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Einmal jährlich gehört die San Francisco Bridge nur den FussgängerInnen und Velofahrenden |
Kritik am Begriff
Langsamverkehr
Absicht des Bundes ist es, mit dem noch etwas
ungeläufigen Begriff «Langsamverkehr» (LV) alles unter einen gemeinsamen
rechtlichen und Finanzierungs-Hut zu bringen, was sich – im Prinzip –
ohne Motor bewegt: Wanderer, Fussgängerinnen, Velofahrende und alle
«neuen Formen» der Human Powered Mobility (HPM) – vom Rollschuh bis zu
den «Fägs», den Fahrzeug-ähnlichen Geräten (womit im Wesentlichen
Kickboards und Co. gemeint sind). All diese Verkehrsarten sollen – so
die hehre Absicht von Verkehrsminister Moritz Leuenberger – im Bereich
Langsamverkehr im Bundesamt für Strassen betreut werden. Und der
Langsamverkehr soll in der Verkehrspolitik und -planung zum dritten
Pfeiler neben öffentlichem und motorisiertem Individualverkehr werden.
Zu diesem Leitbild konnten offiziell bis Ende April Parteien und
Verbände, Kantone, Gemeinden und alle, die sich fürs Thema
interessieren, Stellung nehmen. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe von
velojournal war das Vernehmlassungsresultat noch offen, denn es wurden
verschiedene Fristerstreckungen verlangt. «Im Ganzen kommen wir aber
nicht schlecht weg», weiss der stellvertretende Bereichsleiter Gottlieb
Witzig nach der groben Durchsicht der bisher eingetroffenen Antworten.
Kritik gabs an Details, darunter auch am Begriff
Langsamverkehr (siehe Kasten). Doch die von der IG Velo geäusserte
Befürchtung, der Langsamverkehr sei zu stark auf touristische Angebote
ausgerichtet, zerstreut Gottlieb Witzig. Hier habe man bei den
Erläuterungen zum Leitbild vielleicht die Akzente etwas falsch gesetzt.
Klar sei, dass Fuss- und Velowege gerade im Alltagsverkehr immer
wichtiger würden und künftig nicht mehr stiefmütterlich behandelt werden
sollten.
Die IG Velo hat zusätzlich zur Stellungnahme zum Leitbild noch
eine Grundsatzbemerkung gemacht: «Die Förderung der motorlosen
Mobilität muss nebst effektiven Fördermassnahmen auch Massnahmen zur
Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs umfassen, um
überhaupt wirksam sein zu können.» Verlangt werden unter anderem
Parkplatzbewirtschaftung oder Besteuerung besonders umwelt- und
sicherheitsbelastender Fahrzeuge.
Leider kein
Gesamtverkehrskonzept
Dazu macht der Langsamverkehr-Fachmann allerdings
eines klar: «Wir können kein Gesamtverkehrskonzept machen.»
Langsamverkehr sei mit einem von verschiedenen Zügen zu vergleichen, die
jeweils von verschiedenen Loks gezogen werden und in teils
unterschiedliche Richtungen fahren: Die einen in Richtung Strassenbau,
die nächsten in Richtung Agglomerationsverkehr, die dritten in Richtung
öffentlicher Verkehr. An all diesen Zügen sind Waggons der verschiedenen
Interessengruppen angehängt. Der Langsamverkehr – einmal durch das
Leitbild legitimiert – wird künftig überall «mitfahren», also mitreden
können.
Noch komplizierter wird die Verkehrspolitik, wo sie sich auch
in Geschäften findet, in denen man sie auf den ersten Blick gar nicht
vermutet. Etwa beim neuen Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen.
Dort soll später einmal die Finanzierung des Agglomerationsverkehrs neu
geregelt werden. Der Bund soll – vorausgesetzt, der Vorschlag kommt als
eine von Dutzenden von Massnahmen überhaupt durch die parlamentarische
Beratung und durch die Volksabstimmung – an nachhaltige Projekte einen
finanziellen Beitrag leisten. Und nachhaltig meint: den öffentlichen und
den Langsamverkehr in der Agglomeration mit einbeziehend.
