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Das Erwachen der Eleganz

Die Bekleidungsindustrie hat sich längst auf das Parkett der funktionalen Outfits gewagt, da müssen sich die Spezialisten für Velobekleidung etwas Besonderes einfallen lassen. Dieses Jahr ist ihnen dies in der Wahl der Farbkombinationen gut geglückt. Béatrice Gaudenzi
Velofahren will Lebensfreude ausdrücken, und das soll sich auch in der Spezialbekleidung zeigen. Die diesjährigen Kollektionen sind frisch und zum Teil frech, elegant und modisch. Dies gilt sowohl für die komfortablen Oberteile mit langen, dreiviertellangen oder kurzen Ärmeln als auch für die Hosen in allen Längen und Schnitten. Die Modelle sind alltagstauglich, sportlich und bequem. Für Frau und Mann gibt es eine so grosse Auswahl, dass manche vor der Qual der Wahl stehen.

Hellblau ist in der kommenden Saison eine beliebte Farbe. Sie kommt bei den Oberteilen häufig vor, als Streifen auf mehrfarbigen bequemen T-Shirts, auf ausgesprochenen Velooberteilen mit Taschen am Rücken, auf ärmellosen Shirts und weit geschnittenen kurzärmligen Hemden oder bei so genannten Poloshirts. Andere Kombinationen haben eine uni Grundfarbe und sind an den Schultern oder auf der Seite in einer helleren Farbe gehalten. Die klassischen einfarbigen Teile heben sich durch starke und warme Farben ab. Dunkelbraun wurde neu entdeckt. Diese erdige Farbe löst vielleicht das bisher vorherrschende Schwarz ab. Für die Damen gibt es elegante mehrfarbige Bodys, die man gern als Badeanzug tragen würde. Die Oberteile werden kombiniert mit klassischen schwarzen, dunkelbraunen, dunkelgrauen oder navyfarbenen Velohosen in den unterschiedlichsten Längen.
Wer sich in eng geschnittenen Velohosen nicht wohl fühlt, hat eine gute Auswahl an weit geschnittenen Baggy-Shorts, die man auch im Alltag tragen kann. Aufgefallen sind die dreiviertellangen, engen Tights, die mit ihrem Schnitt optisch die Beine verlängern. Eine gute Alternative für alle, die keine kurzen Velohosen mögen.
Löblich ist die Einsicht einiger Labels, speziell für die Herren elegante Teile auf den Markt zu bringen, die eine gewisse Leichtigkeit nicht verbergen und – das ist nicht zu unterschätzen – sich durchaus bei einem Halt im Gartenrestaurant vorzeigen lassen. In dieser Aufmachung muss Mann nicht befürchten, dass andere Gäste die Nase über die «aerodynamischen Gümmeler» rümpfen.

Funktionale Unterwäsche
Einen Quantensprung erlebt die Functional Underwear. Diese Teile sind sexy und schön, sodass man sie gerne zeigen würde. Vorbei also die Zeiten, wo Frau sich beim Ausziehen der Velokluft hinter einem Baum versteckte, damit niemand das letzte Stück am Leib sehe. Bei der Unterwäsche gibt es in dieser Saison für Frauen und Männer eine breite Auswahl, und die schönen Stücke eignen sich durchaus auch für andere Sport- oder Freizeitbeschäftigungen.
Die Hersteller scheinen die Kombination neu entdeckt zu haben: Man findet Helme – ja sogar Brillen – in passender Farbe zum Outfit. Wer es auf die Spitze treiben will, kann sogar assortierte Handschuhe kaufen. Auch Satteltaschen und Rucksäcke haben ihr Mauerblümchendasein aufgegeben: Alles kommt passend, praktisch und elegant daher.
Die Grundfunktionen, die moderne Sportbekleidung erfüllen muss, sind nach wie vor Feuchtigkeitstransport, Isolation und Wärmeregulierung sowie Wetterschutz. Velokleider müssen wasser- und winddicht sein. Diese Eigenschaften kennt man von den drei klassischen Bekleidungsschichten, die als Schweisstransporter, Wärmehalter und Wetterschutz im Zwiebelschalenprinzip je nach Bedürfnis übereinander geschichtet oder ausgezogen werden können.

