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In Stettbach am Zürcher Stadtrand ist die neue Alpin-Zentrale von Trek-Villiger domiziliert |
Da wars nur noch ein kleines Negerlein: Aarios ist als einziger Komplettfabrikant der Schweiz verblieben |
Neuer Besitzer, neues Kapital, neue Fabrik, neue Palette – BMC zählt weiterhin zu den Aufsteigern im Schweizer Business |
In den letzten fünf Jahren ist der
Veloproduktionsstandort Schweiz gehörig unter die Räder geraten:
Praktisch im Jahresrhythmus haben die Marken Condor, Titan, Tigra und
Cilo die Produktion eingestellt oder sind ganz verschwunden. Seit der
letztjährigen 2-Rad-Messe gibt es zwar Versuche, Cilo als Rennradmarke
wieder zu beleben, doch die Investoren blieben dubios. Leibhaftig
auferstanden ist zwar unter Villiger-Flagge Tigra, allerdings als
Fernost-Produkt. Die Villiger-Produktion selbst ist nach Deutschland
ausgelagert und das Unternehmen als Ganzes an Trek verkauft worden. Die
moderne Fabrik in Buttisholz wird bald so leer sein wie die Werke in
Balsthal, Courfaivre und Romanel. Viele Schweizer Kunden fragen sich da
etwas ratlos: Gibt es überhaupt noch Schweizer Velos? Und wenn ja: Was
ist daran noch speziell, angesichts des längst globalisierten
Velomarktes?
Vorweg: Es gibt noch Schweizer Hersteller, und im Schatten
der Verkaufseinbrüche im Ausland und der Schliessungen im Inland
erfreuen sie sich – hinter vorgehaltener Hand – meist einer blendenden
Verfassung. Vorerst muss freilich definiert werden, was unter einem
Schweizer Velo überhaupt zu verstehen ist. Früher galt dieses Prädikat,
wenn die (Stahl-)Rahmen in der Schweiz gelötet wurden; nach der fast
kompletten Ablösung durch Alurahmen werden sie heute hier wenigstens
teilweise noch lackiert. Was heute vor allem zählt, ist die Montage.
Die drei bedeutendsten Schweizer Marken sind gegenwärtig BMC,
Cresta und Tour de Suisse, die letztes Jahr alle 9000 bis 10 000 Velos
abgesetzt haben. Bei BMC wurde freilich nur rund die Hälfte davon,
nämlich die hochwertigen, in der Schweiz montiert; heuer sollen es aber
etwa 2000 Velos zusätzlich sein. Ende letzten Jahres hat Andy Rihs BMC
übernommen und will dank Racing-Team und der neuen Rennvelo-Palette (die
bereits 15 Prozent zum Umsatz beiträgt) und weiterer
Investitionsspritzen expandieren. Für 2003 ist ein Absatz von 13 000
Velos geplant.
Hinter den drei grössten Unternehmen folgt eine Gruppe von
vier Firmen, die alle etwa 3000 bis 4000 Velos verkaufen, wenn auch mit
ganz unterschiedlichem Marketing: Mondia kann offenbar immer noch auf
einen kleinen Stamm treuer Händler zählen, Interbike hat als wichtigste
Absatzkanäle den Fabrikladen in Buchrain sowie Händler- und
Fremdmarken-Aufträge, Aarios vermochte sich als letzter
Kompletthersteller und mit A-la-carte-Fertigung zu profilieren, eine
Nische, in die vor vier Jahren auch der Komponentenanbieter Good Price
eingestiegen ist und mit aggressiven Preisen – nomen est omen – einige
Anbieter das Fürchten gelehrt hat. Dahinter folgt die vor zwei Jahren
wiederbelebte Traditionsmarke Kristall mit 2000 Stadt- und
Trekkingrädern.
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Erwartete Stückzahlen 2003
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Noch
immer 15 Prozent Swiss made
Eine Schrumpfung musste in den letzten Jahren die
Nordwestschweizer Marke Bonanza hinnehmen, doch sie kann in ihrem
Stammgebiet immer noch gegen 1000 Trekking- und Moutainbikes «nach Mass»
absetzen. Bonanza arbeitet auch mit den beiden neueren Designerlabels
Baze und Est, die allerdings in einem Fremdbetrieb montiert werden.
