
Amerikanischer Merger-Speed
Mindestens für Buttisholz gehen die hehren
Absichten des Patrons nun aber keineswegs in Erfüllung: Nach der
Handänderung Ende Dezember wird der Standort Buttisholz aus
Kostengründen rasch aufgelöst (wie von «velojournal» prophezeit).
Vertragsgemäss wurden zwar die Arbeitsverhältnisse der verbliebenen 32
Mitarbeiter der Villiger Söhne AG von der Trek Fahrrad GmbH übernommen.
Die Fusionslogik bringt es mit sich, dass nicht mehr alle Stellen
besetzt werden können: schliesslich nur noch ein Dutzend Kader-, Innen-
und Aussendienstleute. Trek verbleibt die unschöne Aufgabe, auf Ende
April 15 Beschäftigte kündigen zu müssen, vorwiegend Monteure (auch die
Endmontage für Tigra und das Finishing für Arrow wird nämlich künftig in
Deutschland erfolgen).
Frappant ist das angeschlagene Tempo: Mitte Januar wurden
bereits die beiden Administrationen in den neuen Trek-Sitz nach
Dübendorf verlegt; im März erfolgen die letzten Montagen in Buttisholz
und spätestens Anfang April soll auch das Lager geräumt sein. Diese
rasante Verschmelzung ist für den Schweizer Trek/Villiger-Statthalter
Tom Brown essenziell: «Viele Akquisitionen gingen schief, weil sie nicht
rasch genug vollzogen wurden.»
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Facts & Figuresph. Die Fahrradsparte von Villiger
bestand aus den Firmen Villiger Söhne AG in Buttisholz und den Diamant
Fahrradwerken GmbH (Produktion) plus der Villliger Diamant Bike GmbH
(Vertrieb) in Hartmannsdorf. Der Standort Buttisholz ergab sich 1980
durch den Kauf der Firma Kalt. Zuletzt arbeiteten in der nach einem
Brand neu aufgebauten Fabrik nur noch gut 30 MitarbeiterInnen, gerade
noch ein Viertel des Höchstbestandes in der zweiten Hälfte der
Neunzigerjahre. |
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Tom Brown, Geschäftsführer Trek-Villiger. |
Wieso war
Buttisholz kein Thema?
Branchenkenner wundern sich freilich über die
komplette Liquidierung von Buttisholz. Zwar war die Integrierung des
Werkes in den Verkauf offenbar nie ein Thema – «way too big», liessen
die Amerikaner verlauten. Zudem sollte ein örtlicher Wechsel den
Neubeginn unterstreichen. Gleichwohl ist es verwunderlich, dass die
Villiger Söhne AG der neuen Niederlassung, die ohnehin gezwungen war,
grössere Räumlichkeiten zu mieten, nicht wenigstens ein günstiges
Angebot machte, statt die Fabrik womöglich jahrelang leer stehen lassen
zu müssen. Heinrich Villigers Erklärung: «Nachdem Trek den Standort
Buttisholz fallen lassen wollte, mussten wir davon ausgehen, dass auch
eine Vermietung nicht in Frage kommt.» Wenn nicht für die gesamte
Organisation, so wäre Buttisholz mindestens als neues Schweizer
Zentrallager prädestiniert gewesen (das nun beim Logistikpartner in
Basel eingerichtet wird). Jedenfalls besteht keinerlei Hoffnung auf eine
zweckgemässe Weiterverwendung des modernen, vor einem Jahrzehnt nach
einem Brand erst neu aufgebauten Werks bereits in Balsthal (Jeker,
Haefeli) und Romanel (Cilo) liegen grosse Velofabriken brach.