Hightech-Materialien
Die Entwicklung der Hightech-Materialien, die diese Funktionen erfüllen, wird jedes Jahr raffinierter und ausgefeilter. Ein weiteres Kriterium sind auch der UV-Schutz und die Lichtreflexion. Auch diese Funktionen sind heute standardmässig bei den Velokleidern integriert. Als Grundmaterial wird Polyester verwendet. Dieses kann die vielfältigen Funktionen am besten erfüllen. Zwar sind synthetische Stoffe besonders geruchsempfindlich, doch die Hersteller versuchen, «geruchsfreie» Teile herzustellen. Kommt dazu, dass Polyester besonders leicht ist, sehr schnell trocknet und sich so besonders gut eignet, wenn man Shirt oder Hosen unterwegs waschen will. Leuten, die auf Seide und Baumwolle schwören, war die Beschaffenheit der modernen Materialien bis vor kurzem zu steif und zu körperfeindlich. Doch die neusten Kombinationen fühlen sich weich und anschmiegsam an. Es wird immer schwieriger, den Unterschied zwischen Synthetik, Baumwolle oder Seide zu merken. Im Übrigen haben Baumwollteile auch ihre Nachteile: Baumwolle nimmt doppelt so viel Feuchtigkeit auf wie synthetisches Gewebe und klebt am Körper, sodass man bei sinkenden Temperaturen schnell einmal friert und sich dementsprechend unwohl fühlt.

Nahtlose Hosen
Grosse Fortschritte sieht man bei den Velohosen. Quälte man sich früher mit Nähten ab, die Druckstellen hinterliessen und beim Sitzen auf dem Sattel sogar Schmerzen auslösten, so erlaubt die Technologie heute Verbindungen von zwei Stoffbahnen ohne sichtbare und auftragende Nähte – ein wahrer Genuss für unseren Wertesten.
Ein besonderes Augenmerk haben die Hersteller erneut dem Klimaausgleich geschenkt. Es werden hochwertige und äusserst leichte Materialien verwendet, die sich durch hohe Atmungsaktivität auszeichnen. Feinste Faserstrukturen ermöglichen einen schnellen Feuchtigkeitstransport von innen nach aussen.
Die ultraleichten Kleidungsstücke lassen sich sehr gut verpacken und benötigen kaum Platz in der Velotasche. Die Garderobe für die Touren wird immer leichter. Der Vorteil: leichtes Gepäck trotz langer Reise. Diese Entwicklung hin zu leichten Materialien ist auch bei den meisten Reiseutensilien feststellbar: Zelte, Fotokameras und vieles andere mehr. Die Ausrede, man könne keine Tour unternehmen, weil man ja sooo viel mitschleppen müsse, und alles sooo schwer sei, gilt nicht mehr.

1| Odlo
«Rasant, aerodynamisch, hightech» – so beschreibt Odlo seine neue Velokollektion. In Bezug auf Eleganz und perfekte Farbkombinationen bietet dieser Hersteller eine wahre Augenweide. Eine Neuheit sind die ersten Velohosen mit eingeschweisstem Innenteil. Der Sitzbereich ist nahtfrei. Dämpfungspolster mit unterschiedlichen Eigenschaften sorgen dafür, dass sich das Innenteil weich anfühlt und aussen schützt. Dadurch wird der Tragkomfort noch besser. Besonders kleidsam sind die Windstopper mit innen abgedeckter Front, einem reflektierenden Band am Rücken, einer Schlüsseltasche und einem Kinnschutz. Sehr elegant sind die Capri-Tights für Damen, die in Schwarz, Dunkelblau und warmem Grau zu haben sind. Ebenfalls für Damen stellt Odlo den Gemini-Windbreaker in modischem Hellblau mit schwarzem Seitenteil und einem kecken, filigranen roten Seitenstreifen von der Schulter zur Hüfte vor. Gemini gibt es auch als Gilet. Die sexy Unterwäsche, mit der man sich nicht mehr hinter Bäumen verstecken muss, haben wir ebenfalls bei Odlo gesehen.
www.odlo.ch

