
2 Stunden und 49 Minuten Maurice Garin. Bei der zweiten
Austragung 1904 wurden gleich vier in Führung liegende Fahrer
disqualifiziert. Sie hatten ein Teilstück mit der Eisenbahn
zurückgelegt.
Das Gelbe Trikot
Eugène Christophe trug 1919 erstmals das Gelbe
Trikot, das bald zum Mythos wurde. Warum ein gelbes Trikot? Darüber gibt
es nur Gerüchte. Zufall oder nicht, damals wurde die Zeitung «L’Auto»
auf gelbem Papier gedruckt. Doch gegen die Theorie, dass es sich um
einen Marketingcoup von Henri Desgrange handelte, spricht die Tatsache,
dass es nach dem Ersten Weltkrieg auch an Stoff mangelte und so für die
Trikots einige noch vorrätige gelbe Stoffballen zum Zuge kamen.
Christophe war zu jener Zeit über dieses Kleidungsstück nicht erfreut.
Er befürchtete taktische Nachteile, konnten ihn doch so nicht nur die
Zuschauer, sondern auch die Gegner leichter identifizieren.
Bottechia – war
es Mord?
Mitte der Zwanzigerjahre etablierte sich die
Rundfahrt zunehmend als Kulturfaktor. Schriftsteller wie Kurt Tucholsky
widmeten sich der Rundfahrt, Spielfilme entstanden, und die erste
Chronik der Tour de France erschien.
Der Champion von 1924 und 1925, der Italiener Ottavio
Bottechia, nutzte seine Popularität, um auf soziale Ungerechtigkeiten
aufmerksam zu machen. Dem engagierten Sozialisten und Antifaschisten
wurde dies vielleicht zum Verhängnis. 1927 starb Bottechia unter
mysteriösen Umständen. Sein Tod wurde nie mit letzter Sicherheit
geklärt. Eine Version besagt, dass er von einem wütenden Weinbauern
erschlagen worden sei, als er ein paar Trauben stehlen wollte. Einer
Polizeiuntersuchung zufolge soll Bottechia an den Folgen eines Sturzes
ums Leben gekommen sein. Der Radsportkenner Walter Lemke schreibt in
seiner Fausto-Coppi-Biografie, dass der italienische Sportler «mit
grosser Wahrscheinlichkeit von den Faschisten», Gefolgsleuten von
Diktator Mussolini, ermordert worden sei.
Werbekolonne und
Nationalteams
Um dem Einflussbereich der damals mächtigen
Fahrradindustrie zu entfliehen, wurden ab 1930 die Werksmannschaften
durch Nationalteams ersetzt. Sie sollten 32 Jahre lang das Bild der Tour
prägen. Zudem wurde eine andere lukrative Einnahmequelle angezapft: die
bis heute übliche, aber nicht unumstrittene Werbekolonne. Seither
fahren Autos und Motorräder vor dem Fahrerfeld her und bringen ihre
Werbebotschaften, kleine Geschenke und Müsterchen jeglicher Art, an die
Zuschauer am Strassenrand.
Schweizer siegen
Aus Schweizer Sicht waren 1950 und 1951 die
erfolgreichsten Tour-Jahre. 1950 stieg zwar die italienische Mannschaft
aus dem Rennen aus, trotzdem gewann mit Ferdi Kübler ein würdiger
Champion die Austragung. Ein Jahr darauf war es Hugo Koblet: Der
Tour-Tross mit dem Schweizer «Pédaleur de Charme» überquerte in jenem
Jahr erstmals den berüchtigten Mont Ventoux. Seither gab es für
Teilnehmende aus der Schweiz etliche Etappensiege. Einer der schönsten
Siege war sicherlich der des «Bergflohs» Beat Breu von 1982. Diese
Etappe führte auf einen weiteren mythischen Berg hinauf, auf die Alpe
d’Huez.
Laster Doping
Mit Tom Simpson bekam das Wort Doping 1967
plötzlich einen tödlichen Beigeschmack, obwohl bereits 1924 vom
«gefährlichen Zeug» wie etwa Kokain, Chloroform und Pillen die Rede war.
Heute, nach unzähligen Skandalen, sorgen Dopinglisten, interne
Strafsysteme und nationale Gerichte dafür, dass der Gebrauch
leistungssteigernder Mittel aus Fairness- und gesundheitlichen Gründen
nicht mehr geduldet wird.
Die Amerikaner
Greg LeMond läutete 1989 die Radsport-Moderne
ein. Trotz des Vorsprungs des Franzosen Laurent Fignon gewann LeMond,
ausgestattet mit Hightech-Material wie Aero-Lenker und Helm, mit dem
schnellsten Stundenmittel aller Zeiten von 54,545 km/h die Tour. Am Ende
betrug der Vorsprung ganze acht Sekunden. Ein weiterer Rekord, ist dies
doch die knappste Entscheidung in der Geschichte der Rundfahrt.
Seine Biografie enthält Stoff, aus dem sich Hollywood-Filme
machen lassen: Lance Armstrong. Er ist zurzeit mit vier Gesamtsiegen die
unbestrittene Nummer eins in Sachen TdF, und er bezwang sein
Krebsleiden. Er gilt auch als der bestbezahlte Radprofi der
Sportgeschichte. Der Mythos lebt weiter.
Tour de France 2003: 5. bis 27. Juli
www.tourdefrance.com
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Literatur «Nicht alle Helden tragen Gelb – Die Geschichte der Tour de France.» Von Ralf Schröder und Hubert Dahlkamp, Verlag die Werkstatt, 2003 «100 Jahre Tour de France», Delius Klasing Verlag, 2003 «Tour de France», Auf den Spuren eines Mythos, AS-Verlag, 1999 «Das goldene Buch der Tour de France», Hans Blickensdörfer, Bastei Lübbe, 1997 |