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Zürich wird zur
neuen Zentrale
Immerhin erfährt Trek Schweiz ein markantes
«Upgrade». In Zürich soll ein eigentliches «Management Center» für den
deutschsprachigen Raum errichtet werden und neben den übernommenen (Mark
Faude/Product Managment, Jürgen Gopper/Verkauf) sollen auch neue
Kaderstellen in Marketing und Engineering geschaffen werden. Ein neuer
Marketingleiter für alle Villiger-Labels, ein zweiter Product Manager,
ein Ingenieur und ein Designer. Tom Brown: «Trek hat Villiger gekauft,
um Geld zu verdienen, und wird entsprechend in den Ausbau der drei
Marken investieren.» Erklärte Absicht ist es, das nach wie vor treue
Händlernetz für die Marken Villiger, Arrow und Tigra selbständig
weiterlaufen zu lassen. Deren Schweizer Absatz dürfte dieses Jahr 15’000
Velos erreichen, Trek folgt mit 14’000 Bikes der drei Marken Gary
Fisher, Klein und Trek unmittelbar dahinter, womit die fusionierte Firma
zum neuen Marktleader aufsteigt (wie Villiger zu den besten Zeiten).
Zäsur in Deutschland steht noch an
In der neuen Zürcher Niederlassung wird auch das
Büro von Harald Schmiedel sein, der zwar als Geschäftsführer in
Buttisholz überflüssig geworden ist, für die Villiger Diamant Bike GmbH
in Hartmannsdorf aber als neuer Verkaufs- und Marketingdirektor
eingesetzt wird und damit de facto zum dortigen Geschäftsführer
avanciert. Die bisherige Position von Hugo Blech als Gesamtleiter wird
nämlich nicht mehr besetzt. Neu unterstehen die Diamant Fahrradwerke
GmbH Treks Vice President Tim Callahan, der auch für die andern drei
Werke in den USA und Irland zuständig ist; ein operationeller
Betriebsleiter wird noch gesucht. Trek hat klar signalisiert, dass die
Produktion in Sachsen weitergeführt, wenn möglich gar ausgebaut werden
soll, aber auch, dass hier eine grössere Restrukturierung, sprich
Personalabbau, erst noch anstehe.
KommentarWie gut die Wahl war, muss sich erst noch weisen. Trek zählt in den USA zu den Marktführern und gilt als wichtigste Fachhandelsmarke. Einen besonderen Status geniesst sie dadurch, dass sie die Toplinien immer noch in den Staaten produziert. Im Gegensatz zu vielen grossen (europäischen) Marken schreibt sie ordentliche Gewinne – die Voraussetzung, um überhaupt auf Brautschau zu gehen. In Europa indes hatte Trek in der Tat Probleme: Tour-de- France-Seriensieger Lance Armstrong polierte zwar das Image als Rennrad-Anbieter auf, doch bei den Alltagsrädern konnte die riesige Publicity kaum umgemünzt werden. Das soll sich dank den beiden «german made»-Labels gründlich ändern. Mit Villiger wird vor allem die fehlende Kompetenz im wichtigsten Markt der City- und Trekkingräder erkauft. Insofern müsste Trek an den Neuakquisitionen sicherlich ein echtes industrielles und nicht einfach nur Markeninteresse haben – wie das bei den andern beiden Kaufinteressenten Accell und CycleEurope wohl der Fall gewesen wäre. Ob das ganze Villiger/Diamant-Markenportefeuille für längere Zeit Bestand haben kann, erscheint angesichts der schwierigen Marktsituation freilich schon fraglicher. Auch muss sich erst weisen, was aus der Produktion Hartmannsdorf unter dem neuen US-Regime gemacht wird; das Aufeinanderprallen der grundverschiedenen «Ossi»- und «Ami»-Mentalität könnte jedenfalls härter sein, als sich Trek das wohl vorgestellt hat. Der abrupte, unkommentierte Abgang von Verkaufsleiter Uwe Reinkemeyer-Lay, schlechterdings «Mr. Diamant», deutet jedenfalls bereits darauf hin, dass es über die künftige Bedeutung von Hartmannsdorf und die Strategie für die Villiger-Labels gravierende Meinungsverschiedenheiten gegeben haben dürfte. |