2| Alpina
Alpina ist bekannt für seine formschönen und komfortablen Helme, die in Tests immer wieder ausgezeichnet werden. Die Kollektion 2003 bringt neue Farben, die zu den Kleiderkollektionen passen. Alpina hat sich auch als Brillenspezialist einen Namen gemacht und ist mit seiner Airframe-Linie schon einige Jahre dabei. Die Brillen haben Steckbügel mit Silikonstopper. Das ermöglicht ein schnelles Aufsetzen und Abnehmen und bietet einen guten Halt. Die Nasenstützen sind mit silikonisierten Einlagen versehen und ermöglichen problemloses Anpassen. Hundertprozentiger UV-Schutz ist bei diesen Brillen Standard, die Gläser bestehen aus hartbeschichteten Ceramic-Scheiben, die nicht beschlagen. Farben und Formen sind sehr modisch.
www.alpinasport.ch

3| Ortlieb
Wer kennt sie nicht, die Ortlieb-Radtaschen, die lange Jahre in leuchtendem Rot produziert wurden? Nun sind sie in vielen anderen Farben zu haben. Die Taschen sind wasserdicht und geräumig, und sie halten, was sie versprechen. Eine gute Lösung für Touren ist die «Bike-Packer-Plus-Tasche», eine Hinterradtasche aus wasserabstossendem Material, mit grossem Deckelverschluss und einem praktischen Halterungssystem.
www.exped.com

 

4| Descente
Das japanische Label galt bisher als eher altmodisch und nicht besonders pfiffig. Das ist vorbei. Descente kommt in einem komplett neuen Outfit daher, vom Logo bis hin zur Kollektion, die sich frisch und fröhlich präsentiert. Tragkomfort, Funktionalität und Bequemlichkeit stehen im Vordergrund. Auffallend sind die Damenbodys, dazu findet man das passende Oberteil, mit denen Frau die Schultern bedecken kann. Vielseitig die Auswahl an Herrenoberteilen in zum Teil gewagten Farben, alle jedoch sehr elegant kombiniert. Descente bietet auch eine Underwear-Kollektion an, in schlichtem Weiss gehalten, und die Cycling Drawers, die Velounterhose, die man unter weiten Shorts trägt. Farbige Socken, Handschuhe, Knie-, Arm- und Beinwärmer runden das Angebot ab.
www.descente.ch

5| Adidas
Die klassische Linie von Adidas hält sich eher an die einfarbigen Teile. Die Farben sind kräftig. Bei den Windstoppern, den leichten Jacken, sind die Ärmel zum Teil abnehmbar. Cool wirken die T&C-Shirts für Herren mit einer Brust- und einer Rückentasche. In dieser Linie findet man ein elegantes grau-braun-beiges Leisure-Polo mit integrierter Rückentasche und Reissverschluss, das Rückenteil ist verlängert. Beige Baggy-Shorts lassen sich bestens mit diesem Oberteil kombinieren. Die Shorts gibt es auch im Damenschnitt. Sie verfügen über eine weiche, leichte Innenhose und ein vorgeformtes, nahtloses und antibakteriell behandeltes Pad, eine Einlage, die Wundstellen verhindern soll. Elastische Einsätze garantieren die grösstmögliche Bewegungsfreiheit. Die Shorts gibt es in Schwarz und Blau. Adidas präsentiert auch eine grosse Auswahl an Veloschuhen für alle Bedürfnisse.
www.chrissports.ch

6| Sugoi
Diese Linie spricht die jüngeren Power-Girls und
-Boys an. Die frechen Prints und Schnitte der Oberteile erfordern einigen Mut. Wer es bunt und auffällig mag, findet bei Sugoi das Richtige.
www.velok.ch

 

It’s a women’s world

Velofahrerinnen und Velofahrer werden in der kommenden Saison – auch äusserlich sichtbar – als geniessende, lustvolle und naturverbundene Menschen zu erkennen sein. Auch wer im Sattel sitzt, will sich schön angezogen zeigen. Das ist gut so, stärkt das Bewusstsein und macht eine der tollsten Fortbewegungsarten zu einem besonderen Ereignis. Natürlich liegt das Vergnügen nicht nur am Tenue, aber es radelt sich besser, wenn man sich in seinen Kleidern wohl fühlt und anerkennende Blicke erntet.
Ladys, besonders unsere Stunde hat geschlagen! Unter den Velobekleidungsherstellern gibts ein wahres Wetteifern: Wer hat die femininste, tragfreundlichste und farblich perfekt zusammengestellte Damenkollektion? Die Herren allerdings müssen sich noch wehren. Noch immer sind es mehrheitlich die schwarz/orange/gelb/giftgrün gestreiften Teile, die ihnen die Velomode anbietet.

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