Schwerpunkt
Neigezüge: Velos nur noch mit Reservation
Ab April dürfen in den Intercity-Neigezügen auf der Strecke St. Gallen–Genf Velos nur noch nach vorgängiger Reservation selbst verladen werden. Das kostet zusätzliche fünf Franken Reservationsgebühr und eine Viertelstunde Vorlaufzeit. Bei Velopendlern regt sich der Protest. Michael Städler, St. Gallen
Nach dem vollständigen Velotransportverbot in den
IC-Neigezügen der SBB während der Expo.02 war es absehbar: Wegen der
engen Platzverhältnisse wird der Veloselbstverlad in diesen Zügen – sie
fahren von St. Gallen via Zürich auf der Jurasüdfusslinie nach Genf –
eingeschränkt bleiben. Die SBB befürchten auch Verspätungen und
Sicherheitsprobleme. Ein Velopendler auf der Strecke St. Gallen–Zürich
muss mit dem neuen Reservationszuschlag von fünf Franken tausend Franken
Mehrkosten pro Jahr rechnen. Statt die Kapazität der Velotransporte zu
erhöhen, wie es bei zunehmender Nachfrage logisch wäre, wird das
bestehende Angebot noch eingeschränkt.
Ob die Rechnung der SBB aufgeht, ist eine andere Frage.
Allein die Einführung des Reservationssystems dürfte gemäss
einschlägigen Informationen rund 500’000 Franken kosten – ohne Betrieb
und Personal. Die Neuentwicklung einer Software, welche ausbaufähig
wäre, kommt schnell auf 1,5 bis 3 Millionen Franken zu stehen.
Verbesserungen gibt es trotz der hohen Kosten weder
fürs Zugspersonal noch für die KundInnen. Diskussionen sind
vorprogrammiert, der Arbeitsaufwand wird grösser, KundInnen sind an Ort
und Zeit gebunden, haben zusätzliche Kosten und Umtriebe. Bei
geschlossenem respektive nicht vorhandenem Schalter kann keine
Reservation vorgenommen werden.
Dabei gäbe es verschiedene Alternativen, zum Beispiel eine
Reservationsempfehlung muss bis zur Abfahrt in Genf resp. St. Gallen
erfolgen, oder die Schaffung eines Mehrzweckabteils pro ICN-Komposition.
Auf Kosten von bis zu fünf Sitzplätzen kann die Kapazität für Velos um
das Zwei- bis Dreifache gesteigert werden. Zusätzlich würde Platz für
Kinderwagen, sperriges Gepäck und so weiter geschaffen. Der ICN würde
somit familien- und velofreundlicher. Klappsitze bieten bei grossem
Passagieraufkommen Platz für Fahrgäste. Laut einem Teamleiter für
Unterhalt und Reinigung der SBB ist die Verschmutzung durch Velos gering
und somit kein Problem. Die Installationen pro ICN kosten (laut
Bombardier-ICN Projektleiter Herr Forrer) rund 50’000 Franken (inkl.
Türverbreiterung), das heisst rund 2 Millionen Franken für die gesamte
ICN-Flotte.
Stellungnahme der SBB
Mit der Reservationspflicht kann der
Kunde künftig seinen Veloplatz im ICN sichern. Die Reservationsgebühr
beträgt fünf Franken und ist zusätzlich zum normalen Velotarif zu
bezahlen. Dank dem Obligatorium kann eine Reservation für Velos auch
kurzfristig bis 15 Minuten vor Zugabfahrt am Schalter erfolgen. Bis drei
Tage vor Reisebeginn kann die Reservation auch über Rail Service (0900
300 300, Fr. 1.19/min) bestellt werden. Falls im Zug keine Reservation
vorgewiesen werden kann, wird ein Zuschlag von zehn Franken erhoben.
Die SBB haben sich für diesen Schritt entschieden, um das
Angebot für die Kundinnen und Kunden zu verbessern und dem sommerlichen
Platzmangel für Velos und dem damit verbundenen Verspätungsrisiko auf
der betroffenen Strecke entgegenzutreten. Das neue Angebot wurde mit der
Interessenvertretung Velo (u.a. IG Velo) abgesprochen und von diesen
als angemessene und transparente Massnahme eingeschätzt. Wir gehen davon
aus, dass die Reservation eine Lenkung der Nachfrage bewirkt. Nur damit
können die SBB den Veloselbstverlad auch für die weitere Zukunft
aufrechterhalten.
Daneben existieren aber auch verschiedene Alternativen:
Eine Ausweichmöglichkeit bietet beispielsweise der alternative Zug im
Halbstundentakt. Auch ein Velosack (TranZBag u.Ä.) oder ein klappbares
Velo sind im ICN erlaubt. Das Mobilitätsproblem könnte auch mit einem
abgestellten Velo am Zielbahnhof gelöst werden.
Beim Veloselbstverlad handelt es sich primär um eine
Servicekomponente. Diese soll möglichst kostenoptimiert geschehen, was
in diesem Fall dank dem bereits bestehenden EDV-System für
Personenplatzreservationen gewährt ist.
Florentin Abächerli, Personenverkehr SBB
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