor dem hohen Widerstand halb-platter
Pneus Angst hat, irrt in diesem Fall: Da breite Reifen bei gleichem
Druck leichter laufen als schmalere, nimmt der Rollwiderstand gegenüber
einem Standardreifen nur minim zu. «Big Apple» ist erhältlich in den
Dimensionen 26x2.0", 26x2.35, 50x622 und 60x622; Fr. 40.–.
Komenda, Tel. 071 277 63 81
www.schwalbe.com
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6| Faiv
Den deutschen Ingenieur Ulrich Artmann hat wohl
seine Liebe zu Velotouren und zum Fahrkomfort angetrieben, einen
federgabeltauglichen Lowrider zu bauen, der das Gepäck mitfedert.
Herausgekommen ist ein solider und gescheit konstruierter Träger, der
auf fast alle Federgabeln passt. Die Montage ist etwas aufwändig, dafür
wird man mit einem sehr angenehmen Fahrkomfort belohnt. Das Modell wurde
bereits einige Male auf Expeditionen erprobt und ist wohl zurzeit das
Beste, was man sich für ein gefedertes Reisevelo zukaufen kann; Fr.
295.–.
Vitelli, Tel. 061 361 70 70.
www.vitelli.ch oder www.faiv.de
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