In dieser Boutique-Liga spielen auch Koba und der
Rocky-Mountain-Importeur CSS mit, die 800 respektive 500 Edelmounties
«assemblen». Ebenfalls auf ein halbes Tausend Räder bringen es zwei
Anbieter mit alternativen Vertriebsformen: simpel.ch versteht sich als
einzige Internet-Marke mit Fachservice, dank eigener Montage beim
Spediteur kann sie schneller liefern als viele eingesessene Firmen.
Titan, die einstige Nummer fünf unter den Schweizer Herstellern,
produziert offenbar im selben Montagebetrieb (der an Mondia abgetreten
wurde) immer noch Sporträder, die aber wie die Importmarke Fuji per
Fabrikverkauf veräussert werden. Ein Unikum und absehbares Auslaufmodell
sind die noch knapp 300 Silux-Velos, die mitten in Zürich montiert
werden; die Gebrüder Sidler sind nämlich bereits im Rentenalter.
Schliesslich wären noch einige Spezialisten wie Stahl-Guru Röbi Stolz in
Zürich oder die Alltagsrad-Instanz Velociped in Kriens zu erwähnen, die
es bis auf 200 Bikes bringen.
Der Überblick über die Schweizer Produzenten wäre nicht
vollständig ohne die beiden E-Bike-Marken Dolphin und Flyer, die auch im
Inland zusammengebaut werden. Biketec verspürt dank dem neuen C-Flyer
starken Aufwind und rechnet damit, dieses Jahr den Break-even-Point zu
erreichen.
Total dürften etwa noch 44 000 Velos in der Schweiz montiert
werden – das sind gerade mal gut 15 Prozent der im letzten Jahr in der
Schweiz verkauften Neuvelos, oder so viel wie fast jede der grossen
Firmen Cilo, Gretener, Mondia und Villiger zu den besten Zeiten alleine
produzierte. Die verbliebenen Schweizer Hersteller führen alle ein
handfestes Argument für den Werkplatz Schweiz an: grösstmögliche
Marktnähe mit Just-in-time- und Custom-made-Produktion.
Auch Swiss Design
soll gelten
Nun gibt es freilich eine zweite Kategorie von
Schweizer Marken, die ein «Swiss made» für sich in Anspruch nehmen –
nämlich diejenigen, die hierzulande designt und spezifiziert, aber im
Ausland produziert werden; diese Hersteller machen geltend, dass damit
längst keine Qualitätsnachteile mehr verbunden seien. Allen voran
Pionier MTB Cycletech sowie das meistverkaufte Schweizer Bike Scott USA,
dessen Product-Management – dem Namen zum Trotz – im freiburgischen
Givisiez sitzt. Dazu eine Hand voll weiterer Marken: Canyon, 1991 von
der Bärtschi AG in Biel lanciert, und BC, vor zehn Jahren von
Baltensperger in Otelfingen aus der Taufe gehoben. Dazu Bixs von
Intercycle in Sursee, Stöckli von der gleichnamigen Skifabrik und
Univega von Swissbike in Beckenried. Dieser Gruppe sind neu auch die
Villiger-Marken zuzuordnen, deren Product- und Marketing-Management in
der neuen Trek-Zentrale in Dübendorf angesiedelt ist. Nachdem mit dem
bisherigen Logistik-Partner noch eine Lösung gefunden wurde, können nun
übrigens doch fast alle der ehemaligen Mitarbeiter aus Buttisholz
weiterbeschäftigt werden.
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Fahrradmarkt Schweiz 2002 h+h. Der VFGI hat die
Marktzahlen-Statistik auf eine neue Basis gestellt. Grundlage sind die
effektiven Zahlen der VFGI-Mitglieder sowie Meldungen und Einschätzungen
der Nichtmitglieder und Grossverteiler; zur Kontrolle wurde die
Inlandanlieferung mit der Zollstatistik verglichen (Inlandproduktion
plus Import minus Export). |