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Frühlingsputz statt Schlankheitskur

Um es vorwegzunehmen: Die Rede ist nicht vom Velo-Frühlingsputz. In diesen Wochen erwachen Bedürfnisse, etwas im Leben zu verändern. Es herrscht Aufbruchstimmung. Es ist Zeit, sich über die neue Jahreszeit zu freuen. Béatrice Gaudenzi

«Du, ich habe Susanne schon lange nicht mehr gesehen, wo ist sie bloss?», fragt ein Mann im Tram seinen Kollegen. «Ach weisst du, Fritz, es ist wie jedes Jahr, sie sitzt zu Hause und macht eine ihrer Frühlings-Abmagerungskuren.» – «Oh je, hoffentlich hat sie dieses Jahr mehr Erfolg.»
Der lieben Susanne geht es wie vielen. Sie wird überschwemmt mit Diätvorschlägen in Zeitungen und Zeitschriften. In den Buchhandlungen wimmelt es nur so von peppig aufgemachten Ratgebern zum Thema «Fit und schlank in den Frühling». Da hat Susanne bestimmt etwas Passendes gefunden und probiert es aus. Aber: Braucht es wirklich eine Diät? Warum halten die meisten Schlankheitskuren nicht, was sie versprechen, spätestens dann, wenn man seine alten Ernährungsgewohnheiten wieder aufnimmt?
Der Ausdruck «Diät» stammt vom griechischen Wort «diaita» und bedeutet Lebensweise. Das Wort bezieht sich nicht nur auf die Ernährungsweise, sondern auch auf die Lebensführung. Heute wird unter einer Diät in der Regel eine Schlankheitskur verstanden. Hippokrates gründete vor etwa zweitausend Jahren auf der Mittelmeerinsel Kos eine medizinische Schule, in der die klassischen Grundgedanken der Diätetik entwickelt wurden. Er versuchte, ungesunde Lebensgewohnheiten und eine fehlerhafte Ernährung in eine «gute Ordnung» zurückzuführen. Sein Ziel war ganzheitlich, und er setzte auf die Einsicht, auf die Disziplin und die Aktivität des Menschen.

«Entlastungstag»
Da haben wir den Salat, auch wenn dieser gesund ist. Eine kurzfristig geänderte Ernährungsweise kann gar nicht erfolgreich sein, wir müssen uns auch rundherum verändern, und dies über längere Zeit. Die Anfangseuphorie einer jeden Schlankheitskur ist, dass wir ein paar Kilo Wasser verlieren; bis der Körper aber wirklich die alten, prallen Fettzellen in Angriff nimmt, dauert es wesentlich länger. Natürlich ist ein «Entlastungstag» – ein Tag mit frischem Gemüse oder frischem Obst und reichlich Wasser – wohl tuend. Da entschlacken wir uns und fühlen uns gut. Das gibt Mut, lieb gewonnene, kiloträchtige Gewohnheiten näher anzuschauen und die eine oder andere aufzugeben.
Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem Aufruf an die Industrieländer prophezeit, dass in absehbarer Zeit jeder fünfte Bewohner an Fettleibigkeit leiden wird. Damit wird die Anzahl Menschen, die an Diabetes und anderen, durch massives Übergewicht entstehenden Krankheiten leiden, drastisch zunehmen. Erschreckend ist auch die Tatsache, dass zunehmend Kinder und Jugendliche an Übergewicht leiden. Die WHO gibt einen altbekannten, einfachen Tipp: Viel mehr frisches Gemüse und Obst essen und sich regelmässig bewegen, denn man fühlt sich, wie man isst. Durch eine passende Ernährung kann die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. Das Ziel einer jeden Änderung der Essgewohnheiten sollte sein, Vitalität und Gesundheit zu fördern.

Schwingt sich Susanne aufs Rad?
Susanne wird es auch dieses Jahre gleich ergehen wie früher: Nach der Diät-Isolation kommt sie wieder aus ihrer Wohnung, kauft sich jene Lebensmittel ein, auf die sie drei Wochen verzichtet hat, und wiegt in wenigen Wochen wieder genauso viel wie am Anfang ihrer Schlankheitskur – oder noch ein bisschen mehr.
Da lohnt es, sich aufs Velo zu schwingen, zum Markt zu fahren, die herrlichen Düfte von verschiedenen Kräutern und frischem Gemüse einzuatmen, sich mit Lebensmitteln einzudecken – und statt eines Pain au chocolat einen schönen bunten Strauss Tulpen zu kaufen.

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