
«Du, ich habe Susanne schon lange nicht
mehr gesehen, wo ist sie bloss?», fragt ein Mann im Tram seinen
Kollegen. «Ach weisst du, Fritz, es ist wie jedes Jahr, sie sitzt zu
Hause und macht eine ihrer Frühlings-Abmagerungskuren.» – «Oh je,
hoffentlich hat sie dieses Jahr mehr Erfolg.»
Der lieben Susanne geht es wie vielen. Sie wird überschwemmt
mit Diätvorschlägen in Zeitungen und Zeitschriften. In den
Buchhandlungen wimmelt es nur so von peppig aufgemachten Ratgebern zum
Thema «Fit und schlank in den Frühling». Da hat Susanne bestimmt etwas
Passendes gefunden und probiert es aus. Aber: Braucht es wirklich eine
Diät? Warum halten die meisten Schlankheitskuren nicht, was sie
versprechen, spätestens dann, wenn man seine alten
Ernährungsgewohnheiten wieder aufnimmt?
Der Ausdruck «Diät» stammt vom griechischen Wort «diaita» und
bedeutet Lebensweise. Das Wort bezieht sich nicht nur auf die
Ernährungsweise, sondern auch auf die Lebensführung. Heute wird unter
einer Diät in der Regel eine Schlankheitskur verstanden. Hippokrates
gründete vor etwa zweitausend Jahren auf der Mittelmeerinsel Kos eine
medizinische Schule, in der die klassischen Grundgedanken der Diätetik
entwickelt wurden. Er versuchte, ungesunde Lebensgewohnheiten und eine
fehlerhafte Ernährung in eine «gute Ordnung» zurückzuführen. Sein Ziel
war ganzheitlich, und er setzte auf die Einsicht, auf die Disziplin und
die Aktivität des Menschen.
«Entlastungstag»
Da haben wir den Salat, auch wenn dieser gesund
ist. Eine kurzfristig geänderte Ernährungsweise kann gar nicht
erfolgreich sein, wir müssen uns auch rundherum verändern, und dies über
längere Zeit. Die Anfangseuphorie einer jeden Schlankheitskur ist, dass
wir ein paar Kilo Wasser verlieren; bis der Körper aber wirklich die
alten, prallen Fettzellen in Angriff nimmt, dauert es wesentlich länger.
Natürlich ist ein «Entlastungstag» – ein Tag mit frischem Gemüse oder
frischem Obst und reichlich Wasser – wohl tuend. Da entschlacken wir uns
und fühlen uns gut. Das gibt Mut, lieb gewonnene, kiloträchtige
Gewohnheiten näher anzuschauen und die eine oder andere aufzugeben.
Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem
Aufruf an die Industrieländer prophezeit, dass in absehbarer Zeit jeder
fünfte Bewohner an Fettleibigkeit leiden wird. Damit wird die Anzahl
Menschen, die an Diabetes und anderen, durch massives Übergewicht
entstehenden Krankheiten leiden, drastisch zunehmen. Erschreckend ist
auch die Tatsache, dass zunehmend Kinder und Jugendliche an Übergewicht
leiden. Die WHO gibt einen altbekannten, einfachen Tipp: Viel mehr
frisches Gemüse und Obst essen und sich regelmässig bewegen, denn man
fühlt sich, wie man isst. Durch eine passende Ernährung kann die
Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. Das Ziel einer jeden
Änderung der Essgewohnheiten sollte sein, Vitalität und Gesundheit zu
fördern.
Schwingt sich
Susanne aufs Rad?
Susanne wird es auch dieses Jahre gleich ergehen
wie früher: Nach der Diät-Isolation kommt sie wieder aus ihrer Wohnung,
kauft sich jene Lebensmittel ein, auf die sie drei Wochen verzichtet
hat, und wiegt in wenigen Wochen wieder genauso viel wie am Anfang ihrer
Schlankheitskur – oder noch ein bisschen mehr.
Da lohnt es, sich aufs Velo zu schwingen, zum Markt zu
fahren, die herrlichen Düfte von verschiedenen Kräutern und frischem
Gemüse einzuatmen, sich mit Lebensmitteln einzudecken – und statt eines
Pain au chocolat einen schönen bunten Strauss Tulpen zu kaufen.