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Auch eine Art von Langsamverkehr: Stau am Gotthard-Nordportal |
Die
grosse Kelle wird nicht gezückt
Verkehrspolitik und Geld für den Langsamverkehr
gibts auch aus dem Topf «Verkehrssicherheit». Dort gilt die «Vision
Zero» – null Strassenverkehrsopfer. Diese Vision wird mit einem höheren
Anteil des langsamen Verkehrs leichter zu erreichen sein. Was dabei
konkret für Fussgänger und Velofahrerinnen herausschaut, wird sich erst
noch weisen. Mehr Sicherheit könnte aber auch Einschränkungen für Velos
bedeuten, etwa Helmpflicht oder bauliche Massnahmen, die auch
Velofahrende ausbremsen. Doch im Moment dreht sich bei der
Verkehrssicherheit alles um den Aufschrei der Töfffahrer, die sich mit
dem Tempolimit 80 km/h derart provoziert sehen, dass sogar der VCS diese
Massnahme als unsinnig bezeichnete.
Die zahlreichen nebeneinander existierenden Geldtöpfe werden
den Alltags- und den Freizeit-Velofahrenden Verbesserungen bescheren.
Mit der grossen Kelle wird in den nächsten Jahren angesichts der
Defizite in den öffentlichen Haushalten aber nirgends angerichtet. «Das
Velowegnetz ist gebaut», heisst es in vielen kantonalen Tiefbauämtern.
Um gewünschte, punktuelle Verbesserungen müsse sich nun halt «Veloland
Schweiz» kümmern, heisst es vielerorts. Dass hier Bundesgelder nützlich
wären, weiss auch Langsamverkehr-Spezialist Gottlieb Witzig.
Die Kämpfe stehen
erst an
Selbst wenn alles gut geht – von wirklich grossen
Summen wird man in den nächsten Jahren nur träumen können. Auch das in
Aussicht gestellte «Anschubprogramm» wird mit 49 Mio. Franken, die auf
das ganze Land zu verteilen sind, bescheiden bleiben. Erst wenn das
bestehende Fuss- und Wanderweggesetz um die Aspekte Velo und HPM
erweitert sein wird, oder wenn für die Kategorie HPM ein eigenes Gesetz
gilt, werden Mittel aus der Treibstoffzoll-Kasse fliessen. Und mehr als
35 Mio. Franken pro Jahr (10 Prozent der Gesamteinnahmen) werden es für
den Langsamverkehr wohl nie werden, so die Einschätzungen aus dem
Bundesamt für Strassen (Astra).
IG-Velo-Geschäftsführer Christoph Merkli ist skeptisch, ob es
je so weit kommen wird. Eine Zustimmung zu einem Leitbild sei leicht zu
geben, «die harten Auseinandersetzungen wird es erst bei der konkreten
Finanzierung absetzen», mahnt er. Und dass der Langsamverkehr heute noch
eine denkbar schlechte Ausgangslage hat, zeigte sich in jüngster Zeit
am Beispiel von «Schweiz Mobil», jenem Programm, dem der Bundesrat das
Geld verweigert hat, weil das Kantonssache sei: Aus den geplanten
Mobilitätszentren, die beispielsweise das Umsteigen vom Zug aufs
Mobility-Auto oder aufs Mietvelo ermöglichen sollten (samt Reservation,
Beratung und Auskünften), wird im Moment nichts. «Schweiz Mobil» ist
geschrumpft und wird vorerst nicht viel mehr werden als ein Infoblatt
und ein paar ins Internet gestellte Tipps. Das Beispiel zeigt der IG
Velo, dass eine unheilige Allianz droht: grundsätzliche Neinsager,
Velogegner, respektive Autofreunde und die Finanzpolitik – alles
zusammen eher unsichere finanzielle Aussichten.
Kein Wunder, entbrennt so die Diskussion um einen
«Velovignetten-Zuschlag» erneut. «Wir haben diese Debatte nicht
losgetreten, haben uns der Sache aber auch nicht ganz verschlossen», so
Christoph Merkli. Über die Höhe einer solchen Zusatzabgabe müsste aber
innerhalb der IG Velo zuerst noch diskutiert werden, zumal der Ertrag
nur ein paar wenige Millionen ausmachen würde. Bleibt noch die Frage,
wozu diese «Milliönli» denn verwendet werden sollen? «Sicher nicht für
den ordentlichen Strassen- respektive Radwegbau», lautet die Mahnung aus
der IG-Velo-Zentrale.
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Kein besserer Name in Sicht? Über den Sinn und die Zweckmässigkeit des
Begriffs «Langsamverkehr» wird immer noch diskutiert. |