

Ein Fahrer setzt sich eine Spritze, und
es werden Dopingmittel ausgetauscht. Gemäss dem von Rai 2 gesendeten
Beitrag wurden die geheimen Videoaufnahmen während des Giro d’Italia
2001 aufgenommen. Wie die Ermittlungsbänder zum Sender Rai 2 gelangen
konnten, ist bisher ungeklärt. Giancarlo Ceruti, Präsident des
italienischen Radsportverbands, kritisiert in der italienischen Zeitung
«La Repubblica»: «Ich glaube nicht, dass die Ausstrahlung dieser Bilder
von Nutzen ist. Diese Aufnahmen dienen der Staatsanwaltschaft zur
Beweisführung und sind dazu bestimmt, das Gesetz zu respektieren. Diese
Bilder im Fernsehen zu zeigen, ist keine konstruktive Art, dieses
(Doping-) Problem zu lösen.»
Radprofi Davide Rebellin missfällt die Ausstrahlung ebenso:
«Es ist ungerecht, vor Beginn des Prozesses sechzig Millionen Italienern
solche Bilder vorzusetzen, ohne dass die direkt Betroffenen im Vorfeld
etwas davon wissen. Erst nach der Ausstrahlung habe ich davon erfahren.»
Urheber des ausgestrahlten Materials sind die Staatsanwaltschaft von
Padua, die dafür die italienische Guardia di Finanza einsetzte, sowie
eine Abteilung der Carabinieri zur Drogenbekämpfung, die im Auftrag der
Staatsanwaltschaft Florenz handelte.
Die Ermittlungen über einen angeblichen Handel verbotener
Dopingsubstanzen beim Giro d’Italia 2001 wurden am 20. Februar 2001
abgeschlossen, um die Prozesse gegen Fahrer, Trainer, Sportdirektoren
und weitere beantragen zu können. Die Prozesse gegen die insgesamt 51
angeklagten Personen sollen demnächst stattfinden. Nach einem Bericht
der «Gazzetta dello Sport» drohen den Rennfahrern Haftstrafen von bis zu
drei Jahren. Dopingdealer und Ärzte können mit bis zu sechs Jahren Haft
bestraft werden. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft haben die
Sportgerichte die meisten Strafen bereits ausgesprochen. Diese fielen in
Form von Startverboten aus und sind für die meisten Rennfahrer bereits
ausgestanden. Sie sind wieder im Rennen – wie zum Beispiel Dario Frigo,
der mit neun Monaten Sperre davonkam.
Die Dopingbekämpfung ist eine langwierige Angelegenheit.
Bereits vor vier Jahren begann Staatsanwältin Paola Cameran zu
ermitteln. Damals wurden beim Sportmediziner Enrico Lazzaro in Padua
Dopingmittel gefunden, die offensichtlich im grossen Stil an Amateur-
und Profi-Radrennfahrer verteilt wurden. Darunter befanden sich
Wachstumshormone, Cortison-, Testosteron- und Koffein-Präparate, aber
auch das Blutdopingmittel Epo. Die Justizbehörden von Padua erwägen, die
Eröffnung des Verfahrens gegen 27 Radsportler wegen mutmasslicher
Verletzung des Anti-Doping-Gesetzes zu beantragen.
Der Sturz des Cofidis-Profis Andrei Kivilev an der Fernfahrt Paris–Nizza hatte fatale Folgen: Der im französischen Sorbiers lebende 29-jährige Kasache starb an seinen schweren Kopfverletzungen. Sein Tod heizt die Diskussion um eine Helmpflicht für Strassenprofis erneut an.
ba. Der Radweltsportverband UCI kündigte an,
man werde anlässlich dieses tragischen Unfalls über die Helmfrage neu
nachdenken. In einem Communiqué erinnerte der UCI daran, dass es 1991
die Rennfahrer gewesen seien, die «durch massive Proteste die Einführung
der Helmpflicht» verhinderten. «Diese Pflicht gilt für alle anderen
Kategorien, insbesondere für den Nachwuchs. Heute trägt die grosse
Mehrheit der Profis Helme, auch wenn letztere nicht alle Risiken
ausschliessen.» Der UCI wolle nun aber die Initiative ergreifen und mit
allen Beteiligten die Helmpflicht-Frage neu erörtern. Im Profi-Radsport
ist das Tragen eines Helms vom UCI zwar empfohlen, doch eine allgemeine
Helmpflicht gibt es im Gegensatz zum Nachwuchsbereich nicht. Einige
Länder, zum Beispiel Belgien, schreiben in ihren nationalen Gesetzen das
Helmtragen in Radrennen für alle Kategorien vor.
Der Tod fährt mit
In den letzten Jahren gab es im Strassenrennsport
immer wieder tödliche Unfälle: